Trotz Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft lässt sich die Luxemburger Werbebranche ihre gute Stimmung nicht nehmen. Dieses Jahr hätten die Firmen kräftig in Anzeigenkampagnen und Werbeaktionen investiert. Lediglich für das nächste Jahr fällt der Ausblick gemischt aus, wie wort.lu in einer Umfrage bei der Werbewirtschaft erfahren hat.
Während Banken, Rohstoffindustrie und Autobauer unter der Konjunkturflaute stöhnen, haben die Werbeprofis in Luxemburg gut zu tun. Die Kampagnen sind meist lange im Voraus geplant und würden nicht im Handumdrehen abgesagt, meint Ghislain Ludwig, Direktor der Werbeagentur Brain & More. "2008 ist für die Agenturen in Luxemburg ein gutes Jahr. Trotz der Finanzkrise haben meines Wissens die Banken ihre Annoncen weiter geschaltet."
Selbst wenn sich die Verbraucher im kommenden Jahr in Kaufzurückhaltung üben würden, ist dies noch lange kein Grund für gekürzte Werbebudgets. "Im Gegenteil: In solchen Fällen muss man mehr Produktwerbung machen, um den Absatz zu fördern", sagt Ludwig.
Nach Ansicht von Marc Binsfeld von der Werbeagentur Binsfeld Communication werden die Werbekunden im wirtschaftlichen Abschwung mehr auf Produktwerbung setzen. Davon könnten nicht zuletzt die zwei Gratiszeitungen – die große Neuerung im Luxemburger Werbemarkt – profitieren. "Die Gratiszeitungen sprechen eine neue Zielgruppe an, nämlich jüngere Berufspendler. Diese Käuferschicht erreicht man gut mit promotionellen Kampagnen", sagt Binsfeld. Dagegen befürchtet er einen Rückgang bei Image-Werbung, wie sie vorwiegend in Zeitschriften geschaltet wird.
Einstimmige Meinung der Werbeprofis ist, dass sich das Internet zu einem ernst zu nehmenden Werbeträger entwickelt hat. "Die Bedeutung des Internet wächst beständig. Dennoch muss man sagen, dass das Medium bisher ein Stiefkind der Werbetreibenden war. Im Vergleich mit dem Ausland gibt es hierzulande Nachholbedarf", schätzt Lou Scheider vom Werbevermarkter IP Luxemburg.
Im Zeitungsland Luxemburg reservieren die Unternehmen einen großen Teil ihrer Budgets für gedruckte Werbung. Beim Verlagshaus "saint-paul luxembourg" mit dem Flaggschiff "Luxemburger Wort" fühlt man sich gewappnet vor konjunkturellen Schwankungen. "Die Kunden verlassen sich im Abschwung auf sichere Werte", erklärt Anzeigenchef Patrick Ludovicy. Bei den Werbeanzeigen hat er noch keinen Rückgang festgestellt. Anders sieht es dagegen bei Stellenanzeigen aus, wo sich die zurückgehende Konjunktur bemerkbar macht. Allgemein sei es sehr schwer, Prognosen für das kommende Jahr zu treffen. "Die Stimmung in der Branche ist zurzeit nicht schlecht, das kann allerdings im nächsten Jahr schon der Fall sein", meint Ludovicy. Übereinstimmend sagen Medien und Werbeagenturen, dass die Unternehmen zunehmend spontan reagieren und sich nicht mehr auf langfristige Kampagnen festlegen wollen.
Gerade vor der Weihnachtszeit ist das Vertrauen in die Kauflust der Verbraucher groß. "Es ist viel Psychologie im Spiel", sagt Patrick Ludovicy. Für 2009 erhofft er sich Besserung durch die Regierungsmaßnahmen: Mit Steuersenkungen und Rettungspaketen für die Banken habe die Politik einiges getan, um einen Stimmungseinbruch zu verhindern.