Dyskalkulie

Zahlensalat im Kopf

Probleme beim Umgang mit Zahlen und Mathematik

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von Kerstin Rose 

Menschen, die eine starke Abneigung gegen Mathematik empfinden, können sich oftmals selbst nicht erklären, woher ihre Ablehnung eigentlich kommt. Viele fühlen sich dumm oder meinen, Mathematik läge ihnen einfach nicht. Häufig liegt die Ursache aber in ihrer Vergangenheit.

Im Laufe des Erwachsenwerdens muss unser Gehirn viele Umwandlungsprozesse durchlaufen und es werden viele Nervenbahnen geknüpft. Diese helfen uns später, ein Verständnis für Zahlenräume, Zahlenwerte und Mengenverhältnisse zu entwickeln.

Ein Teufelskreis

Eine Kombination aus ungünstigen Einflüssen wie Schulwechsel, Sprachbarrieren, psychischem Druck oder Eltern, die ebenfalls Probleme beim Rechnen haben, können bei einem Kind den Grundstein für eine Rechenschwäche legen. Zwar könnten Eltern so ihren Kindern Probleme im Umgang mit Zahlen weitergeben, doch vererbbar seien sie nicht, erklärte vergangene Woche Michael von Aster, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie der DRK Kliniken Berlin, bei einem Vortrag im „Lycée technique de Bonnevoie“.

„Ich habe noch nie ein Baby rechnen sehen“ sagte er mit einem Schmunzeln. Doch er erklärte, dass die Unlust und der Widerwille der Eltern für ihre Kinder spürbar seien und so zu einer Störungsentwicklung beitragen könnten.

In der Regel handelt es sich beim Entstehen der Mathematikschwäche um einen Teufelskreis. Zunächst gibt es verschiedene negative Einflüsse, es kommt zu einem Unverständnis eines mathematischen Zusammenhangs. Das daraus folgende Versagen führt zu einer Abneigung, die wieder einen negativen Einfluss hat. So wird Mathemathik zunehmend als negativ empfunden. Dadurch entwickelt sich ein falsches Verständnis für die Grundgesetze der Mathematik.

Die meisten Kinder bauen sich zunächst Eselsbrücken und verstecken ihr Unverständnis mit Auswendiglernen. So werden einfache Rechenaufgaben wie 5+3 nicht gerechnet, sondern entweder abgezählt oder auswendig gelernt. Dies stellt anfangs noch kein Problem dar, doch sobald die Zahlenwerte gesteigert werden oder subtrahiert statt addiert werden sollen, stehen die Kinder vor einem großen Problem.

Weitere Symptome einer Dyskalkulie können Defizite bei der Übertragung des Zahlenwertes sein wie fünf = 5, Probleme bei dem Transferverständnis wie 6+8 = 8+6 oder dem Analogieverständnis wie 24+1 = 25, also 34+1 = 35. Bei solchen Bespielen würden rechenschwache Kinder erneut rechnen und könnten nicht verstehen, wie diese logischen Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Außerdem auffällig sind Kinder, die Gelerntes sehr schnell wieder vergessen, Angst oder sogar Depressionen in Bezug auf Mathematikunterricht oder Hausaufgaben zeigen. Auch die Beurteilung, wie groß eine Menge oder welche Menge größer ist, fällt diesen Kindern schwer. Ebenso stellen der Umgang mit Geld, ein Zeitgefühl oder das Lösen von Textaufgaben starke Probleme dar. Da die Defizite laut Michael von Aster in jeder Altersstufe beginnen können, seien auch die unterschiedlichsten Stufen der Rechenentwicklung betroffen.

Umfangreiche Tests

Um eine Dyskalkulie nachzuweisen, reichen normale Mathematiktests nicht aus. Es müssen wissenschaftlich anerkannte Untersuchungen und Tests durchgeführt werden, die dem Kind erlauben, seinen Rechenweg zu erklären, sodass nicht nur das falsche Ergebnis bewertet wird, sondern auch anhand des falschen Rechenweges herausgefunden werden kann, an welchem Punkt das Unverständnis des Kindes beginnt.

Weiterhin müssen die Konzentrationsfähigkeit, das emotionale Befinden und die Intelligenz des Kindes beurteilt werden. Dies ist notwendig, um ein rechenschwaches Kind von einem insgesamt weniger intelligenten Kind zu unterscheiden.

Anschließend muss eine individuelle Therapie erarbeitet werden, die sowohl von anerkannten Therapeuten als auch von Lehrern und den Eltern gemeinsam mit dem Kind durchgeführt wird. Hierbei wird an dem aktuellen Wissensstand des Kindes anstatt an dessen Schulstand angesetzt.

Falsch verstandene Techniken werden neu erarbeitet, sodass das Kind das logische Umgehen mit Zahlen von Grund auf neu erlernt. Dies ist ein Prozess, der in der Regel länger dauert als bei nicht rechenschwachen Kindern, aber er bringt den Spaß und die Freude am Lernen zurück und stärkt das Selbstvertrauen. Zur Unterstützung könne das Computerprogramm „Calcularis angewendet werden, so Michael von Aster. Hierbei handelt es sich um verschiedene Spiele, die den Kindern ein Gefühl für die Mathematik zurückgeben sollen.

Weitere Informationen über Dyskalkulie unter www.pte-trier.de oder www.lzr-koeln.de.