Lëtzebuerg Veröffentlicht am 03.02.12 06:49

Zusätzliche Betten für den Winter

In der „Téistuff“ oder bei der „Stëmm vun der Strooss“ finden Bedürftige tagsüber Unterschlupf

Damit niemand auf der Straße bleiben muss, werden die Kapazitäten in den Notunterkünften im Winter erhöht. In der Rue Michel Rodange stehen seit Mittwoch 24 weitere Betten für Bedürftige zur Verfügung.
Foto: Anouk Antony
In Anlaufstellen wie der „Téistuff“ oder bei der „Stëmm vun der Strooss“ in Bonneweg können Obdachlose sich tagsüber aufhalten.
Foto: Anouk Antony

(DL) - Nachts sinken die Temperaturen auf bis zu minus 14 Grad, und auch tagsüber ist es bei minus 8 bis minus 5 Grad so richtig kalt. Während der Gang vor die Haustür viele zurzeit eine Überwindung kostet, haben zahlreiche Menschen überhaupt nicht erst die Möglichkeit, sich in ein warmes Zuhause zurückzuziehen.

Rund 250 Menschen gelten in Luxemburg als obdachlos, sprich sie leben auf der Straße oder in Notunterkünften. Erst am Mittwoch hat die Caritas ihre Kapazitäten erweitert und eine weitere Notunterkunft mit 24 Betten in der hauptstädtischen Rue Michel Rodange eröffnet.

Insgesamt stehen während des gesamten Jahres zusammengerechnet 125 Betten für Bedürftige zur Verfügung, dies im Foyer Ulysse und in der „Nuetseil“ des Tox-In in der Hauptstadt sowie im Nachtfoyer „Abrisud“ in Esch-Alzette. Im Winter bietet die „Wanteraktioun“ der Caritas 32 weitere Schlafmöglichkeiten in der Rue de Hollerich, bis zu 30 weitere Personen werden im Hotel untergebracht.

„Dieses Jahr mussten wir mit der Winteraktion bereits Mitte November anfangen, weil die Temperaturen schon auf ein, zwei Grad gesunken waren“, erklärt René Kneip, Direktionsbeauftragter von „Caritas accueil et solidarité“. „Eine ungeschriebene Regel bei uns besagt, dass wir den Menschen zusätzliche Schlafmöglichkeiten anbieten, wenn die Temperatur nachts über einen längeren Zeitraum unter fünf Grad liegt.“ Wegen der starken Nachfrage kam dieses Jahr demnach bereits früh der Gedanke auf, dass eventuell noch ausgebaut werden muss.

Einige bleiben auf der Straße

Laut der Direktionsbeauftragten der „Stëmm vun der Strooss“, Alexandra Oxacelay, gibt es für die Nächte zwar genügend Unterkünfte, doch nicht alle wollen diese auch in Anspruch nehmen. „Wir verteilen daher auch Schlafsäcke an die Menschen, von denen wir wissen, dass sie nicht in eine der vorhandenen Strukturen gehen möchten“, so Alexandra Oxacelay. Auch René Kneip weiß, dass einige Personen nicht ins Foyer kommen wollen.

„Viele sind es aber nicht. Und wir kennen sie alle und wissen wo sie sind“, so René Kneip. Um sie zu schützen, hilft auch die Polizei mit: Jede Nacht fahren die Beamten zu den Betroffenen, wecken sie auf und sprechen mit ihnen. „Besonders gefährlich wird es, wenn die Menschen Drogen oder Alkohol konsumieren, um die Kälte nicht so zu spüren, und draußen bleiben“, erklärt Alexandra Oxacelay. Wie viele Obdachlose es in Luxemburg gibt, hängt von der Definition ab, erklärt René Kneip.

Die „Fédération européenne des associations nationales travaillant avec les sans-abri“, in der über 100 europäische Vereinigungen vertreten sind, unterscheidet zwischen vier Personengruppen. „Zum einen gibt es die Menschen, die auf der Straße oder aber eben in Notunterkünften leben. Das sind hierzulande etwa 250 Personen“, so René Kneip. „Des Weiteren gibt es die Menschen, die zwar keine Wohnung haben, aber dennoch irgendwo unterkommen, etwa in Frauenhäusern oder in Unterkünften für Migranten zum Beispiel.

Betroffen sind davon in Luxemburg geschätzte 1 500 Menschen“, fährt René Kneip fort. Eine weitere Kategorie umfasst die Personen, die in einer prekären Wohnsituation leben, etwa bei Freunden. In die vierte Kategorie fallen diejenigen, die in unangemessenen Wohnungen leben. Das sind beispielsweise Menschen, die in überbevölkerten Wohnungen zu Hause sind.

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