Lëtzebuerg Veröffentlicht am 20.06.12 05:30

Zu Besuch bei Familie Bytyqi: Das Leben nach der Flucht

Xhem und seine Familie erzählen von ihrem neuen Leben in Luxemburg

"Luxemburg ist ein Land, in dem echte demokratische Werte gelebt werden", sagt Xhem.
Foto: Claude Piscitelli

Von Michèle Gantenbein

Als Kämpfer für die Rechte von Minderheiten und als Pro-Europäer wurde der heute 43 Jahre alte Journalist Xhem in seiner Heimat Kosovo von radikalen Banden massiv bedroht. Er floh Ende 2008, ließ seine Frau und seine fünf Kinder zurück. Sechs Monate nach seiner Ankunft in Luxemburg wurde er als Flüchtling anerkannt. Bis zur Familienzusammenführung vergingen insgesamt 14 Monate. Heute lebt die inzwischen achtköpfige Familie in Differdingen. Das Luxemburger Wort hatte die Familie vor zwei Jahren und vergangene Woche erneut besucht.

Die 16-jährige Genta (auf dem Bild die 4.v.l.) blickt etwas verlegen zu Boden und schüttelt den Kopf bei der Frage, ob sie Luxemburgisch spricht. Ihre sechsjährige Schwester Dhurata geht in den Kindergarten. Sie spricht die „fremde“ Sprache ohne Scheu, windet sich lachend auf dem Sofa hin und her, verschwindet und kehrt kurze Zeit später mit einem roten Ordner voller Zeichnungen zurück, die sie stolz präsentiert. Ihr zeichnerisches Talent ist unverkennbar. Auch Genta malt gern und sie schreibt Gedichte. Wie der Vater, der gerade zwei Bücher geschrieben hat, die er übersetzen lassen möchte, auf Luxemburgisch und auf Französisch.

Schwierige Jobsuche

Seit Januar 2010 lebt die Familie in Differdingen. Die Caritas half damals bei der Familienzusammenführung. Seit seiner Ankunft in Luxemburg besucht Xhem Französischkurse, aber sein Sprachniveau reicht nicht, um Arbeit in Luxemburg zu finden. Seine Tochter Genta spricht fließend Französisch und muss als Übersetzerin herhalten. Manchmal ist das nicht so leicht, vor allem, wenn der Vater politische und soziale Themen in der Balkanregion anschneidet. Aber Wörter wie Kommunismus, Demokratie, Extremismus und Korruption versteht man auch ohne Übersetzung.

Xhem setzte sich als Journalist für die Demokratisierung seines Landes und für den Schutz von Minderheiten ein. Das war nicht gern gesehen in einem Land mit mafiösen Strukturen, in dem islamistische und kriminelle Banden versuchen, jede Demokratiebewegung im Keim zu ersticken. 

Engagement und Heimweh

Journalistisch tätig ist er immer noch. Seine politischen Analysen und Berichte schickt er an die Schweizer Diaspora kosovare. Parallel dazu arbeitet er an der Gründung einer Vereinigung, die sich gemeinsam mit Organisationen vor Ort für kriegsgeschädigte und traumatisierte Menschen einsetzen soll, für Frauen und Kinder vor allem. Außerdem möchte er verhindern, dass die einfache und ungebildete Bevölkerung sich von der extremistischen Mentalität im Land mitreißen lässt.

Xhem vermisst seine Heimat nicht, will seinem Land aber zu mehr Demokratie verhelfen. Ein Paradox? Irgendwie schon, meint er, aber seine Wirkungsmöglichkeiten seien von Luxemburg aus größer als innerhalb des Landes, ist er überzeugt. Im Gegensatz zu Xhem vermisst seine Frau Bahtije ihre Heimat sehr, die Kinder weniger, sie haben hier neue Freunde gewonnen. Das Nesthäkchen, die anderthalbjährige Melinda, wurde in Luxemburg geboren. Für sie wird die Flucht der Familie eines Tages wie eine spannende Geschichte klingen.

Dossier: Alles zur Muttergottesoktave

Vom 20. April bis zum 5. Mai findet die Muttergotteroktave statt. Sie steht unter dem Motto "Glaube, Hoffnung, Liebe".

Unsere Fragen des Tages

Täglich stellen wir Ihnen eine Frage des Tages, meistens zur Tagesaktualität. Hier ein Überblick über die Fragen, die wir Ihnen bereits gestellt haben.

Das Bommeleeër-Dossier

Kaum ein Kriminalfall hat Luxemburg derart in Atem gehalten wie die Anschlagsserie, die das Großherzogtum von 1984 bis 1986 erschütterte.

Dossier: Fundstücke aus dem Archiv

Vom Wein- und Traubenfest in Grevenmacher über den Beginn der Oeko-Foire bis hin zum Veiner Nëssmoort: In diesem Dossier haben wir für Sie ein wenig im Archiv des LW gekramt.

Dossier SREL: Die Geheimdienstaffäre von A bis Z

Was zunächst nach einem Nebenkriegsschauplatz in der Bommeleeër-Affäre aussah, hat schnell eine Eigendynamik entwickelt. Nachdem öffentlich wurde, dass der Geheimdienstchef heimlich ein Gespräch mit dem Premierminister aufgezeichnet hat, stellen sich viele Frage über das Innenleben des SREL und dessen Aktivitäten in den vergangenen 50 Jahren. 

Alles rund um die Grundschulreform

Die Grundschulreform hat mehrere Ziele. Sie soll unter anderem die Schulqualität verbessern und die Schüler gezielter fördern. Doch in den vergangenen Jahren hagelte es immer wieder Kritik an der Reform.

Autofestival 2013:  Alles rund ums Blech

Das "Autofestival 2013" fand vom 26. Januar bis zum 4. Februar statt. Es wurde in diesem Jahr zum 49. Mal veranstaltet. Hier findem Sie ein Dossier mit interessanten Berichten und einer mehrteiligen Video-Reihe.

Dossier: Der Luxair-Prozess

Der Absturz der Luxair-Fokker im November 2002 ist das schwerste Flugzeugunglück in der Geschichte Luxemburgs.

Rückblick: Das war 2012

Bommeleeër-Prozess, Geheimdienst-Skandal, Cargolux, Arcelor, die Schleck-Brüder, die Affäre Liwingen/Wickringen und natürlich die Prinzenhochzeit: wort.lu präsentiert einen Überblick der wichtigsten Themen des Jahres 2012.

Wickringen und Liwingen - zwei Ortsnamen, eine Affäre

Grobe Lügen für die einen, ein Skandal für die anderen: Liwingen und Wickringen - zwei Ortschaftsnamen. Für die einen sind sie Synonym für ein Polit-Skandal sondergleichen, für andere stehen hinter beiden Ortsbezeichnungen nur "grobe Lügen", die in der Öffentlichkeit kursieren. Unser Dossier dazu!

Dossier: Traumhochzeit am Hof

2012 feierte Luxemburg die Hochzeit seines Thronfolgers. Eins steht fest: Es war das wichtigste Ereignis des europäischen Adels im Jahr 2012. Denn nach dieser Hochzeitsfeier wird es Jahre dauern, bis wieder ein Thronfolger einer europäischen Monarchie vor den Traualtar treten wird.

Wie war das noch? Reden, Ansprachen, Meinungen ...

Manche Reden geraten schnell in Vergessenheit. Was hat der Großherzog bei seiner Rede vor der UN-Versammlung gesagt? Wie war nochmal der genau Wortlaut der letzten Juncker-Laudatio? Wort.lu sammelt in diesem Dossier die wichtigsten Aussagen im Wortlaut.

WETTER - Luxemburg Stadt

Heute

08:00

12:00

16:00
Min.: 5°C | Max.: 11°C
Morgen

08:00

12:00

16:00
Min.: 4°C | Max.: 10°C
Freitag

08:00

12:00

16:00
Min.: 1°C | Max.: 8°C
Samstag

08:00

12:00

16:00
Min.: 0°C | Max.: 13°C
Sonntag

08:00

12:00

16:00
Min.: 4°C | Max.: 8°C

Video-Galerie

Aktuelle Fotogalerien

DNR NACHRICHTEN

LUXEMBURGER WORT ARCHIV