Lëtzebuerg Veröffentlicht am 04.03.10 11:32

Zeitung: “Täter hielt Waffe in der Hand”

Erschossenem Einbrecher sollte noch am Mittwochmorgen in Namur der Prozess gemacht werden

Tatortermittler haben kurz nach 9 Uhr am Mittwochmorgen eine Schusswaffe in der Böschung neben der Autobahn gefunden. "L'avenir" zufolge hielt einer der flüchtenden Einbrecher eine Waffe in der Hand als die tödlichen Schüsse fielen.
Steve Remesch

(str) - Der Einbrecher Tanguy I. hielt eine Schusswaffe in der Hand, als Luxemburger Polizisten das Feuer auf ihn eröffneten. Das berichtet die belgische Tageszeitung “L'avenir” in ihrer Donnerstagsausgabe mit Verweis auf nicht näher genannte Quellen. Dies erkläre dann auch, warum die Staatsanwaltschaft aus Arlon betont habe, dass es keinerlei Gründe gebe, die Notwehrhandlung der Polizisten in Frage zu stellen.

Am Mittwochmorgen hatten Tatortermittler der belgischen Polizei in unmittelbarer Nähe des Tatorts bei Sesselich eine Handfeuerwaffe sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft aus Arlon wollte auf Nachfrage allerdings auch am Donnerstagnachmittag keine Angaben zu dieser Waffe machen. Dazu, ob die Waffe kürzlich benutzt worden war und ob sie den Tätern zugeordnet werden kann, verweigert Staatsanwalt Serge Lipszyc jegliche Aussage. Es gebe keine neuen Elemente im Dossier, betonte er.

Vier Täter im Spiel?

Belgischen Zeitungen zufolge könnten an dem Einbruch in einem Juwelierladen im Pall Center in Oberpallen in der Nacht zum Mittwoch möglicherweise vier Täter beteiligt gewesen sein. In Presseberichten ist von einem Motorradfahrer und einem dritten Fahrzeuginsassen die Rede.

So berichtet „L'avenir“ beispielsweise, dass Zeugenaussagen zufolge drei Personen nicht wie bislang bekannt zwei Täter in den Fluchtwagen in Oberpallen bestiegen, als die Einbrecher während ihrem knapp zehnminütigen Zugriff von einer Polizeipatrouille gestört wurden.

Von einem weiteren Täter, einem Motoradfahrer, der die Örtlichkeiten wenige Minuten vor dem Einbruch auskundschaftete, erzählt die Chefin des Pall Centers, Christiane Wickler in einem Interview mit „La Meuse“. „Gegen 0.40 Uhr ist auf den Bildern der Überwachungskameras ein Motorradfahrer zu erkennen“, erklärt Christiane Wickler. „Der Fahrer späht offensichtlich den Tatort aus. Gleich darauf folgt ein Wagen mit zwei Männern. Mit den Autoscheinwerfern leuchten sie den Juwelierladen aus, bevor einer der Männer die Tür aufbricht.“

Getöteter Einbrecher hatte langes Vorstrafenregister

Die belgische Presse beschäftigte sich am Donnerstagmorgen zudem eingehend mit der Identität von Luxemburger Polizisten erschossenen Einbrechers. Laut „Meuse“ ist Tanguy I. aus Gembloux eindeutig dem schwer kriminellen Millieu zuzurechnen.

„L'avenir“ schreibt, der 32-Jährige sei bei seiner Mutter in Gembloux angemeldet, habe allerdings in einer Studentenwohnung in Louvain-La-Neuve gelebt. Tanguy sei bereits mehrfach verurteilt worden und habe auch eine Haftstrafe abgesessen. Nicht später als am Mittwochmorgen wurde noch vor einem Strafgericht in Namur gegen ihn verhandelt. Dem Gericht war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, dass der Angeklagte in der Nacht zuvor nach einem Einbruchsversuch erschossen worden war.

Der perfekte Schwiegersohn?

Tanguy I. sei vor allem auf Auto- und Fahrraddiebstähle spezialisiert gewesen, wobei die Fahrräder, wie „L'avenir“ bemerkt, stets in der Preisklasse über 2000 Euro gewesen seien. Zudem sei er als begnadeter Autofahrer bekannt gewesen, obwohl er nie einen Führerschein gemacht habe. „Ansonsten war Tanguy der perfekte Schwiegersohn“, so die Tageszeitung aus Arlon. „Gutaussehend und sehr nett, wenn auch mit einer Schwäche für Bingo und Glücksspiel.“

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