Sport Veröffentlicht am 19.01.12 15:45

"Wilder Hund" Cuche will Kitzrekord - und hört auf

"Ich möchte gerne auf diesem hohen Niveau abtreten"

Didier Cuche ringt bei seiner Bekanntmachung mit den Tränen. Foto: Hans Klaus Techt
Foto: dpa

(dpa) - Die komplette Kitzbühel-Konkurrenz sucht das Erfolgsrezept von Didier Cuche - der Schweizer Ausnahmekönner lüftete vor dem alpinen Winter-Höhepunkt aber ein ganz anderes Geheimnis. Nach der laufenden Saison wird der 37-Jährige im Frühjahr seine ruhmreiche Karriere beenden.

"Heute ist ein sehr emotionaler Moment und wichtiger Meilenstein meiner Karriere und meines Lebens", sagte er mit gefasster Stimme vor einem Dutzend TV-Kameras und knapp 20 Journalisten im Tiroler Ski-Mekka. "Ich bin fit und gesund, kann immer noch vorne mitfahren und Rennen gewinnen. Auf diesem Niveau möchte ich gerne von der Weltcupbühne abtreten."

Mit seinem fünften Schussfahrtsieg will der gelernte Metzger Cuche die österreichische Alpin-Legende Franz Klammer überflügeln und sich endgültig zum alleinigen König von Kitz krönen. Während die deutschen Abfahrer zumindest den Respekt der Weltelite zurückerobert haben, schwärmen auch Stephan Keppler & Co. vor dem Saison-Höhepunkt am Samstag vom Schweizer Routinier. "Es braucht schon Erfahrung darunter", erläutert der deutsche Spitzen-Speedathlet die berüchtigte Streif-Piste, "das sieht man beim Cuche. Er ist der vollkommene Abfahrer, der kann hier alles perfekt bringen."

Nur wenige Meter von der Hahnenkammbahn entfernt, an deren roter Gondel Nummer 83 seit dem ersten Erfolg 1998 sein Name prangt, nimmt Cuche den Hype im Schweizerhof vor dem Start der Rennen mit dem Super-G an diesem Freitag mit stoischer Gelassenheit. "Ich muss nicht mehr gewinnen. Ich darf gewinnen, deswegen ist der Druck nicht mehr so groß", meint der älteste Weltcup-Sieger der Alpin-Geschichte und hat sogar das Team um Keppler auf seiner Rechnung: "Jeder Zeit kann ein Deutscher gewinnen, das Niveau ist so eng beieinander."

Routine ist gefragt

Doch mehr als auf jeder anderen Strecke kommt es zwischen Mausefalle und Zielsprung auf die Routine an, so dass auch Wengen-Sieger Beat Feuz seinen 13 Jahre älteren Landsmann in der Favoritenrolle sieht. "Hier braucht es die Erfahrung von Jahren, um die Schlüsselstellen in den Griff zu bekommen und zu meistern. Man weiß als junger nie, wie viel man riskieren kann." Und Fehler werden gnadenlos bestraft wie die Horrorstürze von Hans Grugger und Daniel Albrecht in den vergangenen Jahren zeigten.

Bereits im letzten Training am Mittwoch - die für Donnerstag geplante Testfahrt wurde zur Schonung der Piste abgesagt - deutete Cuche mit der extremsten Linie und Bestzeit seinen Wagemut an. "Er ist ein komplett wilder Hund", sagte der Österreicher Hannes Reichelt voller Respekt, "teilweise denkt man, dass er komplett irre ist." Ein wenig verrückt muss aber jeder Athlet sein, der sich den bis zu 85 Prozent steilen Kurs hinabstürzt. "Kitzbühel ist extrem", berichtete Feuz, "im Training gehe ich nicht volles Risiko, denn man riskiert nur einmal das Leben."

Weniger gefährlich ist der Super-G zum Rennauftakt am Freitag. "Ich nehme es als Apero, als Aufwärmer", sagte Cuche zum "Vorspiel" auf das Wochenende.

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