International Veröffentlicht am 02.09.09 20:38

Überzeugungsarbeit vor der Porta Nigra

Der Luxemburger Premier unterstützt seine nüchtern auftretende Amtskollegin Angela Merkel beim Wahlkampf

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Mittwochabend zu Gast in Trier.
CDU

Von Volker Bingenheimer

Wenn die Bundeskanzlerin in das aus Berliner Sicht denkbar abgelegene Städtchen Trier kommt, tut sie das mit Stil.

Weithin sicht- und hörbar landet sie im Hubschrauber in den Kaiserthermen. 6000 Zuschauer warten gespannt vor der Porta Nigra auf den hohen Gast, wollen sich selbst ein Bild machen von der CDU-Chefin, bevor sie in 25 Tagen ihr Kreuzchen auf den Stimmzettel setzen.

Es ist Wahlkampf in Deutschland, und in solchen Tagen tourt Angela Merkel durch die Republik, um für sich und ihre Partei zu werben. Um in Kontakt mit den Wählern und der Politikergarde vor Ort zu kommen, dafür reichte die Zeit nicht. Insgesamt weilte die Bundeskanzlerin nicht ganz zwei Stunden in Trier.

Als Merkel sich sachlich, aber durchaus mit emotionalen Passagen an das Wahlvolk wendet, hört dieses aufmerksam zu, spendet an den richtigen Stellen Beifall und jubelt der Bundeskanzlerin zum Abschied sogar zu. Merkel versucht die – vielfach noch unentschlossenen – deutschen Wähler auf ihre Seite zu ziehen und hat in ihrer Rede möglichst viele Gruppen untergebracht: die Familien, die Rentner, die Angestellten und die Kleinunternehmer – ihnen verspricht sie Kinderbetreuung, mehr Geld für Bildung, Steuererleichterungen und staatlichen Schuldenabbau. Dies sei allerdings nur zu bewerkstelligen, "wenn wir anpacken und zusammen etwas leisten". Am Ende bleiben die christdemokratischen Wahlkampfformeln im Gedächtnis: "Mehr Netto vom Brutto" und "Leistung muss sich wieder lohnen".

Flotte Sprüche für "meine Freundin Angela"

Seine Rolle als Zugpferd spielt der Luxemburger Premierminister Jean-Claude Juncker mit Bravour. Er, der es nach Trier viel näher hatte als seine Kollegin aus Berlin, bricht das Eis mit gewohnt launigen Bemerkungen. Als "einziger lebender Ehrenbürger von Trier" stehe ihm eine kostenlose Beerdigung auf dem Trierer Hauptfriedhof zu, sagt er und fügt hinzu, dies sei kurzfristig keine bezaubernde Aussicht.

Die Organisatoren der Landes-CDU hatten Juncker mit seinen flotten Sprüchen wohl bewusst als Ergänzung zur nüchtern auftretenden Bundeskanzlerin engagiert. Trotzdem war es für Juncker ein Anliegen "meine Freundin Angela Merkel" zu unterstützen. Als der ausländische Staatsmann Juncker klar und deutlich sagte "Es ist nicht egal, in welche Hände die Geschicke Deutschlands gelegt werden", schien den Zuschauern wohl erstmals klar zu werden, dass es bei der Bundestagswahl Ende des Monats wirklich um etwas geht. Im bisherigen Wahlkampf, der arm an Höhepunkten und Konfrontationen war, konnte dieses Bewusstsein leicht untergehen.

Zum Abschied die Rolling Stones

Einig waren sich die beiden konservativen Regierungschefs beim Thema Bonuszahlungen für Manager. Merkel schimpfte über Millionen-Abschiedsgelder für erfolglose Konzernlenker: "Das hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts mehr zu tun." Jean-Claude Juncker regte sich über Bank-Bosse auf: "Die füllen sich die Taschen und die Bürger müssen in die Tasche greifen, um sie zu retten."

Zum Abschied erklingt als Ständchen für die Bundeskanzlerin der Song "Angie". Ob sich die Rolling Stones damals im Traum gedacht hätten, dass ihr Lied einmal zur Erkennungsmelodie einer Regierungschefin wird? Wenngleich die Musik so gar nicht zum Stil von Angela Merkel passen will, so haben die Rolling Stones beim Text Weitblick bewiesen: "With no loving in our souls and no money in our coats" beschreibt die Stimmung in der deutschen Regierung ziemlich genau.

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