Lëtzebuerg Veröffentlicht am 08.12.09 11:15

Trockene, heiße Sommer und nasse Winter

Mensch und Natur müssen sich auf Veränderungen einstellen

Langanhaltende Regenperioden steigern das Hochwasserrisiko.
Serge Waldbillig

Luxemburg ist keine Insel und wird die Auswüchse des Klimawandels zu spüren bekommen. Laut Klimasimulationen wird das Großherzogtum zukünftig in einer gemäßigten Zone mit mediterranem Einschlag liegen. Tiefgreifende Veränderungen zeichnen sich bereits ab.

„Palmen und Kokosnüsse werden hier nicht wachsen“, so Laurent Pfister, Verantwortlicher der Forschungsabteilung „Géohydrosystèmes et Aménagement du territoire“ beim „Centre de recherche public Gabriel Lippmann. Es werde jedoch generell wärmer werden.

In welcher Größenordnung dies geschieht, ist unsicher. Unterschiedliche Szenarien sagen weltweit einen durchschnittlichen Temperaturanstieg bis 2050 zwischen zwei (best case scenario) und acht Grad (worst case scenario) voraus.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird ein rasanter Anstieg der Temperaturen gemessen. „Dass dieses Phänomen ausschließlich von menschliche Aktivitäten hervorgerufen wird, ist nicht nachvollziehbar“, erklärt Pfister. Unter Wissenschaftlern herrsche der Konsens, dass die Wahrheit wohl bei 50 Prozent liege. „Es ist ein Irrglaube, dass wir die Klimaveränderungen ganz umkehren können. Das Klima ist von sich aus variabel und nicht kontrollierbar“, meint der Experte im Hinblick auf den Welt-Klimagipfel in Kopenhagen.

Gefahr von Dürreperioden und Überschwemmungen steigt

Über dem Nord- und Westatlantik steige vermehrt Luftfeuchtigkeit in die Atmosphäre auf. Durch die Westzirkulation gelängen diese Luftmassen nach Westeuropa und würden sich dort in Form von Regen entladen. Dies mache sich in Luxemburg durch eine erhebliche Steigerung der Niederschläge im Winter bemerkbar. Die aktuelle Wetterlage mit ihrem gehäuften Auftreten von Tiefdruckgebieten verdeutliche diese Tendenz.

Es kommt allerdings zu keiner allgemeinen Erhöhung der Regenquantität, sondern zu einer Verschiebung der Niederschlagsperioden. Im Sommer fällt weniger Regen, der Grundwasserpegel sinkt. Trockene Sommer erhöhen zudem die Schadstoffkonzentrationen in Gewässern, wenn sie weniger Wasser führen.

Im Winter hingegen wird mehr Regen erwartet. Sind die Böden einmal gesättigt, können sie kein Wasser mehr ins Grundwasser abführen. Dessen Reserven riskieren folglich nie richtig aufgefüllt zu werden. Das Wasser läuft stattdessen an der Oberfläche ab, was wiederum die Gefahr von Überschwemmungen und Hochwasser in Risikozonen wie etwa entlang der Mosel erhöht.

Natürliche Zusammenspiele geraten aus dem Gleichgewicht

Erscheinen warme Sommer als durchaus positiv - etwa für den Tourismus oder den Weinbau - so gibt Lucien Hoffmann, Direktor der Abteilung „Environnement et Agro-biotechnologies“ beim CRP Gabriel Lippmann, zu bedenken, dass der Wandel komplexe Zusammenspiele in der Natur aus dem Gleichgewicht bringe.

Die antagonistischen Phänomene Hitze, Wassermangel und zu viel Nässe würden zu Stress bei den Pflanzen führen. Könne die Landwirtschaft noch über kürzere Zeiträume reagieren, so müsse besonders die Forstwirtschaft, die eine langfristige Zeitplanung voraussetzt, Nutzsorten mit Bedacht auswählen und vermehrt auf Mischwälder setzen. Die weit verbreitete Buche sei nämlich sehr hitzeempfindlich.

Die Vegetationsperiode im Frühjahr fange zudem früher an. Seit den 1980-er Jahren würde die Weinblüte ab Mitte Juni, beginnen, anstatt erst zwischen dem 25. Juni und dem 1. Juli, so Hoffmann. Spät einsetzender Frost könne somit die gesamte Ernte gefährden.

Verhaltensänderungen beobachte man auch in der Tierwelt mit der Zuwanderung wärmeliebender Arten, die in Konkurrenz zu den heimischen Arten treten könnten. Zugvögel wie Kraniche etwa machten wegen der wärmeren Winter bereits in der französischen Champagne halt, anstatt ihren Zug bis nach Spanien fortzusetzen. Auch würden manche Vogelarten rund eine Woche früher brüten. Das bisher synchron ablaufende Zusammenspiel zwischen Aufzucht der Jungen und Nahrungsangebot gerate somit durcheinander.

Lokale Klimamodelle für Luxemburg

In Luxemburg werden Klimadaten übrigens seit 1838 gemessen. Dank der Analyse von indirekten Klimazeigern, sogenannten Proxydaten, können die meteorologischen Daten aber bis 950 n.Chr. zurückverfolgt werden. Hierzulande wird auf Beobachtungen aus dem Weinbau zurückgegriffen. Aus Weinqualität und -quantität lassen sich Rückschlüsse über die Wetterbedingungen ableiten.

Ein neuer High-Performance-Computer (HPC) soll im CRP Gabriel Lippmann in den kommenden Monaten genauere Klimamodelle für Luxemburg und die Großregion erstellen können.

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