International Veröffentlicht am 18.08.12 05:00

Syrien: „Wunderwaffe“ für Rebellen? - US-Raketen könnten Balance ändern

„FSA“ präsentiert erbeutete iranische Drohnen

Foto: Cem Ozdel/ Anadolu Agency (DPA)

Von Michael Wrase

Die syrischen Rebellen haben nach einem Bericht des Fernsehsenders „Al Arabija“ in den letzten Tagen mindestens 14 „Stinger“-Boden-Luft-Raketen erhalten. Der Sender beruft sich auf zuverlässige Gewährsleute in der syrischen Opposition, die bereits seit Wochen die Lieferung von modernen Waffen fordert.

Nur dann könnten die syrischen Streitkräfte besiegt werden. Ohne Boden-Luft-Raketen sei man den massiven Bombardements syrischer MIG-Kampfflugzeuge und Helikopter, die auch gestern wieder befreite Städte unweit der türkischen Grenze angriffen, schutzlos ausgeliefert.

Syrische Kampfflugzeuge kamen erstmals nach der teilweisen Eroberung der Wirtschaftskapitale Aleppo durch die Rebellen vor vier Wochen zum Einsatz. Die „Freie Syrische Armee“ (FSA) musste daraufhin ihre Hochburg Saleheddin und andere Stadtviertel aufgeben und sich in Regionen am östlichen Rand von Aleppo zurückziehen.

„Säuberungsaktionen“

Auch die Bombardierung der Nachschubwege aus der Türkei haben die sogenannten „Säuberungsaktionen“ der Assad-Armee in Aleppo erleichtert. Sollte es ihr gelingen, die Drei-Millionen-Stadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bekommen, dann könnte sich das Assad-Regime auch im kommenden Jahr noch an der Macht behaupten, befürchten westliche Militärexperten in der Süd-Türkei.

Erfahrungen aus Afghanistan

Sie halten es für denkbar, dass die Obama-Administration inzwischen der Türkei, wo Stinger-Raketen in Lizenz hergestellt werden, das „grüne Licht“ zur Bereitstellung der vermeintlichen „Wunderwaffen“ gegeben hat. Schon während des Afghanistan-Kriegs in der 80er-Jahren hatten die USA mit der Lieferung von Stinger-Raketen an die Mudschaheddin – aus ihrer Sicht – gute Erfahrungen gemacht: Mit den infrarot-gesteuerten Lenkwaffen, die nur 15 Kilogramm schwer sind und eine Bekämpfungsreichweite von 4 000 Metern haben, wurden Dutzende von russischen Kampfflugzeugen und Helikoptern abgeschossen. Der Einsatz der Stinger-Raketen durch die Mudschaheddin war einer der Gründe für den Abzug der Roten Armee vom Hindukusch. Ganz ohne Risiko für die Lieferanten ist die Bereitstellung der „Wunderwaffen“ freilich nicht: Sie könnten in die falschen Hände geraten, von den zahlreichen islamistischen Kampfgruppen in Syrien gehortet und zu einem späteren Zeitpunkt für Terroranschläge missbraucht werden. Nach dem Ende des Afghanistan-Kriegs hatten die USA daher den Muhschaheddin bis zu eine Million Dollar für den Rückkauf jeder gelieferten Stinger-Rakete angeboten. Trotzdem gelangten damals einige der Lenkwaffen in Terroristenhände.

Teherans Militärhilfe

In der vergangenen Woche hatten die syrischen Rebellen im Osten Syriens erstmals ein MIG-23-Kampfflugzeug abgeschossen und den Piloten gefangengenommen. Man habe die Maschine mit einfachen 14,5 Millimeter-Flakgeschütz vom Himmel geholt, behauptete ein „FSA“-Sprecher. Stinger-Raketen seien – noch – nicht eingesetzt worden. Dies soll sich aber in den kommenden Tagen ändern. Eine islamistische Rebellengruppe hat unterdessen einen Videofilm in Internet gestellt, auf dem offenbar erbeutete iranische Drohnen in einem Forschungslabor bei Aleppo zu sehen sind. Nach Erkenntnissen westlicher Militärexperten setzt die syrische Armee verschiedene iranische Drohnen-Typen bereits seit Februar in der Region von Damaskus sowie um Homs und Hama ein. Die Regierung in Teheran macht aus der Militärhilfe für das Assad-Regime keinen Hehl, bestreitet aber, Kampftruppen nach Syrien geschickt zu haben.

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