Sport Veröffentlicht am 21.12.11 06:36

Strassen deklassiert Renommierclub Modena

Schier unvorstellbare Qualifikation für die nächste Runde

Carel Kvasnicka (l.) lässt sich vom Block von Modena nicht beeindrucken.
Foto: Ben Majerus
Strassen hat am Dienstagabend Luxemburger Volleyballgeschichte geschrieben.
Foto: Ben Majerus

von Paul Flies

Eine Sternstunde für Luxemburgs Volleyball! Strassen gelang am Dienstagabend vor einer voll besetzten Halle die bislang größte Sensation im einheimischen Volleyballgeschehen. Die begeisterten Zuschauer fieberten in Strassen mit, berauschten sich an der grandiosen Spielweise der Lokalmannschaft und durften schließlich wie bei manchen großen Ereignissen behaupten: Wie waren dabei gewesen! Immerhin wurde der zwölfmalige EP-Gewinner geschlagen und danach auch noch ausgeschaltet.

Ohne die absolut fantastische Leistung von Strassen schmälern zu wollen, muss doch der verhängnisvolle Irrtum des Trainerstabs von Modena hervorgehoben werden. Um einige Leistungsträger zu schonen, wurden junge Spieler eingebaut. Wahrscheinlich hatten man die Spielstärke von Strassen unterschätzt. Dabei hätte man nach dem Hinspiel gewarnt sein müssen. In allen Bereichen steigerten sich die Strassener Spieler nämlich zur Höchstform und bescheren jetzt in der nächsten Runde dem einheimischen Publikum mit Maccabi Tel Aviv (ISR) ein weiteres Top-Team. Diese Begegnungen sind für die erste Januarhälfte vorgesehen. Die Zuschauer dürfen sich bereits jetzt auf ein weiteres Großereignis freuen.

Die Zuschauer trauten ihren Augen nicht. Nicht Europas Spitzenclub Modena, sondern Luxemburgs Meister Strassen ergriff die Initiative. Auch wenn bei Modena so manche internationale Größen vermisst wurden, standen doch mit Carletti, Bellei, Casoli und Catellani vier Spieler in der Stammformation, die bereits beim Hinspiel zur Startsechs gehört hatten.

 Strassen ohne Respekt

Nach einem letzten Gleichstand bei 10:10, gewann der Block der Strassener die Oberhand. Nicht weniger als fünf Punkte wurden so gegen die Italiener erzielt. Hinzu kamen das starke Aufschlagspiel, die Schlagkraft von Vosahlo aus dem Rückraum und die Schmetterbälle von Kvasnicka und Raibikis am Netz. Über 15:12, 19:13 und 20:15 schloss Strassen den ersten Satz durch fünf Punkte in Serie zum 25:15 ab.

Danach kamen die Modena-Spieler nicht mehr aus dem Staunen heraus. Strassen zeigte sich nämlich von einem frühen 0:3-Rückstand unbeeindruckt, übernahm sogar bei 13:11 die Führung und ging bei 23:23 mit dem hohen Favoriten gleichauf in die entscheidende Phase. Strassen witterte die Chance, ging volles Risiko beim Aufschlag, vergab dadurch vermeintlich so manchen Satzball, wurde jedoch schließlich belohnt. Modena konnte fünf Satzbälle abwehren, war beim sechsten, dem Aufschlag von Raibikis, jedoch machtlos.

Jetzt war Modena wirklich gefordert. Vorerst konnte Strassen jedoch den Elan mitnehmen, führte 6:2 und hielt bis zum 11:11 mit. Nach kurzen Zuspielen punktete Lentz zum 16:12. Eine Sensation lag in der Luft … und wurde Wirklichkeit. Der Litauer Raibikis vollstreckte zum 19:12, bei Aufschlag Lentz stieg der Vorsprung auf 22:14, bevor Kvasnicka den zweiten Matchball zum 25:18 verwandeln konnte. Die Halle stand Kopf.  

Sensation im goldenen Satz

Die Regeländerung machte es möglich. Bei jeweils 3:0-Siegen hätte das Punktverhältnis von 54:75 beim Hinspiel und 80:61 beim Rückspiel aus Sicht von Strassen knapp für Modena entschieden. Nach einer dreiminütigen Pause wurde erstmals ein goldener Satz gespielt. Der langjährige Präsident und Ehrenpräsident André Hoffmann mochte nicht mehr zusehen. Seine Spieler wuchsen allerdings regelrecht über sich hinaus und zogen durch ein wahres Feuerwerk von Schmetterbällen beim Seitenwechsel mit 8:2 davon.

Die Spieler aus Modena wussten nicht, wie ihnen geschah. Unter dem stürmischen Beifall ihrer Anhänger deklassierte Strassen Modena mit sage und schreibe 15:5. Wer nicht dabei war, wird es kaum glauben können. Strassen - Modena 3:0 * (25:15, 30:28, 25:18) STRASSEN: Lentz, Tomsicek, Kuchar, Kvasnicka, Raibikis, Vosahlo – Libero: Adamovic – Auswechselspieler: Rychlicki MODENA: Bisi, Bossi, Carletti, Scopellitti, Bellei, Casoli – Libero: Catellani – Auswechselspieler: Soli * Goldener Satz: Die Qualifikation wurde bei jeweils 3:0-Erfolgen im erstmals ausgetragenen goldenen Satz entschieden.

Wie im Tiebreak wurden 15 Punkte zur Qualifikation gefordert. Strassen gelang das Unvorstellbare beim 15:5. Besondere Vorkommnisse: Modena trat nur mit acht Spielern an. Hoher Besuch durch den italienischen Botschafter und durch CEV-Generalsekretär Thomas Endres (D). Schiedsrichter: Khuc (B), Wolf (CH) Zuschauer: 550 zahlende

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