Von Cordelia Chaton
Am Freitag feiert der Statec seinen 50. Geburtstag. Das Statistik-Institut sieht sich in diesen Krisenzeiten vor immer neuen Anfragen und EU-Auflagen, aber hat nicht mehr Mittel. Das bedauert Statec-Direktor Dr. Serge Allegrezza im Interview mit dem Luxemburger Wort.
Herr Allegrezza, wie feiert ein Statistik-Amt seinen Geburtstag?
Serge Allegrezza: Wir haben rund 300 Gäste in den Grund geladen. Neben Wirtschaftsminister Etienne Schneider und Eurostat-Generaldirektor Walter Radermacher kommt als besonderer Gast auch Erbgroßherzog Guillaume. Claude Frisoni, Leiter der Abtei Neumünster, wird für gute Laune sorgen. Statec-Gründer George Als, mit seinen über 80 Jahren immer noch sehr aktiv, wird ebenfalls kommen. Nach ein paar Reden und einem Walking Lunch am Vormittag ist die Feier dann zu Ende. Schließlich sind wir ein ernsthaftes Institut.
Der Status der Statec wurde 2011 geändert. Was bedeutet das konkret?
Allegrezza: Das neue Gesetz bestätigt den Auftrag, den wir schon hatten. Hinzu sind neue Bereiche gekommen wie Nachhaltigkeit oder angewandte Recherche. Letzteres bedeutet, dass wir zusammen mit Instituten wie der Universität zusammenarbeiten. Zurzeit arbeiten wir mit dem ebenfalls dem Wirtschaftsminister unterstellten Observatoire de la compétitivité an der Simulation von wirtschaftssozialen Umweltphänomenen. Das sind mathematische Darstellungen. In einem sektoriellen Ansatz untersuchen wir Produktivitätsfaktoren. Das sind zwei Achsen, auf denen momentan geforscht wird. Darüber hinaus haben wir eine Aufgabe als Koordinator.
Was koordiniert der Statec denn?
Allegrezza: Wir haben die komplexe Aufgabe, alle statistischen Systeme in Luxemburg zu koordinieren. Es gibt über vierzig Dienste und Staatsstellen, die Daten produzieren. Das ist eine Verzettelung von den Mitteln des Staates. Es geht darum, eine gewisse Kohärenz hineinzubringen. Niemand will sich in die Karten sehen lassen – aber das kann es nicht sein.
Sie sollen unabhängig sein, unterstehen aber weiter dem Wirtschaftsminister?
Allegrezza: Wir gehören zum Kompetenzbereich des Wirtschaftsministers, wir werden vom Staat finanziert. Der Wirtschaftsminister gibt uns Mittel, um unseren Auftrag erfüllen zu können. Derzeit arbeiten 180 Mitarbeiter für den Statec. Aber das ist nicht genug. Es ist schwer, in Krisenzeiten mehr Beamte einstellen zu können. Das wäre aber nötig. Da wir direkt kein Geld verdienen, ist allerdings eine gewisse Abhängigkeit von den Staatsfinanzen normal; schließlich werden wir aus Steuergeldern finanziert.
Der Statec wird häufig kritisiert. Es würden Daten fehlen; beispielsweise über die Zahl der Fondsmanager im Land.
Allegrezza: Darauf gibt es zwei Antworten: Erstens braucht man immer mehr Daten, die noch schneller bereitstehen und von noch besserer Qualität sind. Ohne zusätzliche Ressourcen ist das nicht möglich. Zweitens: Wenn es zu schnell geht, wird es schnell schlampig. Gute Arbeit wiederum braucht Zeit. Dieses Dilemma ist nicht einfach lösbar.
In Luxemburg gibt es auch das europäische Statistik-Amt Eurostat. Haben Sie viel mit dem Amt auf Kirchberg zu tun?
Allegrezza: Wir arbeiten eng mit Eurostat zusammen, weil wir auf Verordnungen der EU reagieren. Eurostat ist die Dienststelle der EU. Übrigens ist überhaupt nicht bekannt, dass Luxemburg wegen der Eurostat die Hauptstadt der öffentlichen Statistiken ist. Für Eurostat arbeiten rund 700 Menschen. Jedes Jahr kommen tausende Experten her und dreimal im Jahr die Generaldirektoren. Luxemburg ist eine statistische Zentrale. Das weiß nur niemand.
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Allegrezza: Das Problem ist, dass wir in eine Krise hineingerutscht sind. Jetzt ist klar, dass wir uns andere Indikatoren hätten anschauen sollen. Die Erkenntnis kam spät; aber es bleibt noch Zeit. Der Europäische Rat hat beschlossen, dass man eine breite Palette von Indikatoren für makro-ökonomische Ungleichgewichte beobachten muss; und nicht nur Inflation, Defizit und Schulden. Um die Währungsunion zu managen, genügt das bisherige Programm nicht.
Allegrezza: Wir als kleines Institut fürchten den großen Druck. Es sollen immer noch mehr Daten noch schneller her. Es gibt Leute, die wollen nicht nur trimesteriell ein Bruttosozialprodukt, sondern monatlich. Aber das ist völlig verrückt und unbrauchbar. Während die großen Länder relativ stabil laufen, gibt es bei einem kleinen Land mehr Volatilität. Wenn wir stark abweichende Daten publizieren würden, ist niemandem geholfen. Damit macht man nur die Leute wild.
Zur Info: Das vorliegende Interview wurde gekürzt. Im Luxemburger Wort vom Freitag, den 22. Juni, finden Sie den vollständigen Text.