Lëtzebuerg Veröffentlicht am 25.03.09 07:03

Staatsanwalt auf Konfrontationskurs zur IGP

Will nicht, dass die IGP ermittelt, wie Beweisstücke verschwanden: Staatsanwalt Robert Biever.
Marc Wilwert

(FeMo) - Bereits am 15. Dezember vergangenen Jahres schickte Staatsanwalt Robert Biever einen Brief an Generalstaatsanwalt Klopp. Der Brief hatte es in sich: Biever machte darin unmissverständlich klar, dass er und Untersuchungsrichterin Doris Woltz der "Inspection Générale de la Police" (IGP) nicht mehr trauen.

In seinem Brief wehrte sich Biever dagegen, dass die IGP in einer besonders peinlichen Angelegenheit ermitteln sollte. In der Sache ging es um das Verschwinden von Beweisstücken, die Mitte der 80-er Jahren bei den Ermittlungen rund um die Bommeleeër-Attentate gesammelt worden waren. Mittlerweile gilt es laut Staatsanwalt Biever als erwiesen, dass im Laufe der Zeit 88 Beweisstücke abhanden kamen.

Interessenkonflikte seit langem bekannt

In dem Schreiben begründet Biever sein Misstrauen gegenüber der IGP mit einem Verweis auf das Untersuchungsgeheimnis. Wie RTL Radio am Mittwoch berichtete, gibt es aber noch andere Gründe. In der Tat wird die IGP heute von früheren Gendarmerie- bzw. Polizeibeamten geleitet, die selber an den Tatermittlungen im Jahr 1985 beteiligt waren und später hohe Posten in der Luxemburger Kriminalpolizei bekleideten.

Neu sind diese Erkenntnisse nicht. Auf mögliche Interessenkonflikte hatte wort.lu in den vergangenen 18 Monaten nach der Aufsehen erregenden Pressekonferenz von Staatsanwalt Robert Biever am 25. November 2007 wiederholt hingewiesen.

Nicht neu sind auch die jüngsten - sowohl von RTL-Fernsehen als auch von RTL-Radio verbreiteten - Erkenntnisse über Pannen bei der Spurensuche nach dem Attentat am 19. Oktober 1985 auf das Gerichtsgebäude in Luxemburg-Stadt. Früh hatten Journalisten, die im Oktober 1985 am Tatort waren, auf Mängel hingewiesen.

Schneller als es die Polizei erlaubt

Ein Auszug aus einem Bericht, der Ende November 2007 bei wort.lu erschien:

"Noch heute, 22 Jahre nach der Anschlagsserie, erzählen sich Journalisten gerne Geschichten. Nur die wenigsten Pressemenschen sind allerdings wirklich dabei gewesen, zu den meisten Attentatsorten kamen die Reporter damals wie sie noch heute zu Autounfällen, Scheunenbränden oder – seltener – Leichenfundorten kommen. Allerdings gab es auch einzelne Ausnahmen. Beispiel 19. Oktober 1985.

Im Convict wird an jenem Samstag, noch einmal an den Papstbesuch vom 15. und 16. Mai erinnert. Viele Gäste sind zusammen gekommen, unter ihnen Politiker, Pfarrer, Polizisten, Papstbesuch-Organisatoren, Papst-Beschützer und über den Papstbesuch berichtende Journalisten. Seit dem Beginn der Feier wird spekuliert, werden Prognosen aufgestellt, es fehlt nur noch der Abschluss von Wetten. Jeder glaubt zu wissen, dass der oder die Bommeleeër an diesem Abend wieder zuschlagen werden.

Und die Bommeleeër tun den essenden, trinkenden, wartenden und spekulierenden Reportern den Gefallen. Im Justizgebäude explodiert ein Sprengsatz, der Knall ist bis in den Convict zu hören. An diesem Abend sind die Journalisten im wahrsten Sinne des Wortes schneller, als es die Polizei erlaubt. Als der Ermittlertross im Gerichtsgebäude eintrifft, haben Journalisten, einige in Begleitung ihrer Frauen oder Freundinnen, die Büros bereits bis in die hintersten Ecken erkundet. Spuren vom Tatort sind das eine. Schlagzeilen sind das andere."

Dass es zu diesen Pannen bei der Tatortsicherung kam, wird - laut RTL - nun dem heutigen Leiter der "Inspection Générale de la Police" angekreidet. Er war 1985 am Tatort und soll auch für die Tatortsicherung zuständig gewesen sein.

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