Kultur Veröffentlicht am 12.08.12 10:48

Seit 70 Jahren rührt Bambi zu Tränen

Bambi und Klopfer sind Freunde.
Foto: Buena Vista

(dpa) - Die berühmteste „Bambi“-Szene ist im Film gar nicht zu sehen: Wie die Kugel eines Jägers Bambis Mutter trifft, wird nicht gezeigt - trotzdem wird ihr Tod wohl für alle Zeiten als einer der traurigsten Filmmomente überhaupt in Erinnerung bleiben.

Bambi und seine Mutter fliehen von einer Wiese, ein Schuss fällt. „Mama?“, ruft das Rehkitz in der nächsten Szene verzweifelt im Schneegestöber. „Du brauchst auf deine Mutter nicht mehr zu warten“, sagt sein plötzlich aufgetauchter Hirsch-Vater mit tiefer Stimme. „Du musst jetzt tapfer sein.“

Am Montag ist es genau 70 Jahre her, dass diese Szene - rund 40 Minuten nach Anfang des Films - erstmals Kinozuschauer zu Tränen rührte. Der fünfte abendfüllende Disney-Zeichentrickfilm „Bambi“, der einen Rehbock von seiner Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem er selbst eine Familie gründet, begleitet, wurde am 13. August 1942 in der berühmten Radio City Music Hall in New York uraufgeführt. Millionen Menschen beweinten von da an und bis heute den Tod von Bambis Mutter - der ersten Toten in einem Disney-Film, die nicht zu den Bösewichten gehörte.

Zu traurig für Kinder?

Kritiker bemängelten bald, der Film sei eigentlich viel zu traurig für Kinder. Jäger beschwerten sich über ihre negative Darstellung. Aber auch in der Buchvorlage des österreichisch-ungarischen Autors Felix Salten von 1923 war die Reh-Mutter gestorben, und Walt Disney verteidigte seine Entscheidung in einem Interview. „Ich halte nichts davon, Sachverhalte für Kinder zu verharmlosen, sei es im richtigen Leben oder im Film.“

Den Ex-Beatle Paul McCartney machte „Bambi“ sogar zum Tierschutz-Aktivisten. „Ich glaube, dieser Film hat mich in dem Bewusstsein aufwachsen lassen, dass Jagen nicht cool ist“, sagte er einmal in einem Interview.

Meilenstein der Trickfilmgeschichte

Anfangs spielte der mitten im Zweiten Weltkrieg veröffentlichte, rund 70 Minuten lange Film Verluste ein. 1943 wurde er für drei Oscars nominiert und 1947 erneut in die Kinos gebracht - diesmal mit deutlich mehr Erfolg. Bis heute gilt „Bambi“ als einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten und als Meilenstein der Trickfilmgeschichte. Die auf Gesichtsausdrücken von Kleinkindern basierende Mimik der Protagonisten faszinierte viele Zuschauer. Kritiker bemängelten die Verniedlichung der Tiere allerdings als zu extrem.

Heimlicher Star des mit dramatischer klassischer Musik unterlegten Films bleibt der vorlaute Hase Klopfer, der beste Freund des neugierigen und tollpatschigen Bambis. „Was hat dir dein Vater gesagt?“, muss er sich stets anhören, wenn er wieder einmal seine Hasenschnauze zu weit aufmacht. Klopfer gebührt auch der alles eröffnende erste Satz des zeitlosen Filmklassikers: „Bei Familie Reh gibt's Nachwuchs.“

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