Business Veröffentlicht am 25.09.09 16:00

Schwache Konjunkturdaten

Anne Arend und Pierre Stoll aus dem Handelsraum der Banque de Luxembourg geben jede Woche einen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse auf den Finanzmärkten und kündigen gleichzeitig die wichtigsten Termine für die folgende Woche an.

US-Amerikanischer Leitzins bleibt bei 0 bis 0,25%

Der FOMC (Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank) veröffentlichte diese Woche sein Protokoll der letzten Sitzung. Er sieht keine neuen Elemente in der Art und Weise, wie sich die FED (Federal Reserve) über die US Wirtschaft äußert: die Zinsen bleiben vorerst sehr niedrig (in einer Spanne von 0 - 0,25%) und die Wirtschaft wird nach dem schweren Abschwung noch eine Weile schwach bleiben. „Die Rezession sei wahrscheinlich vorbei“, so US-Notenbankchef Ben Bernanke.

Die Angst der Finanzmarktteilnehmer, dass die Inflation aufgrund der in den Markt gepumpten exzessiven Geldliquidität in die Höhe schießen könnte, zeigt sich vorerst noch als unbegründet. Die Kerninflationsrate der USA liegt derzeit bei 1,4% und damit deutlich unter der 2-Prozent-Marke, die von der Notenbank als „Wohlfühlzone“ bezeichnet wird. Betrachtet man die Zinsfutures am Terminmarkt, so kann man davon ausgehen, dass die Marktteilnehmer erst ab April 2010 eine stufenweise Anpassung der Zinsen nach oben erwarten.

Unerwartet schwache Daten vom US-Immobilienmarkt

Der US-Häusermarkt tendiert weiterhin schwach. Analysten waren davon ausgegangen, dass im Monat August 5,35 Millionen Eigenheime den Besitzer gewechselt hatten. Mit 5,1 Millionen waren es aber deutlich weniger, was ein Minus von 2,7% gegenüber dem Vormonat bedeutet.

IFO-Index: zum sechsten Mal in Folge verbessert

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im September um 0,8 auf 91,3 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit einem Jahr gestiegen, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Donnerstag mitteilte. Eine glatte Enttäuschung für Analysten, die im Schnitt mit einem Indexwert von 92,0 Punkten gerechnet hatten. Die befragten 7.000 Unternehmen bewerten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Aussichten für das kommende halbe Jahr etwas besser als noch im Vormonat. Die Kluft zwischen den Teilindizes Erwartungen und Lageeinschätzung ist nach wie vor groß: Der entsprechende Erwartungsindex lag im September bei 95,7 Punkten – für ihre momentane Lage vergaben die befragten Manager nur 87,0 Punkte.

Ölpreis unter Druck

Eine Nachfrageschwäche zeichnet sich am Ölmarkt ab. Grund für diese Annahme sind die unerwartet hohen Lagerbestände sowohl was die Rohöllager als auch die Destillate- und Benzinbestände anbelangt. Ist dies ein Hinweis, dass sich die erwartete konjunkturelle Erholung als schwach und fragil entpuppt? Der Ölpreis sank deutlich unter 70 US-Dollar pro Fass. Analysten gehen davon aus, dass sich der Ölpreis unter diesen Bedingungen weiterhin abschwächen könnte.

Kreditkartenausfälle in den USA im August auf Rekordhoch

Laut Ansicht der Ratingagentur Moody's kann man davon ausgehen, dass die Kreditkartenausfälle weiter zunehmen werden. Erst im Sommer 2010 würden sie ihren Höhepunkt erreichen. Dann werde die Kreditausfallrate bei 12 bis 13 Prozent liegen. Schuld daran ist unter anderem der katastrophale Zustand des amerikanischen Arbeitsmarktes, der mit einer Arbeitslosenquote von 9,7% auf einem 26-Jahres-Hoch liegt. Die Nullzinspolitik der amerikanischen Notenbank gibt natürlich weiterhin keinen Anlass dazu, die Neigung vieler amerikanischer Haushalte, ihren Konsum auf Kredit zu finanzieren, zu revidieren.

Die Börsen geben nach

Wie bereits erwähnt geriet der Ölpreis heftig unter Druck und ein Fass „schwarzes Gold“ kostet derzeit weniger als 67 USD, ein Minus von ca. 8% über die Woche. Die Börsen bekamen den nachgebenden Ölpreis sowie die enttäuschenden US-Daten zu spüren. Der DJ Eurostoxx50 und der S&P500 Index haben über die Woche 1,7% bzw. 0,9% verloren (Stand Freitag 15.30 Uhr). Der Goldpreis ist wieder unter die 1.000 Dollar-Marke gefallen und notiert derzeit bei rund 990 USD. Der EURO hatte unter der Woche gegenüber dem US-Dollar stark gewonnen und notierte am Mittwoch zeitweise knapp unter 1,485 USD. Zum Ende der Woche fiel er wieder auf 1,47 USD und notiert somit auf demselben Niveau wie Ende letzter Woche.

Ausblick auf die nächste Woche

Anfang nächster Woche könnte es an den Börsen zu größeren Bewegungen kommen. Entscheidend hierfür sind zum einen das Ergebnis der Bundestagswahl in Deutschland und zum anderen die Beschlüsse des G20-Gipfel in Pittsburgh. Die G20-Tagesordnung reicht vom Klimaschutz über den Welthandel bis hin zur Frage einer Weltwirtschaftsregierung. Die Staaten der Europäischen Union möchten insbesondere die Regulierung des Finanzmarktes in den Mittelpunkt rücken.