Lëtzebuerg Veröffentlicht am 12.01.12 14:37

"Schüler gehen meist zur Schule, weil sie müssen"

Gespräch mit Jeannot Medinger, Direktor des "Lycée Ermesinde Mersch"

Direktor Jeannot Medinger empfindet die neuen Räumlichkeiten als einmalige Chance, die es zu nutzen gilt.
Foto: Luc Ewen

Zu Jahresbeginn öffnete der „Lycée Ermesinde“ seine Tore in Mersch. Mit der Adresse ändert sich auch der Name. Das Gymnasium, das vormals als „Neie Lycée“ bekannt war, fungiert jetzt unter dem Kürzel LEM, was für „Lycée Ermesinde Mersch“ steht.

Direktor Jeannot Medinger stand wort.lu Rede und Antwort.

Nach dem Umzug ist das „Lycée Ermesinde“ nun in Mersch zu Hause. Welche Rolle spielt der Standort in Ihren Augen?

Jeannot Medinger: Die zentrale Lage ist von Vorteil und sie hat bei der Standortsuche eine Rolle gespielt. Unsere Schüler kommen nach wie vor aus allen Teilen des Landes. Mersch war eine bewusste Entscheidung, auch weil uns hier viel mehr Platz zur Verfügung steht als in der Hauptstadt. Bedingung war für uns auch eine exzellente Anbindung an den öffentlichen Transport.

Mit dem Zug sind es zehn Minuten bis Luxemburg-Stadt. Außerdem sind neue Buslinien entstanden. Die meisten unserer Schüler können den Schulweg von zu Hause aus jetzt später antreten als vorher. Auch aus dem Süden des Landes gibt es gute Zugverbindungen, zum Teil sogar ohne Umsteigen.

In dem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass unser Internat nicht vorrangig dazu da ist, um Schüler aufzunehmen, die von weit her kommen, sondern auch, um den Schülern die Teilnahme an Ateliers oder anderen Aktivitäten zu erleichtern.

Im Internat sind sowohl Schüler des "Lycée Ermesinde", als auch des "Lycée technique pour professions éducatives et sociales" untergebracht.
Foto: Luc Ewen

Eines der Ziele einer Schule ist es, Schülern den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern. Wird diese Aufgabe durch das neue Gebäude leichter?

Medinger: Die Aufgabe wird dadurch mit Sicherheit leichter, aber das Gebäude an sich spielt keine Hauptrolle. Das Wichtigste ist eine ordentliche Orientierung der Schüler. Jeder weiß ja mittlerweile, dass wir kein Punktesystem haben. Das ist so, weil wir glauben, dass durch ein Punktesystem die Schüler nicht ausreichend gefördert werden.

Sie haben das Berufsleben angesprochen...Ich glaube, dass dies das Schlüsselwort ist. Wenn junge Menschen zu uns kommen, dann geht es auch um ihre berufliche Zukunft. Leider sind sie sich dessen aber häufig nicht genug bewusst. Besonders hier in Luxemburg.

Woran liegt das?

Medinger: Schüler gehen meist zur Schule weil sie müssen. Sie lernen das, was man ihnen sagt und entscheiden sich für ein bestimmtes Fach, weil sie dort viele Punkte haben. Oft wird diese Entscheidung auch in einer Art Ausschlussverfahren getroffen. Dann wird ein Fach gewählt, weil dort weniger Französisch oder Mathematik gelernt werden muss, und irgendwann geht diese Rechnung nicht mehr auf.

Wie zeigt sich das?

Medinger: Im technischen Lyzeum beispielsweise schaffen 40 Prozent der Schüler einer „Dixième“ das Jahr nicht. Nach dem klassischen Unterricht überstehen 60 Prozent der luxemburgischen Abiturienten das erste Universitätsjahr nicht oder müssen ein anderes Studium beginnen.

Das sind ganz bedenkliche Zahlen, die meiner Meinung nach beweisen, dass die Orientierung der Schüler zurzeit schlecht ist. Sie beweisen auch, dass für viele von ihnen Schule eine lästige Pflicht ist. Für mich ist das anormal. (…) Hier gibt es auch eine große Herausforderung an die Politik.

Wie würden Sie Eltern davon überzeugen, ihre Kinder - anstatt auf ein traditionelles Gymnasium - in das Ermesinde-Lyzeum zu schicken?

Medinger: Ich würde auf unsere Methode hinweisen, möglichst schnell in Erfahrung zu bringen, wo die Hauptinteressen und die Talente des jeweiligen Kindes liegen. Die Frage ist, in welchen Themenbereichen der einzelne Schüler auf Dauer Freude empfindet, gemeinsam mit anderen an Projekten zu arbeiten.

Als Ziel würde ich angeben, dass es in unseren Augen sowohl für die Kinder als auch für die Eltern sehr wichtig ist, zu sehen, dass das Kind für sich ein Fach findet, entwickelt und bestätigt, in dem es mit Freude und Effektivität arbeiten kann.

Im "Lycée Ermesinde" nimmt jeder Schüler teil an einem "Betrieb". So gibt es beispielsweise einen Bauernhof, Aufnahmestudios und ein Kino.
Foto: Luc Ewen

Welche Zukunftsprojekte gibt es beim „Lycée Ermesinde“?

Medinger: Es gibt zwei ausbaufähige Fachbereiche. Zum einen das „Patrimoine“ und zum anderen der Fachbereich Film. Dazu gehört das Projekt, hier in Mersch ein öffentliches Kino zu betreiben.

Einen ausführlichen Bericht zum "Lycée Ermesinde" finden Sie im Luxemburger Wort vom 12. Januar.

WETTER - Luxemburg Stadt

Heute

08:00

12:00

16:00
Min.: 15°C | Max.: 22°C
Morgen

08:00

12:00

16:00
Min.: 15°C | Max.: 24°C
Donnerstag

08:00

12:00

16:00
Min.: 16°C | Max.: 25°C
Freitag

08:00

12:00

16:00
Min.: 12°C | Max.: 20°C
Samstag

08:00

12:00

16:00
Min.: 10°C | Max.: 18°C

Verlobung und Hochzeitsglocken am Hof

Ganz Luxemburg freut sich auf seine neue Erbgroßherzogin. Sie heißt Stéphanie, sie kommt aus Belgien, ist eine junge Gräfin und hat ein charmantes Lächeln. "Ihren" Guillaume hat sie damit bereits verführt. Wird sie demnächst auch die Luxemburger verzaubern ... ? Bald schon werden die Hochzeitsglocken am großherzoglichen Hof läuten!

Video-Galerie

Aktuelle Fotogalerien

DNR NACHRICHTEN

LUXEMBURGER WORT ARCHIV