(fv) - Fährt man durch Nospelt an der Hausnummer 5 in der Rue de Kehlen vorbei, ist beim ersten Anblick nicht ersichtlich, dass dort eine typisch luxemburgische Dorfkneipe ansässig ist. Einzig das Schild einer landesweit bekannten Biermarke lässt erahnen, was sich im Inneren des aprikosenfarbenen Hauses verbirgt.
Eine Klingel braucht das „Café Jonas-Olinger“ offenbar nicht. Nähert man sich auch nur der Eingangstür, wird der Gast von einem lautstarken Bell-Konzert von Kneipenhund Aika empfangen. „Der will nur spielen“, wiegelt Wirtin Josette ab, als sie uns in ihrem Café empfängt. Die fünf Tische und die liebevollen Details verleihen dem kleinen Raum auf Anhieb das Flair einer „guten Stube“ – man fühlt sich fast wie zu Hause.
Genauso wird man auch von dem Wirtspaar empfangen. Ehemann Claude bietet jedem Besucher gleich den obligaten „Mini“ an. Fachgerecht gezapft wird der Gerstensaft von der „Chefin“ höchstpersönlich. „Und zwar in zwei Schritten“ doziert Josette hinter dem Zapfhahn, „nach einer Minute erst soll man dem Bier die 'Krone aufsetzen', nur so schmeckt ein perfekter 'Mini'“.
Ab dem 29. Mai eine rauchfreie Zone
Seit fünf Generationen führt Familie Olinger nun schon das Dorfcafé – seit 1989 unter den Fittichen von Wirtsfrau Josette. „Davor war es meine Mutter, die hier das Sagen hatte“, plaudert Tochter Josette aus dem Nähkästchen, „und zwar fast 40 Jahre lang“. Das Café scheint also hier Frauensache zu sein. „Das war schon immer so: Die Frau kümmerte sich tagsüber um das Lokal, während der Mann einer anderen beruflichen Tätigkeit nachging“, erklärt Josette.
Üblicherweise bestellten die Männer das Feld oder kümmerten sich als Landwirte um das Vieh. Ehemann Claude war Mechaniker bei einer großen Busfahrtgesellschaft. „Das war auch bitter nötig“, erläutert er. „Mit den alleinigen Einnahmen des Lokals konnten wir uns nicht über Wasser halten.“ Bei diesem Gedanken stellt sich nun doch etwas Wehmut beim Ehepaar ein. Mit einem „früher-war-noch-alles-besser“-Ausdruck erzählen sie von vergangenen Tagen, als ihr Café um 18 Uhr bereits rappelvoll war. Das passiert jetzt nur noch, wenn der ortsansässige Tischtennisclub bei Heimspielen seinen Durst löschen kommt. Sonst verirren sich hierhin nur noch wenige Passanten.
Die gegenwärtige Debatte über das Rauchverbot erhitzte auch im Café Jonas-Olinger die Gemüter. Die ewige Diskussion um die Verbannung der Glimmstengel ging dem Wirtspaar auf die Dauer derart auf die Nerven, dass in Nospelt nun Nägel mit Köpfen gemacht werden: „Wir haben keine Lust mehr, auf ein solches Gesetz zu warten – wir machen jetzt unsere eigenen Regeln.“ Gesagt getan: Ab dem 29. Mai wird das Dorfcafé zur rauchfreien Zone erklärt.
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