(dpa) - Die mächtige Ratingagentur Standard & Poor's hat den Daumen gesenkt: In einem Rundumschlag stufte sie am späten Freitag unter anderem die Bonitätsnoten von Frankreich, Österreich, Italien und Spanien herab. Luxemburg und Deutschland kamen ungeschoren davon und behalten ihr Top-Rating.
Auch Portugal, Zypern, Malta, die Slowakei und Slowenien erhielten schlechtere Noten. Teils rutschen die Eurostaaten laut S&P um bis zu zwei Stufen ab. Das dürfte es schwerer und teurer machen, sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu leihen. Damit steigt der Druck auf ganz Europa.
Deutschland dagegen kann aufatmen: Das wirtschaftliche Zugpferd der Eurozone behielt sein Spitzenrating von "AAA", sogar mit einem stabilem Ausblick. Damit droht auch mittelfristig keine Abstufung. Und auch Luxemburg bleibt die oberste Bonität erhalten.
Die zweite große Euro-Volkswirtschaft hatte da weniger Glück: Nicht nur, dass die Franzosen ihre Spitzennote verloren haben, ein negativer Ausblick kündet auch von einer möglichen weiteren Abstufung in der Zukunft. Dies gilt als problematisch, weil die Herabstufung Frankreichs auch Auswirkungen auf den Rettungsfonds EFSF für Krisenstaaten haben könnte.
Der Ausblick ist für 14 Euroländer negativ, darunter auch einige, an denen der Kelch jetzt vorübergegangen war. Die Chance liege bei eins zu drei, dass die Staaten in diesem oder dem kommenden Jahr heruntergestuft würden, erklärte S&P in einer Mitteilung. Neben Deutschland hat einzig noch die Slowakei in der Eurozone einen stabilen Ausblick.
Eurogruppen-Präsident Jean-Claude Juncker erklärte, die Staaten der Eurozone hätten bereits weitreichende Maßnahmen ergriffen, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Die Länder seien bereit, "alles zu tun, was nötig ist", um die Schuldenkrise zu meistern und für wirtschaftliches Wachstum zu sorgen.
Europas Politiker hätten nicht genug getan, um die Schuldenkrise einzudämmen, begründete S&P den Rundumschlag. Die Benoter zeigten sich enttäuscht von den Ergebnissen des Eurogipfels im Dezember. Die Kreditkonditionen verschlechterten sich genauso wie die wirtschaftlichen Aussichten, warnte die Ratingagentur. Europas Politiker seien sich noch immer uneins, wie die Krise zu lösen sei.
Die größter der drei wichtigsten Ratingagenturen hatte Anfang Dezember die Noten fast aller Eurostaaten sowie des EFSF unter verschärfte Beobachtung gestellt. Neben der Bundesrepublik behalten in der Eurozone nur noch die Länder Niederlande, Finnland und Luxemburg ihre Top-Bonität, weltweit sind es abgesehen von Hongkong insgesamt 13 Staaten. Griechenland ist bereits auf Ramschstatus abgerutscht - das heißt, S&P geht von einer hohen Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts aus. Erwartet wird, dass auch die Ratingagenturen Moody's und Fitch in nächster Zeit neue Bewertungen veröffentlichen werden.