International Veröffentlicht am 06.07.10 09:57

Rätselhafte Dutroux-Akten bei Kirchen-Razzia aufgetaucht

Zu den beschlagnahmten Dokumenten gehörten angeblich Fotos der Dutroux-Opfer Julie und Melissa

Der Pädophilen-Skandal um Julie und Melissa hatte das Königreich Belgien in den 90er Jahren tief erschüttert.
ap

(jw/kna) - In Mechelen haben Fahnder bei umstrittenen Durchsuchungen in Gebäuden der belgischen Kirche auch vertrauliche Unterlagen zum Fall des Mörders und Kinderschänders Marc Dutroux entdeckt. Das berichten mehrere belgische Medien am Dienstag. Zu den Beweisen sollen angeblich auch Fotos der Dutroux-Opfer Julie und Melissa gehören.

Am Dienstag wurde der ehemalige Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Kardinal Godfried Danneels, von der Staatsanwaltschaft verhört. Dabei soll es nach Medieninformationen auch um Vorwürfe unterlassener Hilfeleistung gehen. Das Verhör solle klären, ob Danneels davon Kenntnis hatte, ob Missbrauchsvorwürfe vertuscht worden seien.

Die Zeitung «De Standaard» berichtet, die scharf kritisierte Durchsuchung der Gräber früherer Kardinäle in der Sint-Rombouts-Kathedrale in Mechelen gehe auf konkrete Vorwürfe zurück. Die frühere Vorsitzende der Untersuchungskommission für Missbrauchsvorwürfe, Godelieve Halsberghe, soll demnach den Ermittlern erklärt haben, Danneels habe Dokumente zu Missbrauchsfällen in der Krypta der Kirche an geheimem Ort versteckt. Belege dafür habe die Durchsuchung der Kathedrale aber nicht erbracht.

Konkrete Vorwürfe

Laut Medienberichten sollen die zuständigen Justizbehörden noch in diesem Monat entscheiden, ob die Durchsuchungen vom 24. Juni am Sitz des Erzbistums in Mechelen sowie bei der Missbrauchs-Untersuchungskommission in Löwen rechtmäßig waren. Am Montag wurde bekannt, dass die belgische Generalstaatsanwaltschaft eine Prüfung des Vorgehens der Brüsseler Staatsanwaltschaft bei den Durchsuchungen eingeleitet hat.

Die Brüsseler Staatsanwaltschaft hatte bei ihrer Razzia zahlreiche Akten und Rechner konfisziert. Den versammelten Bischöfen und Kirchenvertretern wurden die Handys abgenommen. Zudem wurden auf der Suche nach belastendem Material auch Grablegen verstorbener Erzbischöfe in der Kathedrale aufgebrochen.

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