(dpa) - Die Linkspartei hat ihre Spitzenkandidaten Gregor Gysi (61) und Oskar Lafontaine (66) nicht gewählt, sondern bei einem Parteitag per Akklamation bestimmt. Der Beifall war eindeutig. Niemand in der Partei hätte den beiden Bundestags-Fraktionsvorsitzenden die Berufung streitig gemacht. Denn den Erfolg seit dem Einzug in den Bundestag mit 8,7 Prozent 2005 hat die Partei wohl maßgeblich den beiden wortgewaltigen Politprofis zu verdanken. Prognosen anderer Parteien, dass die „zwei Hähne“ sich bekämpfen würden, traten nicht ein. In vier Jahren des gemeinsamen Fraktionsvorsitzes wurde kein einziger Disput öffentlich.
Ex-SPD-Chef Lafontaine spricht vor allem Arbeitslose, sozial Schwache und Rentner an und kann enttäuschte Sozialdemokraten an die Linke binden. Am 16. September ist er 66 Jahre alt geworden. Auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene hat er etliche Spitzenämter ausgefüllt. 1999 zog er sich im Zerwürfnis mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) aus der Politik zurück. 2005 gab er nach fast 40 Jahren sein Parteibuch ab und wechselte zur Linken, deren Vorsitzender er 2007 wurde. Alte Weggefährten werfen ihm wegen seiner aggressiven Kritik an der SPD einen Rachefeldzug vor, Lafontaine bestreitet das.
Gysi gilt in der Partei als „Allzweckwaffe“. Der 61-Jährige beherrscht das Gespräch mit den „kleinen Leuten“ genauso wie den Streit mit Intellektuellen. Seine Gegner sind vor allem DDR-Bürgerrechtler, die ihm Stasi-Kontakte vorwerfen - was Gysi energisch bestreitet und nie bewiesen wurde.
In der DDR trat das SED-Mitglied - Anwalt prominenter Staatskritiker - politisch kaum in Erscheinung. Nach dem Mauerfall wendete er die DDR-Staatspartei SED durch den Bruch mit der stalinistischen Vergangenheit zur PDS (heute: Die Linke). Auch aus Enttäuschung über mangelnden Reformwillen seiner Partei zog er sich im Jahr 2000 nach zehn Jahren als Bundestags-Fraktionschef zurück. 2002 gab er wegen einer Bonusmeilen-Affäre sein Amt als Berliner Wirtschaftssenator ab. Mit dem Wiedereinzug der Linken in den Bundestag 2005 wurde Gysi erneut Fraktionschef.