International Veröffentlicht am 05.09.12 05:15

München 1972: Pilo Fonck war Zeuge der Terroranschläge

Radio Lëtzebuerg berichtete als einer der ersten Sender über die schrecklichen Ereignisse

Sportjournalist Pilo Fonck erhielt Informationen aus erster Hand von der Luxemburger Delegation vor Ort.
Foto: LW-Archiv

Von Christophe Langenbrink

Pilo Fonck war als Luxemburger Sportredakteur für Radio Lëtzebuerg bei den olympischen Spielen von 1972. Als einer der ersten Journalisten überhaupt erfuhr er von den Terrorereignissen.  Im Interview mit dem Luxemburger Wort berichtet er von seinen Eindrücken.

Wie haben Sie von den Terroranschlägen erfahren?

Da unser Pressebüro neben dem Eingang zum Olympiadorf lag, habe ich gesehen wie die Polizeiwagen früh morgens auf das Gelände gefahren sind. Da ich sehr gute Kontakte zur Luxemburger Delegation hatte, habe ich gleich dort nachgefragt, was denn los sei.

Es hat sich dabei herausgestellt, dass die Luxemburger Sportler im Olympiadorf die Geschehnisse vis-à-vis miterlebt haben. Sie konnten mir somit die Geiselnahme israelischer Sportler bestätigen, ohne dass zuvor die internationalen Agenturen davon wussten. So konnte Radio Lëtzebuerg in der Frühsendung um 6.30 Uhr als einer der ersten, wenn nicht sogar als erster Radiosender, über die schrecklichen Ereignisse berichten. Das war ein großer – wenn auch furchtbarer – Moment.

Haben Sie damals schon die Tragweite des Terrorakts absehen können?

Diese Art von Überfall bedeutete zu dieser Zeit eine völlig neue Dimension des Terrorismus, der uns alle schockierte. Im Wirrwarr der Informationen, die dann von überall kamen, war es schwer die Tragweite genau zu erkennen. Es war schließlich ein ägyptischer Kollege im olympischen Pressezelt, der mir verriet, dass es sich bei dieser Terroristengruppe um Fanatiker handelte, die zum Äußersten bereit seien. Ab diesem Augenblick war mir klar, dass das Schlimmste zu befürchten war.

Wie bewerten Sie heute die Entscheidung des olympischen Komitees, mit den Spielen fortzufahren?

Aufgrund der schlimmen Ereignisse und der Toten, die zu beklagen waren, war ich zunächst empört über diese schwerwiegende IOC-Entscheidung. Als IOC-Präsident Avery Brundage trotz internationaler Proteste aber in Abstimmung mit der israelischen Regierung „The Show must go on“ verkündete, habe ich meine Meinung revidiert. Denn das hätte – aller Voraussicht nach – den Tod der Spiele bedeutet. Und trotz aller Kritik bleiben die olympischen Werte und die damit verbundene Friedensbotschaft ein starkes Signal an die Menschheit, das nicht verloren gehen darf.

  • Lesen Sie mehr über die Attentate bei den Olympischen Spielen in München auf den Fokus-Seiten des Luxemburger Wort vom Mittwoch.