Von Françoise Hanff
Angesichts der sich häufenden Anzahl von Missbrauchsfällen im Ausland richtete das Erzbistum in Luxemburg am 6. April eine Anlaufstelle ein, bei der sich Opfer von sexuellem oder körperlichem Missbrauch durch kirchliche Würdenträger melden konnten. Geleitet wird die Hilfsstelle von Mill Majerus und seiner Frau Simone Majerus-Schmit. Ihnen steht ein Team von sechs Mitarbeitern zur Verfügung, das durch über 20 Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten verstärkt wird.
Insgesamt haben sich bis zum 30. Juni 124 Frauen und Männer auf unterschiedlichen Wegen bei der Hotline gemeldet. 91 Personen waren Opfer oder Zeugen von unterschiedlichen Übergriffen innerhalb der Kirche oder in nicht-kirchlichen Einrichtungen durch Priester oder Ordensleute. 33 Frauen und Männer wurden Opfer oder Zeugen von sexuellen Misshandlungen durch Priester, Ordensleute oder ältere Jugendliche in sozialpädagogischen Einrichtungen, in denen Ordensleute wirkten.
„Wir sind sehr vorsichtig, was die quantitative Analyse angeht. Wahrscheinlich ist die Zahl derer, die sich nicht gemeldet haben, hoch“, sagt Mill Majerus im Interview mit dem „Luxemburger Wort“. „Alle gemeldeten Fälle gehen ungefiltert an die Staatsanwaltschaft. Wir haben bereits 65 Berichte an die beiden Staatsanwälte Robert Biever und Jean Bour weitergeleitet.“ Neben dem sexuellen Missbrauch habe es den physischen gegeben: Dabei gehe es nicht nur um eine gelegentliche Ohrfeige, sondern um außerordentlich brutale Formen körperlicher Gewalt.
„In manchen Fällen kann man beinahe von Tortur sprechen. Laut den Betroffenen hat es sich nicht um Entgleisungen, sondern um ein regelrechtes System gehandelt. Bis jetzt haben wir zwölf Fälle von extremem körperlichem Missbrauch dokumentiert.“ In einem Fall soll sogar ein Kind zu Tode gestürzt sein.
Die dritte Form von Gewalt, die in den Kinderheimen und Internaten praktiziert wurde, sei die systematische Herabwürdigung der Schutzbefohlenen gewesen. Die Kinder seien beschimpft und beleidigt worden. „Manche wurden gezwungen, ihren Teller zu leeren, obwohl sie sich vor dem Essen ekelten. Und wenn sie sich übergaben, mussten sie das Erbrochene mitessen.“ Diese Fälle von Missbrauch ereigneten sich von den 1950er- bis Anfang der 1980er-Jahre in kirchlichen, aber auch in staatlichen Institutionen.
Besonders Heimkinder, die nicht den Rückhalt ihrer Familie genossen, seien Opfer von Gewalttaten geworden. Mill Majerus gibt zu bedenken, dass die Betreuer oder Lehrer oftmals mit ihrer Aufgabe überfordert gewesen seien – was jedoch keinesfalls als Entschuldigung gelten könne. „Die Einrichtungen wurden nicht kontrolliert, die Systeme nicht in Frage gestellt.“ „Eine vierte Form, die uns gemeldet wurde und die nichts mit Kindern zu tun hat, ist die finanzielle Ausnutzung durch die Kirche.
Die Anrufer waren der Auffassung, dass insbesondere ältere Leute ausgebeutet werden.“ Unter den gemeldeten Fällen gab es einige rezente, die die finanzielle Gewalt, aber auch den körperlichen Missbrauch von Kindern außerhalb der Kirche anprangerten. „Obwohl es nicht unsere ausdrückliche Mission war, haben wir in den letzteren Fällen sofort Hilfe geleistet.“ Oft sei im Leben der Betroffenen schon im Vorfeld des Missbrauchs so manches schief gelaufen. Später sei das Leben dementsprechend weitergegangen. Niedriges Selbstwertgefühl, Drogenkonsum, Alpträume, Konzentrationsprobleme, Bindungsängste und berufliches Scheitern seien oft Teil ihrer Welt gewesen. Nicht nur hätten sie traumatische Erfahrungen gemacht, die Opfer hätten auch häufig keinen Ansprechpartner gehabt, dem sie sich hätten anvertrauen können, weder in ihrer Kindheit noch in ihrem späteren Leben. Daraus seien extreme psychische Belastungen entstanden, zu denen oft noch unberechtigte Gefühle wie Scham oder Schuld gekommen seien. „Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, diesen Menschen mit großer Empathie zu begegnen. Das Überprüfen von Detailfragen war für uns irrelevant. Unsere Aufgabe bestand darin, den Anrufern zuzuhören, das Gesagte zu dokumentieren, einen Bericht zu verfassen und den Betroffenen diesen wenn möglich zu lesen zu geben“, fasst der Koordinator zusammen.
Diese Traumata auf Papier zu sehen, habe manchen Personen Anlass zur Erleichterung gegeben, habe bei ihnen aber auch das Bewusstsein für das Ausmaß des Erlebten geschärft. Für die Anrufer sei es aber allgemein eine Genugtuung gewesen, ernst genommen zu werden und sich aussprechen zu können. Sie erhielten die Gewissheit, dass der Staatsanwalt eine Akte anlegen werde, auch wenn der Fall bereits verjährt sei. Das Erzbistum hat den Opfern angeboten, ihnen falls gewünscht eine Therapie zu finanzieren. „Bisher haben sehr wenige auf das Angebot zurückgegriffen. Vielen dieser älteren Menschen fehlt die Kraft, eine Therapie anzugehen. Einige haben sich stattdessen ein Gespräch mit einem Kirchenvertreter gewünscht.“ Zahlreiche Betroffene hätten heute verständlicherweise ein gespaltenes Verhältnis zur Kirche. „Sie möchten nichts mehr mit einer Kirche zu tun haben, die sie so behandelt hat. Aber verschiedene von ihnen haben trotz allem tiefe religiöse Empfindungen.“
Die katholische Kirche täte gut daran, nach außen ihre Betroffenheit auszudrücken und dafür zu sorgen, dass in Zukunft solche Vorfälle nie wieder passierten, so Mill Majerus. „Abschließend sprechen wir dem Erzbischof Empfehlungen aus. Persönliche Entschuldigungen sind meiner Ansicht nach angemessen. Auch sollte eine kollektive Bußfeier stattfinden.“ Mill Majerus rät der Kirche außerdem, eine permanente Anlaufstelle für Missbrauchsopfer zu schaffen. Auch sollte sie sich Gedanken über die Rekrutierung ihres Personals machen. Missbrauch sollte auch weiterhin ein Thema in der Kirche bleiben. In diesem Kontext finden am 28. und 29. Oktober eine Konferenz und ein Seminar mit dem Theologen und Psychologen Wunibald Müller statt.
„Wir empfehlen des Weiteren, die Geschichte der Kinderheime in Luxemburg aus den Jahren 1950 bis 1980 aufzuarbeiten. Diese Aufgabe könnte beispielsweise die Universität als unabhängige Instanz übernehmen.“ In Luxemburg sollte im Allgemeinen die Täterarbeit weiterentwickelt werden. „Dies ist jedoch die Aufgabe der Gesellschaft, nicht der Kirche.“ Die Hotline für Missbrauchsopfer wird morgen geschlossen. Bis Mitte August wird die Anlaufstelle alle Einzelberichte fertig stellen.
Ende Oktober soll der Abschlussbericht an Mgr Fernand Franck und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet sowie der Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Mich haben die Gespräche mit den Opfern bestürzt. Wir waren gefordert, gut in unserer Arbeit zu sein, um unseren Gesprächspartnern die Chance zu geben, wenigsten einen Teil ihrer Verletzung loszuwerden. Meine Mitarbeiter und ich sind dankbar für das enorme Vertrauen, das die Menschen uns entgegengebracht haben. Es ist fast, als hätten sie uns ein Geschenk gemacht“, so der Leiter der Kontaktstelle abschließend.
Petingen
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3:0 |
Jeunesse
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RFCU Lëtzebuerg
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RM Hamm Benfica
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Niederkorn
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5:2 |
Hostert
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