Lëtzebuerg Veröffentlicht am 09.08.12 05:15

Mieten und Kaufen immer teurer

Bilanz 2011 des „Observatoire de l'habitat“

Bei den Immobilien spielt die Erreichbarkeit der Hauptstadt eine wichtige Rolle in der Strukturierung der verlangten Verkaufspreise.
Foto: Anouk Antony

(C./mim) - In 2011 ist der Verkauf von Wohnungen in Luxemburg um 11,2 Prozent angestiegen. Bei den Hausverkäufen hingegen wurde im selben Zeitraum lediglich ein Plus von 1,2 Prozent verzeichnet, bei den Verkäufen von Baugrundstücken sogar ein Minus von 5,6 Prozent. Diese Zahlen gehen aus dem Jahresbericht des „Observatoire de l'habitat“ hervor und basieren auf den notariell beurkundeten Verkaufsverträgen für 2011.

Die für Wohnungen gezahlten Preise sind im vergangenen Jahr stark gestiegen; um 6,86 Prozent bei bestehenden Apartements und um 9,14 Prozent bei denen, die sich noch im Bau befinden. Die Indikatoren für die angekündigten Verkaufspreise, die aus den Immobilienanzeigen hervorgehen, weisen auf einen deutlichen Anstieg hin: 2,27 Prozent bei den Häusern und 5,58 Prozent bei den Wohnungen. Derweil deuten die Indikatoren für die angekündigten Mietpreise auf eine noch deutlichere Steigerung hin. Sie verzeichnen ein Plus von 7,85 Prozent bei den verlangten Häusermieten und einen Anstieg von 10,09 Prozent bei den Wohnungsmieten.

Günstige Kreditbedingungen

Die Steigerung der angekündigten Verkaufspreise für Immobilien in Luxemburg ist laut dem „Observatoire de l'habitat“ vor allem durch die Nachfrage bedingt. Diese sei durch die Attraktivität des Landes groß, das zeige auch der deutlich positive Migrationssaldo (laut dem Statec verzeichnet Luxemburg seit 2005 durchschnittlich einen Überschuss der Einwanderungen gegenüber den Abwanderungen von 6 000 Personen pro Jahr). Im vergangenen Jahr hat die Einwohnerzahl des Landes um 10 000 Personen zugenommen und betrug 511 840 Personen. Günstige Kreditbedingungen mit noch niedrigen Zinssätzen hätten 2011 ebenfalls die Nachfrage nach Immobilien begünstigt.

Das „Observatoire de l'habitat“, das 2003 vom Wohnungsbauministerium gegründet wurde mit dem Ziel, die Planung der Wohnungsbaupolitik zu unterstützen, hat ebenfalls Daten über den Grundstücksverbrauch und das Potenzial an Bauterrain in den Wohnzonen zusammengetragen. Diesen zufolge sind zwischen 2004 und 2007 insgesamt 5 769 Personen in die 2 093 neue Wohneinheiten gezogen, das ergibt einen Mittelwert von 2,76 Personen pro Wohneinheit. 4 483 von ihnen sind in die in der Zeit neugebauten 1 406 Einfamilienhäuser gezogen und 1 286 Personen in die 687 neuen Apartments.

2010 standen theoretisch 2 701 Hektar Land für den Wohnungsbau zur Verfügung. Das sind 49 Prozent der gesamten Grundstücke, die innerhalb der Bauperimeter liegen. Mehr als 75 Prozent der zur Verfügung stehenden Grundstücke für den Wohnungsbau gehören Privatpersonen, sprich 2 047 von 2 701 Hektar.

Global gesehen sind die Wohnbedingungen der in Luxemburg lebenden Haushalte sehr zufriedenstellend. 2010 verfügten rund 98 Prozent der Haushalte über Wohnkomfort wie Badezimmer, Innentoilette, warmes Wasser und Heizung. Jedoch gaben 23 Prozent der Haushalte an, mehreren Wohnproblemen zu begegnen. In den meisten Fällen haben die Unannehmlichkeiten mit dem Wohnumfeld zu tun wie z. B. Lärm- und Umweltverschmutzung. Die Wohnprobleme treffen nicht alle sozialen Schichten gleichermaßen. Benachteiligt sind vor allem Alleinerziehende: Sie leben öfters in Wohnungen in einem schlechten Wohnumfeld, die Probleme für die Gesundheit darstellen und oft auch überaltert sind.

Entwicklung des Immobilienangebots

2011 hat das „Observatoire de l'habitat“ 81 000 Immobilienanzeigen zusammengetragen, 79 Prozent davon waren für den Verkauf von Wohnungen und Häusern geschaltet worden, gegenüber 21 Prozent für die Vermietung von Wohneinheiten. Von den Verkaufsangeboten waren 67 Prozent für Apartements und 33 Prozent für Häuser. Zum Vergleich: 2006 machten die Verkaufsangebote für Wohnungen nur 56 Prozent aus, und die für Häuser 44 Prozent. Laut dem „Observatoire de l'habitat“ besteht seit einigen Jahren in Luxemburg eine stark steigende Tendenz für den Anteil der Apartementhäuser an den Verkaufsanzeigen.

Global gesehen hat im Vergleich zu 2010 im vergangenen Jahr die Anzahl der Verkaufsangebote für Immobilien deutlich zugenommen: plus 17 Prozent bei den Angeboten für Häuser und plus zehn Prozent bei denen für Wohnungen.

51 Prozent der zum Verkauf stehenden Häuser befanden sich in den Regionen Zentrum und Süden, sechs Prozent davon in der Hauptstadt. Im Durchschnitt wurden 2011 für ein Haus 597 785 Euro, sprich 3 375 Euro pro Quadratmeter, verlangt. Die teuersten Gemeinden befanden sich in der Nähe der Hauptstadt: Strassen, Niederanven, Bartringen, Walferdingen und Schüttringen. Dort lagen die Mittelwerte über 4 300 Euro pro Quadratmeter, mit vorgeschlagenen Verkaufspreisen von mehr als 830 000 Euro für ein Haus. Am günstigsten waren die Häuser im Norden und Westen des Landes, vor allem in den Gemeinden Wiltz, Weiswampach, Heinerscheid und Tandel. Weniger als 2 500 Euro pro Quadratmeter wurden dort im Durchschnitt für ein Haus verlangt. 

Teures Wohnen in der Hauptstadt

Im Gegensatz zum Angebot an Häusern konzentrierten sich die zum Verkauf stehenden Wohnungen zum Großteil auf das Zentrum und den Süden des Landes (74 Prozent). Allein in der Hauptstadt standen 20 Prozent des landesweiten Angebots an Apartements zum Verkauf. Im Durchschnitt wurden 365 000 Euro, sprich 4 115 Euro pro Quadratmeter für eine Wohnung verlangt. Luxemburg-Stadt war bei weitem die teuerste Gemeinde des Landes (5 301 Euro pro Quadratmeter), gefolgt von Strassen, Bartringen, Niederanven, Kopstal und Leudelingen.

Die niedrigsten Wohnungspreise wurden im Norden und Westen des Landes verzeichnet: Tandel, Heinerscheid, Eschweiler, Bauschleiden und Ulflingen. Wie bei den Häusern spielt auch hier die Erreichbarkeit der Hauptstadt, als wesentliches Arbeits- und Dienstleistungszentrum, eine wichtige Rolle in der räumlichen Strukturierung der verlangten Verkaufspreise für Wohnungen.

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