Lëtzebuerg Veröffentlicht am 20.04.11 05:38

Luxemburg im Mittelfeld

Das Bildungsniveau in Europa steigt – aber nicht im erwünschten Ausmaß

Grundkenntnisse: Jeder fünfte Jugendliche kann laut EU-Studie nicht gut lesen.
Foto: Marc Wilwert

(ce) – Bescheiden fällt er aus - der Bildungsbericht, den die EU-Kommission am Dienstag vorgelegt hat. Nur eines von fünf für 2010 festgesetzten Bildungszielen ist von den EU-Ländern auch tatsächlich erreicht worden. Nämlich jenes, die Anzahl der Absolventen mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Fächer zu erhöhen.

Seit 2000 ist diese Zahl in der EU um 37% gestiegen. Das angestrebte Ziel von 15% wurde damit problemlos übertroffen. Auch in anderen Bereichen wurden erhebliche Fortschritte erzielt, doch die konkreten Ziele kaum erreicht.

Luxemburg schneidet in einigen Punkten der Bildungsvorgaben durchaus gut ab, wie zum Beispiel bei der Anzahl der Kinder mit Vorschulbildung. Der EU-Benchmark sieht vor, dass bis zum Jahr 2020 95 Prozent der Kinder zwischen dem vierten Lebensjahr und dem Beginn der Schulpflicht in den Genuss einer Vorschulbildung kommen. Luxemburg lag im Jahr 2008 bereits bei 94,3 Prozent.

Luxemburgs Kinder haben Probleme in der Schule

Auch in der Bemühung, die Anzahl der Schul- und Ausbildungsabbrecher zu reduzieren, hat das Großherzogtum das für 2020 veranschlagte Ziel von höchstens 10 Prozent vorzeitigen Abgängern bereits unterschritten und lag 2009 bei nur 7,7 Prozent.

Die EU-Strategie 2020 sieht weiters vor, dass 40 Prozent der 30- bis 34-Jährigen über einen Hochschulabschluss verfügen sollen. In Luxemburg scheint die Marke bereits überschritten zu sein. Laut EU-Bericht stieg die Anzahl an Hochschulabsolventen in Luxemburg im Jahr 2009 sogar auf 46,6 Prozent an.

Besorgniserregend bleibt hingegen die Anzahl von leistungsschwachen Schülern in den Fächern Lesen, Rechnen oder in den Naturwissenschaften. Für das Jahr 2010 hat die EU die Messlatte auf maximal 17 Prozent angesetzt. In Luxemburg wiesen jedoch 26 Prozent der Schüler, also jedes vierte Kind, unzureichende Fähigkeiten in der Schule auf.

Im Durchschnitt gerechnet hält sich Luxemburg im Mittelfeld der 27 Mitgliedsstaaten. So positiv einige Ergebnisse mancher EU-Länder auch scheinen und so viele Ziele auch erreicht wurden, gesamt gesehen hatte die EU-Kommission mehr erwartet.

EU-Kommissarin zuversichtlich

Dennoch zeigt sich Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend zuversichtlich: „Erfreulicherweise ist das Bildungsniveau in Europa erheblich gestiegen. Heute beenden mehr junge Leute als vor zehn Jahren die Sekundarstufe bzw. schließen eine Hochschulausbildung ab.“

Allerdings seien Schulabbruch und unzureichende Lesekompetenz weiterhin große Probleme. Zu den Kernziele der Europa 2020 Strategie für Beschäftigung und Wachstum würden daher vor allem die allgemeine und berufliche Bildung zählen.

Die Kommissarin betont jedoch auch, dass die Mitgliedstaaten weitere Anstrengungen unternehmen müssten. Sie warnt davor, den Bildungshaushalt wegen der schwierigen Situation aufgrund der Wirtschaftkrise zu kürzen. „Bildungsausgaben sind eine gute Investition in Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum und zahlen sich langfristig aus. In Zeiten angespannter Haushaltslagen müssen wir aber auch sicherstellen, dass Ressourcen so effizient wie möglich genutzt werden“, fügte sie hinzu.

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