(dpa) - Der Weltklimagipfel in Kopenhagen geht am heutigen Dienstag in den zweiten Tag. Noch bis zum 18. Dezember kämpfen Regierungsvertreter aus 192 Staaten um weitreichende Klimaziele, für die am Montag zum Auftakt der Konferenz in dramatischen Appellen geworben wurde.
So viele Länder wie nie zuvor haben Vorschläge vorgelegt, um ihren Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren oder zu bremsen. Ob dies für eine Einigung reicht, ist zweifelhaft. Die Zeit für bloße Worte sei vorbei, sagte UN-Klimachef Yvo de Boer am Montag in seiner Eröffnungsrede. Er forderte verbindliche Klimaschutzziele und eine sofortige Finanzzusage über 10 Milliarden US-Dollar (6,7 Milliarden Euro) jährlich von 2010 bis 2012 für die armen Länder.
Der dänische Regierungschef und Gastgeber Lars Løkke Rasmussen nannte den Klimagipfel eine herausragende Chance - die Welt könne sich nicht erlauben, sie zu verpassen. Er schwor die Verhandlungspartner aus aller Welt auf "schwierige, aber notwendige Entscheidungen" ein. Eine Einigung sei greifbar nahe.
Eine potenziell weitreichende Entscheidung wurde am Montagabend in Washington getroffen: US-Präsident Barack Obama kann künftig notfalls auch ohne Zustimmung des Kongresses den Ausstoß von Kohlendioxid regulieren. Die Umweltbehörde EPA stufte Treibhausgase offiziell als "gesundheitsschädlich" ein. Diese bereits seit dem Frühjahr erwartete Definition gibt der Regierung das Recht, Emissionen eigenständig auf der Basis eines Umweltgesetzes von 1990 zu begrenzen.
Der Chef des Weltklimarates, Rajendra Pachauri, unterstrich die Notwendigkeit, die Erderwärmung im Bereich von 2 bis 2,4 Grad zu drosseln. Sonst drohten katastrophale Auswirkungen. Die globale Durchschnittstemperatur sei im 20. Jahrhundert bereits um 0,74 Grad gestiegen, der Meeresspiegel um 17 Zentimeter. Sollte das Grönland- Eis schmelzen, könnte er um sieben Meter klettern.
Die US-Regierung wandte sich am Montag gegen Spekulationen, nach denen der Treibhauseffekt eine "Erfindung" von Wissenschaftlern sein könnte. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Erderwärmung seien solide, betonte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Anlass dieser Erklärung ist der Diebstahl von Hunderten E-Mails eines renommierten britischen Forschungszentrums, die dann - kurz vor dem Beginn des Weltklimagipfels - an die Öffentlichkeit lanciert worden waren und von Gegnern von Klimaschutz-Maßnahmen als Hinweis auf Datenmanipulation bei der Klimaforschung gewertet werden.