Business Veröffentlicht am 14.12.09 09:54

Grünes Image ist schick

Klimawandel fördert Trend zur Schönfärberei bei Industrie

Schlagwörter wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sollen das Image der Industrie aufwerten.
Guy Jallay

(dpa) - Auf einer saftgrünen Wiese weiden Schafe, in der Ferne ist das deutsche Kernkraftwerk Brunsbüttel zu sehen. „Jahreserzeugung: 6 Mrd. kWh, CO2-Ausstoß: Null“, ist an der Seite der Anzeige zu lesen. Die 2007 gestartete Kampagne des Deutschen Atomforums ist eines der bekanntesten Beispiele für das „Greenwashing“. Auch Politiker neigen zur Grünfärberei - etwa bei dem Beschönigen von Klimabeschlüssen, monieren Klimaschützer.

Wenn in Kopenhagen beim UN-Klimagipfel um Reduktionsziele beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids gefeilscht wird, dann wissen auch die Unternehmen, dass künftig Selbstverpflichtungen nicht mehr ausreichen. Mit Schlagwörtern wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit versucht man sich ein positives Image zu geben - die Anpreisung der 17 deutschen Atomkraftwerke als Klimaschützer hat vor allem ein Ziel: Längere Laufzeiten und damit Milliardeneinnahmen, um Einschränkungen in anderen Bereichen zu kompensieren, etwa Ausgaben für den Kauf von Zertifikaten für den CO2-Ausstoß, sagen Kritiker.

Besonders RWE, Vattenfall und Eon werden nicht müde, für ihre angeblich sauberen Kohlekraftwerke der neuesten Generation zu werben, wobei Kohle die CO2-Bilanz besonders verschlechtert und es immer noch nicht klar ist, wie eine massenhafte unterirdische CO2-Abscheidung klappen soll. Beim Thema Elektroauto suggerieren Unternehmen, es gebe damit keinen CO2-Ausstoß mehr - dabei wird der Strom nicht ausschließlich aus alternativen Quellen kommen können.

Grüner Anstrich, um aus der Schusslinie zu geraten

„Unternehmen versuchen mit Greenwash-Kampagnen und irreführenden Angaben, etwa zum CO2-Ausstoß, ihr Kerngeschäft sauberzuwaschen“, sagt Ulrich Müller, Vorstandsmitglied der Organisation LobbyControl. „Viele Unternehmen versuchen, sich einen grünen Anstrich zu verpassen, um sich aus der Schusslinie zu bringen und weitergehende Auflagen zu vermeiden."

Aber auch sonst ist „grün“ in, wie allein die Fernsehwerbung zeigt: Autohersteller pflanzen Bäume, mit dem Kauf einer Kiste Bier kann man den Regenwald schützen und selbst McDonalds wechselt sein Logo von rot in grün.

Besonders deutlich hat der britische Ölmulti BP auf den grünen Wandel gesetzt. Statt „British Petroleum“ steht BP nun vor allem für „Beyond Petroleum“ („Jenseits des Erdöls“). Man gibt sich als grünes Unternehmen, das auf alternative Energien setzt. BP beteiligte sich aber mit anderen Ölmultis zunächst an der 1989 gegründeten Global Climate Coalition (GCC), die gegen Vereinbarungen zum Klimaschutz wie das Kyoto-Protokoll zu Felde zog.

Allianzen als Deckmantel

Zum Repertoire gehörten auch „inszenierte Partnerschaften oder Dialoge mit Umweltorganisationen“, hat LobbyControl festgestellt. Der Chemiekonzern Bayer fördert in Kooperation mit der National Geographic Society Deutschland ein Forschungsprogramm zum Gewässerschutz. Zugleich sei Bayer aber einer der größten Wasserverschmutzer weltweit, moniert die Organisation „Coordination gegen Bayer- Gefahren“ (CBG).

Das Spektrum im Klimaschutz-Wettstreit gegen Auflagen und mögliche Wettbewerbsnachteile reicht auch hin bis zu unlauteren Mitteln wie bestellten Leserbriefen, Gastbeiträge und Umfragen. Der Klimaexperte Christoph Bals von Germanwatch fürchtet, dass auch die Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen dem Trend zur Schönfärberei erliegen werden. „Wir brauchen aber kein Greenwash-Abkommen, sondern rechtlich verbindliche Klimaschutzvereinbarungen.“