(dpa) - Sie schlummern lebenslang im Körper und machen vielen Menschen zunächst wenig Ärger: Die Cytomegalie-Viren. „Doch für die ungeborenen Kinder von Schwangeren, Menschen mit einem transplantierten Organ und mit einem schwachem Immunsystem stellen sie eine große Gefahr dar“, sagt Prof. Wolfram Brune vom Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie, in Hamburg.
Mit seinem Team erforscht Brune die heimtückischen Viren. „Die Viren werden durch das Immunsystem meistens in Schach gehalten, aber nie ganz beseitigt“, sagt Brune.
Cytomegalie-Viren gehören zu den Herpesviren, zu denen auch die Auslöser für Lippenherpes oder Windpocken gehören. All diesen Herpesviren ist gemeinsam, dass sie sich nach einer Erstinfektion im Körper des Menschen einnisten. Cytomegalie-Viren (CMV) beispielsweise halten sich in der Lunge, Milz und Leber, den Speicheldrüsen und im Knochenmark auf.
Wenn sie den Körper eines Menschen entern, befallen die Cytomegalie-Viren sogenannte Makrophagen. Diese gehören zum Immunsystem und kommen herbei, wenn Krankheitserreger auftauchen. „Sie fressen diese sozusagen, und sterben dann oft selbst.“ Dieses „Selbstmordkommando“ werde aber gestört durch die Cytomegalie-Viren. Diese nutzen die Zellen des Immunsystems, um sich im Körper zu verbreiten. Zudem beeinträchtigt das Virus die Blutbildung.
An einem Impfstoff wird gearbeitet, bis dieser zur Verfügung steht werden noch einige Jahre vergehen.
Gesunde Menschen haben laut dem Mediziner in der Regel kaum Symptome bei einer ersten Infektion. Übertragen wird das CMV durch Speicheltröpfchen, Blut sowie Samen- und Vaginalflüssigkeit. Es kommt auch im Urin vor. Besonders Kleinkinder sind eine Quelle der Ansteckung.
Wenn eine Schwangere zum ersten Mal in Kontakt mit CMV kommt, so hat sie keine Antikörper, die sie selbst und das ungeborene Kind schützen können. „In etwa 30 Prozent der Fälle ist das Kind nach der Geburt infiziert. Und wiederum zehn Prozent dieser infizierten Kinder tragen teilweise gravierende Schäden davon, wie eine Schwerhörigkeit, eine geistige Behinderung oder eine zu große Milz oder Leber“, sagt Brune. Neugeborene können sogar an den Folgen einer CMV-Infektion ihrer Mütter während der Schwangerschaft sterben.
Werdende Mütter können mit einem Bluttest herausfinden, ob sie Antikörper gegen CMV haben oder nicht. „Liegt eine frische CMV-Infektion vor, so kann man gegebenenfalls mit Immunglobulinen behandeln“, sagt Brune. Doch die Wirksamkeit sei noch nicht eindeutig bewiesen.
Eine weitere gefährdete Bevölkerungsgruppe sind Menschen nach einer Transplantation. Daher werde vor der Transplantation der CMV-Status des Empfängers und des Spenderorgans überprüft.