Interview von Françoise Hanff *
Am kommenden Freitag, dem 11. November, feiert Erbgroßherzog Guillaume seinen 30. Geburtstag. Im Vorfeld hatte der großherzogliche Hof ein Pressegespräch für verschiedene Printmedien organisiert. Begegnung mit einem entspannten, bodenständigen, weltoffenen und wissbegierigen jungen Mann, der großen Wert auf soziales Engagement legt und dessen Vorbild sein Vater, Großherzog Henri, ist.
Die Rolle einer Monarchie muss außerhalb der Politik sein. Es ist gut, dass der Staatschef als Chef der Exekutive die Rolle eines Schiedsrichters ausüben kann. Die Verantwortung der Monarchie ist es zudem, die Identität Luxemburgs nach außen hin zu vertreten. Der Monarch sollte diese Aufgabe so würdig und so gut wie möglich erfüllen. Die Rolle der Monarchie besteht ebenfalls darin, die Kontinuität und Tradition des Landes zu wahren.
Es ist ein Prozess. Ich bin aufgewachsen mit dem Wissen, dass ich eines Tages dieses Amt übernehmen werde. Meine Eltern haben mich auf diese Aufgabe vorbereitet. Die Rolle des Erbprinzen ist auch eine gute Vorbereitung auf die künftige Bestimmung. Als Mitglied des Staatsrats habe ich die Gelegenheit, mich mit dem legislativen Aspekt unseres Landes vertraut zu machen. Zudem helfen mir die Wirtschaftsmissionen festzustellen, welches Bild Luxemburg im Ausland abgibt. Und drittens bin ich der Ansicht, dass mein heutiges Interesse für Themen wie das „Social Business“ und die Jugend mir späterhin Hinweise geben kann, wie meine Aufgabe zu bewältigen ist.
Ich habe schon an zahlreichen Wirtschaftsmissionen teilgenommen, zuerst mit Henri Grethen und dann mit Jeannot Krecké. Diese Missionen erlauben es, das wirtschaftliche Gefüge hierzulande zu entwickeln und mit verschiedenen Unternehmen aus dem Ausland zu bereichern. Meine Rolle besteht darin, den Kontakt mit Unternehmen zu erleichtern. Ich stehe den Wirtschaftsmissionen vor, während der Wirtschaftsminister diese leitet und die Verhandlungen führt. Meine Aufgabe besteht darin, Türen zu öffnen. Besonders in verschiedenen Ländern, beispielsweise den Golfstaaten, zu deren Monarchien wir sehr gute Beziehungen pflegen, erleichtert meine Präsenz es unseren Betrieben, Kontakte zu knüpfen.
Es ist sehr wichtig, auch weiterhin für das Großherzogtum zu werben und das Land zu erklären, denn häufig ist Luxemburg lediglich als Banken- und Finanzplatz bekannt. Weniger bekannt ist, dass das Land dabei ist, seine Industrie auszubauen und sehr viele Trümpfe in mehreren Sektoren besitzt, u. a. im Bereich der Informationstechnologien und der Logistik. Auch bleibt die Industrie ein bedeutsamer Sektor, den es weiterhin zu entwickeln und für den es zu werben gilt. In dieser Hinsicht ist das Wissen im Ausland noch lückenhaft. Aus diesem Grund ist es notwendig, regelmäßig außerhalb des Landes zu reisen und so viele Menschen wie möglich zu erreichen.
Hauptsächlich auf europäischer Ebene hat Luxemburg als Gründungsmitglied eine bedeutsame Rolle inne. Wir sind zwar ein kleines Land, haben jedoch eine große Stimme in Europa. In diesem Sinne nimmt das Land auch in der Welt eine wichtige Rolle ein. Des Weiteren hat das Großherzogtum eine wichtige Stellung im Finanzbereich. Diese müssen wir aufrechterhalten, um Luxemburg in der Welt zu positionieren.
Eines meiner großen Ziele und Projekte besteht darin, mit der Jugend zu arbeiten. Ich möchte dazu beitragen, bei den jungen Leuten sowohl die unternehmerische Ader als auch das soziale Engagement weiterzuentwickeln. Bei der Jugend besteht zurzeit ein Dynamismus, sich mehr für soziale Anliegen zu engagieren. Darin möchte ich mich künftig verstärkt investieren.
Zu diesem Zweck könnte man die Mikrofinanz in einer abgewandelten Form einsetzen. Die Mikrofinanz hat in ärmeren Ländern in der Regel zu positiven Ergebnissen geführt. Für Luxemburg müssten wir ein eigenes System ausarbeiten, um der Jugend entgegenzukommen.
Man könnte eher von einer typischen Woche sprechen. Montags bespreche ich mit meinen Eltern die Agenda der offiziellen Aktivitäten und wir teilen uns diese auf. Für den Rest der Woche ist mein Arbeitsplatz das großherzogliche Palais, wo ich arbeite, Briefe beantworte und mich auf Auslandsreisen und meine Aufgabe im Staatsrat vorbereite. Mein wöchentlicher Arbeitsplan wird von der Anzahl der auszuübenden Aktivitäten bestimmt.
Ja, glücklicherweise, denn meine Eltern haben mich in meinen jungen Jahren enorm beschützt. Auch während meiner Jahre im Lyzeum, das ich hierzulande bis zur IVe besuchte, war ich ziemlich gut behütet. Auch während meines Auslandsstudiums konnte ich meine Jahre als Jugendlicher und Student voll auskosten.
Ich versuche normalerweise, zweimal in der Woche Tennis zu spielen – was mir aufgrund meines Arbeitspensums nicht immer gelingt. Abends habe ich Zeit, ins Kino zu gehen oder mich mit Freunden zum Abendessen zu verabreden. Auch am Wochenende treffe ich mich in der Regel mit Freunden, entweder hier oder im Ausland.
Meine Stärke ist sicherlich, dass ich natürlich auf die Menschen zugehe. Diese Spontaneität habe ich von meiner Mutter geerbt. Als Schwäche würde ich auslegen, dass ich mich noch weiterhin bemühen muss, mich zu kultivieren und viel zu lesen.
Mir ist die Fähigkeit, den Blick nach außen zu richten, am wichtigsten. Es ist in meinen Augen bedeutsamer, zu geben als zu nehmen. In diesem Sinn wird man schneller erwachsen und man entwickelt sich schneller, wenn man ein großes Herz hat und es weitergeben kann, sei es bei der Arbeit oder in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das ist für mich der wichtigste Charakterzug, den ein Mensch haben kann.
Mit seinen Eigenschaften und seinem Pflichtbewusstsein ist mein Vater nicht nur ein wunderbarer Mentor, sondern auch ein Vorbild. Ebenfalls inspiriert hat mich die Symbiose und das Einverständnis meiner Eltern, und ich hoffe, dass ich später mit meiner Frau eine ähnliches Einverständnis erfahren werde. Außerhalb meiner Familie hat mich der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan stark beeindruckt. Seine Ausdrucksweise und seine Ideen haben bei mir eine tiefe Bewunderung hervorgerufen.
Eigentlich verspüre ich keinen starken Druck. Für mich ist der beste Weg, meine Pflicht auszuüben, natürlich und ich selbst zu sein. Immer alles gut machen zu wollen ist ein Druck, den man sich selbst auferlegt.
*Die Fragen stellte ein Pool von acht Journalisten.
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