Alle Jahre wieder heißt es am dritten Donnerstag im November "Le Beaujolais nouveau est arrivé". In der ganzen Welt werden dann die ersten Flaschen des neuen Jahrgangs entkorkt. Doch das Renommee des fruchtigen Billigweins hat gelitten.
Überall auf der Welt von den USA bis Japan werden an diesem Donnerstag die Beaujolais-Flaschen aus den gerade angelieferten Kartons geholt. Der Handel feiert den ersten Wein des neuen Jahrgangs als Gesellschaftsereignis mit Gratis-Proben und Verkostungen, untermalt von folkloristischer Akkordeon-Musik.
Auch in Luxemburg locken die Supermarkt-Ketten mit dem Beaujolais trinkfreudige Kundschaft an. "Die Ankunft des Beaujolais ist jedes Jahr eine Attraktion und eine Gelegenheit, in geselliger Atmosphäre auf den neuen Jahrgang anzustoßen", meint Philippe Bourtembourg, der bei Cactus seit 25 Jahren für den Wein-Einkauf zuständig ist. Einen hohen Umsatz erwartet indessen bei Cactus niemand. Bourtembourg: "Früher wurde der Beaujolais mit Lastwagen angeliefert. Heute reichen ein paar Kartons. Aufs ganze Jahr gesehen, fällt der Beaujolais umsatzmäßig kaum ins Gewicht."
Der Glanz des frühen Tropfens hat gelitten. Bei Weinkennern ist der Beaujolais als "Saufwein" verschrien. Auf die goldene Beaujolais-Zeit in den 1980er und 1990er Jahren folgten mehrere Skandale, durch die das Ansehen beschädigt wurde. Medienberichte machten darauf aufmerksam, dass die Weinberge im Beaujeu-Gebiet bei Lyon hoffnungslos überdüngt und der halbreife Wein "totgeschwefelt" wurde, um die noch andauernde Gärung zu stoppen. Die Winzer reagierten und stellten die Missstände weitgehend ab, doch seither geht es mit dem Beaujolais-Durst der Kunden stetig bergab.
Auch der Weinhandel hat am Beaujolais einiges auszusetzen. Der junge Billigwein verstellt oft den Blick auf das Qualitäts-Segment, mit dem sich mehr verdienen lässt.
Die Winzer in Beaujeu lassen sich davon die Laune nicht vermiesen. Seit Mittwochabend wird dort kräftig gefeiert, denn seit genau 60 Jahren gestattet eine Ausnahmegenehmigung den Beaujolais zwei Wochen vor dem Verkaufsstart für den übrigen französischen Wein zu vermarkten. Der neue Jahrgang soll gut geraten sein: Dank einem sonnigen, warmen Herbst hat der fruchtige Tropfen eine kräftige, an Kirschen erinnernde Farbe und das Aroma von Waldbeeren.