Sport Veröffentlicht am 09.08.12 14:42

"Fränk ist weder bescheuert noch lebensmüde"

In der Doping-Affäre um den Luxemburger Radprofi stellen sich selbst die Fahnder kritische Fragen

Mit der Suspendierung war für Fränk Schleck die Tour de France vorbei. Aber wie kam das Medikament in seine Trinkflasche?
Foto: Serge Waldbillig

Von Volker Bingenheimer

Knapp einen Monat nach den Dopingvorwürfen gegen Fränk Schleck ist die Affäre noch genauso rätselhaft wie am Anfang. Im Zentrum steht die Frage: Hat der Radprofi in der Hitze Südfrankreichs wirklich absichtlich ein Entwässerungsmittel benutzt – und ist er dann noch bei klarem Verstand?

Die Mitteilung der Luxemburger Anti-Doping-Agentur Alad klang in dieser Woche ganz klar. Die UCI habe in Fränk Schlecks Urinprobe ein Diuretikum (Entwässerungsmittel) festgestellt. Die Alad könne nur den Verstoß gegen die Doping-Regeln feststellen.

Doch halt! Fränk Schlecks "anormale" Dopingprobe wirft eine Reihe von Fragen auf. Da könnte man fragen, welchen Zweck der RadioShack-Fahrer mit der Einnahme verfolgte. Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, bei so einer schweißtreibenden Übung wie einer Tour-de-France-Etappe an der Mittelmeerküste nach Cap d'Agde ein Diuretikum zu nehmen. Die Substanz schwemmt wertvolle Mineralien wie Natrium und Kalium aus dem Körper und würde bei einem Hochleistungssportler bald zu Krämpfen führen.

Ein ganz alter Hut

Auf der Liste der verbotenen Substanzen steht das Medikament, weil damit Dopingmittel schneller aus dem Körper ausgeschieden werden und es folglich Doping verschleiern kann. Doch Experten sind sich einig: Dieser Trick ist ein ganz alter Hut und würde bei jeder Kontrolle sofort auffallen. In der Doping-Szene gilt die Faustregel, dass die Fahndungsmethoden den neu erfundenen Dopingmitteln um etwa zwei Jahre hinterher hinken. Das bedeutet, dass die Dopingmethoden aus diesem Jahr erst in der übernächsten Saison eine Chance haben aufzufliegen.

Dass Fränk Schleck mit so einem "Old School"-Mittel wie einem Diuretikum die Dopingkontrolleure übers Ohr hauen wollte, ist wenig wahrscheinlich. Das sehen übrigens die Fahnder selbst so. "Er ist nicht so bescheuert oder lebensmüde, ein Diuretikum zu nehmen", sagte Jean-Pierre de Mondenard, einer der berühmtesten Doping-Jäger Frankreichs.

Stimmt die Vergiftungs-Hypothese doch?

Ungeklärt ist weiterhin, wie das fragliche Medikament Xipamid überhaupt den Weg zu dem Luxemburger Radprofi fand. In Frankreich ist Xipamid nicht erhältlich, auch in der Apotheke von RadioShack-Nissan-Trek wurde es nicht verwendet.

Bleibt noch die Möglichkeit, dass jemand Fränk Schleck das Mittel in die Trinkflasche gemischt hat. Diese Vermutung stammt von Mondenard selbst. Er hält es für möglich, dass dieser Jemand ein Interesse daran hatte, Fränk Schleck aus dem Rennen zu bekommen. Klingt plausibel, denn die Substanz ist problemlos nachweisbar und die nächste Urinprobe kommt bestimmt.

Die Radsport-Fans beschäftigt nun die Frage, wie die Geschichte für Fränk Schleck ausgeht. Der Doping-Disziplinarausschuss, der darüber in den nächsten Wochen befindet, kann von einem Freispruch über eine reine Verwarnung bis zu einer zweijährigen Sperre alles aussprechen.

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