Sport Veröffentlicht am 10.08.12 11:08

Ennis, Bolt, Phelps, Harting - die Gesichter von London

Ein paar Gesichter werden die Tage von London überdauern

Und schon wieder Gold für Bolt.
Foto: Michael Kappeler

(dpa) - Noch ein paar schöne Momente, dann reißt die olympische Bilderflut ab. Doch ein paar Gesichter werden die spektakulären Tage von London im kollektiven Gedächtnis überdauern.

Usain Bolt, klar, an ihm kommt keiner vorbei. Michael Phelps und Sir Chris Hoy machten sich zu Rekordmännern.

Usain Bolt

Der Supersprinter lieferte wieder die Supershow. Nächtliche Party mit schwedischen Handballerinnen, Flirt mit einem Wechsel zu Manchester United, Liegestütze und Bogenschützen-Pose im Olympiastadion - und dazwischen ganz lässig wie in Peking Fabel-Gold über 100 und 200 m. Das schaffte noch keiner. Jamaikas Nationalheld machte sich endgültig zur Sport-Legende.

Auf seiner Ehrenrunde lässt sich Robert Harting von keiner Hürde aufhalten.
Foto: Robert Ghement

Robert Harting

Sogar als Hürdensprinter machte der Diskus-Hüne eine gute Figur. Mit blanker Brust hüpfte der glückstrunkene Deutsche auf seiner Ehrenrunde über die Hindernisse im Olympiastadion. Sein Trikot hatte er da längst wieder zerrissen - wie einst nach seinem WM-Triumph. Harting ist einfach ein Typ, streitbar, aber erfolgreich. Dass ihm bei der Siegesparty die Akkreditierung fürs olympische Dorf abhanden kam, passt irgendwie zum Image des kantigen Goldjungen.

Michael Phelps hat in seiner Schwimm-Karriere 22 olympische Medaillen gewonnen.
Foto: Dennis M. Sabangan

Michael Phelps

Der Über-Schimmer kann auch verlieren - und ist trotzdem jetzt Rekord-Medaillengewinner bei Olympischen Spielen. 22 Mal Edelmetall hat der Aqua-Mann bei Sommerspielen gewonnen, davon nun 18 Mal Gold. Damit löste er die russische Turnerin Larissa Latynina als erfolgreichster Medaillenhamster ab. „I did it“, sagte Phelps bei seinem Abschied im Aquatics Centre erleichtert.

Der britische Bahnradstar Chris Hoy leistete in London Historisches.
Foto: Christophe Karaba

Sir Chris Hoy

Was macht die Queen jetzt? Zum Ritter geschlagen hat sie Britanniens Bahnrad-Ikone schon, in London raste der 36-Jährige zu zwei weiteren Goldmedaillen und ist nun Rekord-Olympiasieger der Gastgeber. Der Schotte war Sinnbild für die Dominanz der Briten im Velodrom. Rührend, wie seine Mama auf der Tribüne des Hexenkessels mitlitt. Am Ende flossen nicht nur bei Hoy die Freudentränen.

Judoka Wodjan Ali Seraj Abdulrahim Shaherkani schrieb olympische Geschichte.
Foto: Orestis Panagiotou

Wodjan Ali Seraj Abdulrahim Shaherkani

Nach 82" war schon wieder alles vorbei - und doch schrieb die 16-Jährige Geschichte. Als erste Sportlerin aus Saudi-Arabain betrat die Judoka die Olympia-Bühne. Erst kurz vorher hatten sich die Funktionäre geeinigt, dass sie mit einer Kopfbedeckung antreten darf. In Saudi-Arabien gilt Frauensport noch immer als schamlos. Shaherkanis Kurz-Auftritt war deshalb ein Zeichen für die Zukunft.

Matthias Steiner knallten 196 Kilo in den Nacken.
Foto: Helmut Fohringer

Matthias Steiner

Auf das bewegende Peking-Gold folgte der Schockmoment von London. Als die 196-kg-Hantel auf Nacken und Schultern des deutschen Gewichthebers krachten, fürchtete so mancher das Schlimmste. Auch am Morgen danach hatte Steiner noch höllische Schmerzen, aber die Ärzte gaben Entwarnung. Sohn Felix fasste zusammen: „Papa aua, Papa gut.“

Siebenkampf-Olympiasiegerin Jennifer Ennis ist der Liebling der Briten.
Foto: John G. Mabanglo

Jessica Ennis

Sie war schon lange vor Olympia das Postergirl der Spiele. Die Nation erwartete von der Siebenkämpferin nichts anderes als Gold - und Ennis erfüllte alle Hoffnungen. Als sie beim abschließenden 800-m-Lauf ins Ziel kam, betrug der Lärmpegel 110 Dezibel - wie bei einem startenden Hubschrauber. Der Beginn einer magischen Stunde im Olympiastadion, die Mo Farah mit dem Triumph über 10 000 m krönte. Paul McCartney schwenkte auf der Tribüne den „Union Jack“ - die Insel war endgültig im Olympia-Fieber.

Ruderin Nadja Drygalla sorgte für Schlagzeilen.
Foto: Bernd Wüstneck

Nadja Drygalla

Ihr Gesicht wurde erst bekannt, als sie schon gar nicht mehr bei Olympia war. Die Achter-Ruderin aus Deutschland zog vorzeitig aus dem olympischen Dorf aus, ihre Beziehung zu dem früheren NPD-Landtagskandidaten Michael Fischer sorgte für helle Aufregung. Drygalla distanzierte sich zwar von rechtem Gedankengut, der brisante Fall aber löste eine Debatte um den Umgang mit Athleten und die Kommunikationsstrukturen im deutschen Sport aus.

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