International Veröffentlicht am 07.12.09 14:43

Energiepreise erzwingen Umweltfreundlichkeit

Fédil-Generalsekretär René Winkin über CO2-Ziele und ihre Realisierung

Die Tankstellen spülen eine Milliarde Euro in die Staatskassen und belasten Luxemburgs CO2-Bilanz.
Guy Jallay

Luxemburg ist in seiner CO2-Bilanz noch nicht viel weiter als 1990. Es ist ein schwieriges Tarieren zwischen politischen Zielen und wirtschaftlichem Wettbewerb. Die Fédil ist dennoch der Meinung, dass Einsparungen sich lohnen, selbst wenn sich die ganze Klimadiskussion als überzogen erweist. Denn eines ist für ihren Generalsekretär René Winkin sicher: Die Energiepreise steigen.

Luxguard stellt sehr effizientes Sonnenschutz- und Wärmeschutzglas her, Goodyear produziert LKW-Reifen, die zu weniger Spritverbrauch führen, Circuit Foil reduziert seinen Energieverbrauch empfindlich. Umweltschutz und Klimaverträglichkeit sind durchaus Themen, die Luxemburger Unternehmen beschäftigen. Viele von ihnen verfolgen, was sich auf dem Gipfel in Kopenhagen tut.

Klimapolitik mit der Industrie

Denn eines wollen die Unternehmen nicht: „Wirtschaftliche und soziale Konsequenzen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigen“, stellt Robert Dennewald klar. Er ist Präsident des Luxemburger Industrieverbandes Fédil.

Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren viel getan: Zum einen durch Auflagen, zum anderen durch die Krise. Unternehmen erhielten zunächst CO2-Quoten, die in der Testphase 2005 bis 2007 noch recht hoch bemessen waren und dann sanken. Außerdem wurde die Möglichkeit eines Handels mit CO2-Zertifikaten eingeführt. Deren Preis lag in der Hochphase mal bei über 70 Euro – und ist seither auf rund 13 Euro abgesackt.

„Das hat natürlich sehr viel mit der Krise zu tun“, erklärt René Winkin, Generalsekretär der Fédil. „Die Unternehmen konnten die ihnen zugeteilten Rechte gar nicht nutzen, weil die Produktion vielerorts sank oder ruhte. Besonders deutlich bemerkbar machte sich das bei Industrie-Unternehmen, die Kurzarbeit einführten. Sie können jedoch ihre Quoten sammeln oder verkaufen. Auch das erklärt den niedrigen Kurs.“

Einige Unternehmen, die über eine entsprechende Größe verfügen, können direkt an einer europäischen Börse für Verschmutzungsrechte handeln. In Luxemburg sind das die Stahlindustrie, der Zementhersteller Cimalux, Glashersteller wie Luxguard, Luxenergie, Twinerg, Kronospan, Dupont oder Goodyear. „Insgesamt handelt es sich um rund zehn bis zwölf Unternehmen“, schätzt Winkin. Er beobachtet, dass die Diskussion um klimatische Veränderungen teils sehr emotional geführt wird. Kritiker der These kommen kaum zum Wort. Aber selbst wenn sich herausstellt, dass die Klimadiskussion überzogen ist: Winkin ist überzeugt, dass für Unternehmen kein Weg an Energie-Einsparungen vorbeiführt: „Das Elektro-Auto und immer mehr technische Einrichtungen und Prozesse – bis hin zur Stahlerzeugung – laufen mit Strom. Da ist der Engpass und ein Anstieg der Kosten absehbar.“

Fédil plädiert für Flexibilität

Von Kritikern wird immer wieder gern angeführt, dass Luxemburg seine CO2-Landesbilanz durch den hohen Tanktourismus verunstaltet. Aber Gegner antworten, dass ein Heraufsetzen der Erdölsteuer nicht zu weniger Konsum führt – nur nicht mehr hier. Und das Land hat sich längst in eine Situation gebracht, in der es von der Steuer auf den Kraftstoff abhängig ist. Damit werden soziale Beiträge wie das Kindergeld bezahlt und auch der Kioto-Fonds gespeist. Schon manches Tripartite-Gespräch konnte dadurch friedlich beendet werden.

Damit Luxemburg die Ziele erfüllt, die Kioto und vielleicht bald auch Kopenhagen vorgibt, bleibt ihm deshalb nur ein Weg, glaubt Winkin: „Wir sollten flexible Instrumente nutzen.“ Im Klartext muss Luxemburg sich in Projekte einkaufen, durch die die CO2-Quote reduziert wird. Oder es kann anderen Ländern, die eine positive Bilanz haben, Quoten abkaufen. Natürlich hätte es auch die Chance gegeben, selbst in Drittländern CO2-reduzierende Projekte zu realisieren. „Ganz bekannt ist beispielsweise die Nutzung von Methangas, das auf Mülldeponien in El Salvador entsteht“, berichtet Winkin. Aber der Umfang und Start kamen zu spät.

Unterm Strich ist Winkin zuversichtlich, das Luxemburg über die flexiblen Mechanismen die Ziele erreicht. Zwischen 2008 und 2012 muss Luxemburg seinen Ausstoß an Treibhausgasen um 28 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 verringern. Chancen sieht Winkin auch noch in der Nutzung von Biomasse. „In jedem Fall aber sollte Klimapolitik mit der Industrie gemacht werden“, fordert Fédil-Präsident Dennewald.

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