(dpa) - Mit den Beratungen der Umweltminister aus 192 Staaten geht der Kopenhagener Klimagipfel heute in seine Endphase. Bislang war in der dänischen Hauptstadt auf Beamtenebene versucht worden, die Weichen für ein globales Klimaschutzabkommen zu stellen.
Für die beiden letzten Gipfel-Tage am Ende der Woche werden dann die Staats- und Regierungschefs aus 115 Staaten erwartet, darunter auch US-Präsident Barack Obama.
Umstritten zwischen Industriestaaten und Entwicklungs- sowie Schwellenländern sind neben der Verminderung von Treibhausgas- Emissionen vor allem Finanzfragen. Die Industrieländer sind bisher hauptverantwortlich für den bedrohlichen globalen Temperaturanstieg. Dessen Folgen treffen aber die Menschen in den ärmeren Ländern der südlichen Halbkugel viel härter. Die EU hat bisher 7,2 Milliarden Euro als Soforthilfe angeboten.
Der Sprecher der in der Gruppe G77 zusammengeschlossenen 130 Entwicklungs- und Schwellenländer, der Sudanese Lumumba Stanislaus Di-Aping, warf der EU erneut vor, zu wenig zu tun. "Die EU wirft uns Brotkrumen hin", sagte er der "Frankfurter Rundschau" (Montag). Die Soforthilfe von 2,4 Milliarden Euro pro Jahr bis 2012 sei viel zu wenig. Wenn das Geld auch sukzessive erhöht würde, gäben die EU und auch die USA "weit mehr Geld für Militär als für Klimaschutz aus", sagte Di-Aping. Für einen ökologischen Umbau seien zwischen 300 und 500 Milliarden Euro pro Jahr notwendig.
Dänemarks Ministerpräsident und Gastgeber Lars Løkke Rasmussen erklärte am Sonntag, es sei noch ein "weiter Weg" bis zu der angestrebten Einigung. Die dänische Präsidentin des Klimagipfels, Connie Hedegaard, führte am Wochenende erste informelle Gespräche mit den Umweltministern, darunter auch mit dem Berliner Ressortchef Norbert Röttgen. Sie bewertete die Atmosphäre vor dem Endspurt der Konferenz als "gut und konstruktiv".
Begleitet wurde der Gipfel am Wochenende von Demonstrationen rund um den Globus. Allein in Kopenhagen gingen dabei am Samstag fast 100 000 Menschen aus aller Welt auf die Straße, um den Politikern ihre Forderung nach einem ehrgeizigen Abkommen zu präsentieren. Für Misstöne sorgte eine überharte Polizei, die knapp 1000 Demonstranten "vorbeugend" festnahm und bei Frost stundenlang gefesselt auf der Straße sitzen ließ.