Der IMF (International Monetary Fund) hat diese Woche den Finanzmärkten ermunternde Nachrichten gebracht. Tatsächlich geht er jetzt davon aus, dass 2010 die globale Wirtschaft um 3,1% wachsen wird, noch im Juli war er von nur 2,5% Wachstum ausgegangen.
Als Gründe für diese positive Entwicklung wurden genannt: die großzügigen staatlichen Finanzspritzen in die globale Wirtschaft sowie der starke Aufschwung der asiatischen Schwellenländer, den der IMF als globalen Motor für die Zukunft ansieht. IMF-Chef Dominique Strauss-Kahn kommentierte dazu vorsichtig, „dass der Aufschwung begonnen hat, das heißt, dass die Wirtschaft der meisten Länder wieder wächst, dass aber die Krise noch nicht ganz überstanden sei. Ein zweiter Rutsch der Finanzmärkte sei in der Tat möglich, er sei jedoch nicht das zentrale Szenario des IMF.“
Gute Nachrichten kamen auch aus dem Vereinigten Königreich. Es gibt eine Reihe von Anzeichen dafür, dass sich die Lage in Großbritannien, das in Europa quasi am schlimmsten von der aktuellen Krise betroffen ist, verbessert. Das Vertrauen der Konsumenten hat seinen größten Sprung nach oben seit 1995 gemacht und befindet sich jetzt auf seinem höchsten Stand seit Januar 2008. Die Einzelhandelszahlen befanden sich im September auf ihrem höchsten Stand seit fünf Monaten und die Immobilienpreise erleben auch wieder einen Zuwachs. Der britische Finanzminister Alistair Darling sieht den wirtschaftlichen Aufschwung schon ab Ende dieses Jahres voraus.
Die Preise der Konsumgüter in Europa sind im September nochmals gefallen: - 0,3% nach bereits - 0,2% im August. Die Europäische Zentralbank rechnet jetzt mit einer Jahresinflation von einem knappen halben Prozent für 2009, also weit unter der 2%-Marke, die als neutrale Inflation betrachtet wird. Der Präsident der Zentralbank, Jean-Claude Trichet, geht allerdings davon aus, dass die monatliche Inflation in Kürze wieder schwarze Zahlen schreiben wird. Für 2010 wird die Jahresinflation demnach bei + 1,2% vorausgesagt.
Einerseits konnten die Hauspreise in den Vereinigten Staaten ihren größten Gewinn seit vier Jahren verzeichnen. Diese gute Nachricht wurde als direkte Konsequenz der billigen Kredite und staatlichen Hilfen gedeutet und gab dem Markt anfangs der Woche die Hoffnung, dass die Immobilienkrise tatsächlich jetzt endet. Leider wurde diese Illusion schon am nächsten Tag zerschmettert: die Zahl der beantragten Immobilienkredite fiel um 2,8% im Vergleich zur Vorwoche. Tatsächlich glauben auch die Finanzspezialisten, dass trotz relativ billiger Hauspreise und staatlicher Stimuli der Markt noch eine ganze Weile brauchen wird, um sich zu erholen.
Der ISM Manufacturing Index konnte am Donnerstag die Erwartungen der Analysten nicht erfüllen. Zwar konnte er sich mit 52,6 Punkten über der wichtigen Marke von 50 Punkten halten. Wäre dies nicht der Fall gewesen, würde dies bedeuten, dass die amerikanische Industrieproduktion schrumpft. Allerdings war der Index sehr deutlich unter den Erwartungen der Wirtschaftsexperten zurückgeblieben, die eher mit einem Wert von 54 Punkten gerechnet hatten. Enttäuschend war auch, dass er leicht schlechter war als im Vormonat. Dieser schlechte Stand ist aber keine Überraschung, denn es ist bekannt, dass viele amerikanische Betriebe momentan weit weniger produzieren als es ihre Produktionskapazität erlaubt. Jedoch macht auch keinen Sinn mehr zu produzieren, solange die Nachfrage nicht wiederhergestellt ist.
Der amerikanische Staat hatte ja gerade gehofft, diese Nachfrage wieder anzukurbeln, zum Beispiel mit dem amerikanischen Pendant zur Deutschen Abwrackprämie, dem „Cash for Clunkers“. Da diese Hilfe jedoch bald ausläuft, hat sie natürlich nur kurz die Nachfrage angeregt und sich nicht als nachhaltige Rettung der amerikanichen Industrie erwiesen.
Europas Arbeitslosigkeit ist mit 9,6% im Monat August auf ihrem höchsten Stand seit 10 Jahren angelangt (nach 9,5% im Juli). Obwohl die Rezession langsam endet, sind die europäischen Betriebe immer noch nicht bereit, wieder neue Arbeitskräfte einzustellen. Es wird weiterhin gespart und sogar Personal verringert. Jean-Claude Juncker sagte am vergangenen Dienstag in seiner Eigenschaft als Chef der Eurogruppe, dass er für die kommenden Monate von einer höheren europäischen Arbeitslosigkeit ausgeht. In Amerika erscheint die Situation noch etwas dramatischer zu sein. Mit einer Arbeitslosigkeit von 9,8% gibt es dort den schlimmsten Stand seit 26 Jahren.
Der Wahlausgang in Deutschland mit einem Sieg der CDU/CSU – FDP Koalition hatte der Börse zu einem starken Wochenstart verholfen. Er war allerdings nur von kurzer Dauer. Zum Ende der Woche konzentrierten sich die Märkte hauptsächlich auf die schlechten Wirtschaftszahlen. Über die Woche kann man zwar noch nicht ganz von der gefürchteten dramatischen Korrektur der Börsen sprechen, jedoch schließen sie schon jetzt die zweite Woche negativ ab.
Der Eurostoxx rutscht um rund 2,5% ab, der amerikanische S&P 500 gab gute 2% nach (Stand Freitag, 16 Uhr). Auch der Euro geriet unter Druck, da eine Reihe von Finanzministern und Zentralbankchefs versuchten, in ihren Reden den US-Dollar zu unterstützen. Tatsächlich wäre ein zu schwacher US-Dollar und somit ein starker Euro nicht gut fürs europäische Exportgeschäft. Ein Euro kostet jetzt wieder um die 1,46 US-Dollar.
Die Weiterentwicklung des Euro-Dollar-Wechselkurses kann sicherlich spannend werden, sollten weiterhin prominente Finanzakteure versuchen, den US-Dollar „hoch zu reden“. In Amerika werden wir erfahren, wie es um die Kreditvergabe an die Verbraucher steht. Dies wird Aufschluss darüber geben, ob das Geld der Amerikaner wieder anfängt, langsam zurück in die reale Wirtschaft zu fließen. In Europa werden sowohl die Verkaufszahlen vom Einzelhandel als auch die Kommentare der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank erwartet.