Business Veröffentlicht am 01.01.01 01:01

Eine sehr private Bank

Der Sitz der Banque Havilland auf Kirchberg: Eigentlich war Genf als Standort für die Privatbank ausgewählt. Erst später lernte die Familie Rowland die Vorzüge des Luxemburger Finanzplatzes schätzen.
Marc Wilwert

Interview Pierre Leyers

Auf den bestehenden Strukturen der ehemaligen Kaupthing Bank, aber befreit von deren Altlasten ging am vergangenen Montag die „Banque Havilland S.A.“ an den Start. Doch wer sind die Besitzer des neuen Finanzinstituts, das sich vorwiegend an gehobene Privatkunden richten will? Jonathan Rowland, Chef der Managementfirma Blackfish Capital, erklärt im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“, warum seine Familie eine Privatbank in Luxemburg gegründet hat.

Welche Bedeutung hat der Name Ihrer Bank?

Das Haus meiner Familie auf Guernsey heißt „Havilland Hall“. Es ist nicht einfach, den richtigen Namen für ein neues Projekt zu finden. Von allen Ideen, die wir bei unserem „Brainstorming“ hatten, machte „Havilland“ am meisten Sinn.

Warum wählte Blackfish Capital gerade Luxemburg für die Schaffung einer neuen Bank?

Das war am Anfang nicht so geplant. Eigentlich wollten wir uns um eine Banklizenz in Genf bemühen. Während der Vorbereitungen wurden wir aber auf diese äußerst interessante Gelegenheit aufmerksam, die sich uns in Luxemburg bot. Bei näherer Betrachtung stellten wir fest, dass Luxemburg einen genauso attraktiven rechtlichen Rahmen wie die Schweiz bot.

Im Gegensatz zu der Schweiz ist Luxemburg Mitglied der Europäischen Union. Spielte dies eine Rolle bei der Standortwahl?

Bei der Entscheidung, eine Privatbank zu gründen, haben wir diesen Faktor zu Beginn nicht in Betracht gezogen. Erst später sahen wir, dass der uneingeschränkte Zugang zum Binnenmarkt, der sich uns jetzt bietet, durchaus Sinn macht.

Warum haben Sie nicht einfach eine ganz neue Bank gegründet, sondern ein bestehendes Institut übernommen, das darüber hinaus mit etlichen Lasten aus der Vergangenheit behaftet ist?

Durch diese Akquisition kamen wir bei unserem Projekt deutlich schneller voran. Die Banque Havilland geht unbelastet an den Start. Unsere Bilanz ist sauber, die Liquidität ist gut. Es gibt keine Altlasten. Diese wurden in eine rechtlich getrennte Verbriefungsgesellschaft gepackt.

Wem gehört eigentlich diese Verbriefungsgesellschaft?

Sie gehört den Gläubigerbanken, dem Luxemburger Staat und dem Einlagensicherungsfonds AGDL. Die neue Bank managt allerdings die Verbriefungsgesellschaft. Zu dem angenommenen Restrukturierungsplan gehört die Bedingung, dass die Familie Rowland und andere Investoren innerhalb der nächsten sechs Wochen den genannten Eignern dieser Gesellschaft ein „Buy out“-Angebot unterbreiten werden. Wenn sie dann früh aussteigen wollen, können sie das tun.

Welche Pläne verfolgen Sie mit der neuen Bank? Welche Kundengruppe haben Sie anvisiert?

Wir wollen uns auf das Private Banking und auf die Vermögensverwaltung konzentrieren. Die Kundenbasis ist zur Zeit vorwiegend skandinavisch. Wir möchten den Kundenkreis geografisch ausdehnen, auf ganz Europa, den Nahen Osten und Asien. Wir sind geschäftlich sehr aktiv in Abu Dhabi, Singapur und Hongkong. Die Geschäftskontakte bei Blackfish und in der Familie können für den Aufbau einer neuen Kundenbasis sehr nützlich sein. Uns kommt es sowieso nicht auf hunderte oder tausende neue Kunden in kurzer Zeit an. Das Segment, das wir anvisieren, ist sehr ausgesucht. Als Kunden interessieren uns nur sehr vermögende Privatpersonen.

Blackfish Capital ist im Hedge- Fonds-Sektor aktiv. Welche Beziehung wird zwischen der Managementgesellschaft in London und der Bank in Luxemburg bestehen?

Zur Zeit ist keine besondere Art der Beziehung geplant. Auf Dauer könnte es jedoch Sinn machen, die Gesellschaft in der Bank zu konsolidieren. Blackfish Capital ist auf Vermögensverwaltung spezialisiert, und die ist in der Bank noch nicht sonderlich umfangreich.

In welchem Ausmaß will sich die Familie Rowland in das Tagesgeschäft der Bank implizieren?

Einer unser engsten Vertrauten, mit dem wir schon seit zwölf Jahren zusammenarbeiten, leitet den Verwaltungsrat. Er beabsichtigt, künftig in Luxemburg zu wohnen. Auch meine ältere Schwester will nach Luxemburg ziehen und innerhalb der Bank eine leitende Funktion übernehmen. Einer meiner Brüder wird im Privatkundengeschäft der Bank aktiv. Ich selbst beabsichtige, zwei bis drei Tage in der Woche während der nächsten zwölf Monate in Luxemburg zu verbringen. Ich bin Mitglied im Verwaltungsrat, will aber auch beim Aufbau eines neuen Kundenstamms helfen. Wie Sie sehen, ist die Familie Rowland sehr intensiv am Tagesgeschäft der Banque Havilland beteiligt. Wir haben einige hervorragende Mitarbeiter aus der früheren Struktur übernommen. Sie machen ihre Arbeit wie gewohnt, wobei niemand vergessen sollte, dass in der Bank eine neue Zeit angebrochen ist.