Business Veröffentlicht am 09.10.09 14:13

Ein neuer Goldrausch?

Anne Arend und Pierre Stoll aus dem Handelsraum der Banque de Luxembourg geben jede Woche einen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse auf den Finanzmärkten und kündigen gleichzeitig die wichtigsten Termine für die folgende Woche an.

Der Goldpreis auf neuem Höchststand ...

Der Preis der Feinunze Gold stieg diese Woche auf ein Allzeithoch. Zwei Faktoren unterstützen derzeit den Goldpreis: Einerseits bietet das Edelmetall einen sicheren Hafen für Investoren, um sich gegen den Dollarverfall zu schützen. Andererseits fürchten viele Analysten, dass die extrem expansive Geldpolitik der Notenbanken zu steigenden Inflationsraten führen könnte. Der Rohstoffspezialist und Fondsmanager Jim Rogers spekuliert, dass der Goldpreis im nächsten Jahrzehnt die 2000 Dollar-Marke ansteuern könnte.

Aber auch zwei saison-bedingte Faktoren geben dem Goldpreis Unterstützung. Indien ist einer der weltgrößten Goldkonsumenten und im Vorfeld des am 17. Oktober beginnenden „Diwali Festes“ steigt die Goldnachfrage (das „Lichterfest” ist ein bedeutendes hinduistisches Fest). Im Herbst beginnt außerdem die Schmuckindustrie mit Goldeinkäufen für die anstehende Produktion der neuen Schmuckkollektionen.

... und US-Dollar unter Druck

Wie die Tageszeitung „The Independent“ berichtete, sollen zwischen China, Russland, Japan, Brasilien und den Golfstaaten geheime Gespräche stattgefunden haben. Im Ölhandel solle der US-Dollar als Zahlungsmittel durch einen Währungs- und Rohstoffkorb ersetzt werden. Der Greenback verliert durch ein enormes US-Handelsdefizit an Attraktivität und gerät zunehmend unter Druck. Dies veranlasst Länder mit Devisen in US-Dollar dazu, über eine Diversifikation ihrer Devisen nachzudenken.

US-Berichtsaison eingeläutet

Der Auftakt der im vierteljährlichen Rhythmus stattfindenden US-Berichtsaison konnte nicht besser verlaufen. Alcoa legt traditionell als erste US-Firma seine Quartalszahlen vor. Für das laufende Quartal überraschte der größte Aluminiumkonzern der Welt den Markt mit einem Nettogewinn von 77 Millionen US-Dollar nach einem Verlust von 454 Millionen zuvor. Die Börse reagierte äußerst positiv. Das gute Resultat des Konzerns beruht einerseits auf einer Erholung der Nachfrage nach Aluminium und andererseits auf einem harten Sparkurs, der seit Juni letzten Jahres 19.000 Menschen die Arbeit gekostet hat.

Europäische und britische Zentralbank belassen die Zinsen auf Ihrem aktuellen Niveau

Zur Zeit liegt der Leitzins in der Euro-Zone bei 1% und in Großbritannien bei 0,50%. Jean-Claude Trichet, Chef der EZB, warnte vor zu großem Konjunkturoptimismus. Der freie Fall der Konjunktur sei wohl gestoppt, die Unsicherheiten bleiben dennoch hoch, so der Zentralbänker während der Pressekonferenz der EZB in Venedig. Die Stabilisierung der Wirtschaft beruhe in weiten Teilen auf staatlichen Konjunkturprogrammen und den Maßnahmen der Notenbanken. Für einen Ausstieg aus ihrer expansiven Geldpolitik sieht die EZB die Zeit noch nicht gekommen. Die Leitzinsen, die bei 1,0 Prozent belassen wurden, hält Trichet weiter für angemessen.

Europäische Konjunktur schrumpft im 2. Quartal um 0,2%

Analysten waren von minus 0,1% ausgegangen, in Wirklichkeit schrumpfte die europäische Konjunktur im 2. Quartal um 0,2% (nach minus 2,5% im 1. Quartal). Der Internationale Währungsfonds spricht von einem langsamen und fragilen Aufschwung nach einer Rezession, die als die schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg angesehen wird.

US-Einzelhandel erstmals auf Wachstumskurs seit 13 Monaten

Nach einer 13-monatigen Durststrecke verzeichnete der Einzelhandel im September eine Zuwachsrate von 1,1% gegenüber August. Ein Teil dieser positiven Entwicklung wird dem Schulanfang zugerechnet. Hinzu kommt die Tatsache, dass Vorsicht und Angst der Konsumenten abgenommen haben, obwohl die Kaufkraft der Amerikaner rückläufig ist.

Wie reagierten die Börsen?

Nach heftigen Kursverlusten der letzten Woche, nahmen die Börsenteilnehmer die ersten positiv ausfallenden Resultate der amerikanischen Earnings-season zum Anlass eine Kursrallye zu starten. Der Eurostoxx50 Index, ebenso der S&P500 legen beide um rund 4% zu (Freitag 15.30). Der Goldpreis, beflügelt durch den schwachen Dollar, lag historisch gesehen zum ersten Mal während der ganzen Woche über der 1000 Dollar Marke. Auch das Öl schaffte einen leichten Sprung nach oben und liegt wieder über der 70 Dollar Marke.

Ausblick auf die nächste Woche

Im Fokus stehen weiterhin die Quartalsberichte der amerikanischen Firmen mit Resultaten von unter anderem Johnson & Johnson, IBM aber auch Banken wie JP Morgan und Bank of America. In Deutschland wird der ZEW Index erwartet (Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung) welches ein Bild über die aktuelle Wirtschaftslage als auch ein Bild über die Wirtschaftserwartungen abgibt.