Lifestyle Veröffentlicht am 26.06.12 15:00

Edouard Hebisch und das bessere Klima in Ungarn

Gebürtiger Rümelinger begrüßt Leser des Luxemburger Wort während einer Kreuzfahrt

Edouard Hebisch: Vor zwei Jahrzehnten kam er als Zöllner nach Ungarn, seit fünf Jahren lebt er ganz in Mohács.
Foto: Fern Morbach

(FeMo) - 130 Leser des Luxemburger Wort sind Anfang Juni an Bord des Flussschiffes MS L’Europe unterwegs. Auf der Donau legen sie in knapp zwei Wochen mehr als 2000 Kilometer zurück. Die Kreuzfahrt beginnt in Tulcea in der Nähe des Schwarzen Meeres und endet in Linz in Österreich.

Als sich die MS L’Europe am 4. Juni, einem Montag, dem ungarischen Städtchen Mohács nähert, fällt den Passagieren an Deck eines sofort auf. Auf der Terrasse einer Etagenwohnung direkt am Donau-Ufer weht eine Luxemburger Fahne. Die Luxemburger auf dem Schiff staunen nicht schlecht – die Frage, wie der „Roude Léiw“ in diese Ecke in der Nähe der serbischen und der kroatischen Grenze kommt, wird aber rasch beantwortet.

Seit fünf Jahren lebt Edouard Hebisch (67) aus Rümelingen in Mohács. 1993 und 1994 hatte der frühere Zöllner im Auftrag der Westeuropäischen Union hier Schiffe kontrolliert. Nach dem Eintritt in den Ruhestand kehrte er mit seiner Frau – einer Ungarin – nach Mohács zurück, vor allem „wegen des besseren Klimas“. Das Paar kaufte sich ein Haus auf dem Land und besitzt auch eine Stadtwohnung in Mohács.

Sauber und adrett sieht das Städtchen Mohács aus – den Einwohnern allerdings geht es nicht gut. Die meisten müssen mit weniger als 400 Euro pro Monat auskommen.
Foto: Fern Morbach

„Hier geht es wie in Griechenland zu“

Dass an diesem Montag Luxemburger in die Stadt kommen würden, hatte Edouard Hebisch aus der Online-Ausgabe des Luxemburger Wort erfahren. Eine halbe Stunde, nachdem das Schiff am Ufer festgemacht hat, sitzt der gebürtige Rümelinger zusammen mit einem Dutzend Passagieren in der Fußgängerzone auf einer Caféterrasse, er spendiert Bier, genießt es Luxemburgisch zu sprechen und vermittelt einen Einblick in den Alltag der Ungarn.

Optimistisch klingt es nicht, was Edouard Hebisch berichtet: „Hier geht es wie in Griechenland zu, hier ist irgendwann Schluss.“ Monatliche Einkommen von 300 oder 400 Euro, kaum Arbeitsplätze und ein Mehrwertssteuersatz von 27 Prozent erschwerten den Menschen den Glauben an die Zukunft.

Hebisch selbst will in Ungarn bleiben – nach Luxemburg kehrt er aber wenigstens einmal pro Jahr zurück: um sein Auto in Sandweiler überprüfen zu lassen.

130 LW-Leser auf der Donau