Lifestyle Veröffentlicht am 08.08.12 16:02

Dogwalking, mehr als nur Gassigehen

Bei den täglichen Gassirunden  geht es zu wie bei den Pfadfindern

Wer seinen Hund beim Dogwalker abgibt, weiss, dass sein Vierbeiner in fachgerechten Händen ist.
Foto: Yves Welter

(yw) - Die Bordercollies Flash und Chica, die beiden Cavalier King Charles Dobby und Tiffany sowie Mischling Bonnie können es kaum noch abwarten aus dem Auto zu springen. Hechelnd und mit dem Schwanz wedelnd warten sie nur darauf bis die Hundeboxen geöffnet werden. Dann ist es endlich soweit. Vorsichtig setzt Luciano (33) die kleinen Hunde Dobby und Tiffany auf den Asphalt. Die Großen haben den Kastenwagen auf dem auf beiden Seiten in grossem Schriftzug Dogwalker steht, bereits hinter sich gelassen.

Unter strahlendem Himmel geht es dann durch eine kleine Böschung Richtung Feld und Wiese. Hier können sich die Vierbeiner nach Herzenslust austoben. “Muppescouting” ist angesagt. “Gruppenchef” ist Luxemburgs einziger offiziell anerkannter Dogwalker Luciano.

Eine sprichwörtliche Erfolgsstory

Den Grundstein seines Betriebs legte der 33-Jährige 2011 in der auf RTL ausgestrahlten Sendung Success Story, wo er sich mit seiner Geschäftsidee als Dogwalker gegen 100 Konkurrenten durchsetzen konnte. Mit dem gewonnenen Startkapital von 15.000 Euro stand dem zukünftigen Dogwalker demnach nichts mehr im Weg seinen Traum Realität werden zu lassen. “Obwohl ich gewonnen hatte, überkam mich später ein unsicheres Gefühl. Zurückrudern konnte ich auch nicht, schließlich musste ich mich an den Vertrag halten. Und darin stand, dass der Gewinner seine Geschäftsidee auch umsetzen muss. Das war eine der Hauptbedingungen”, verrät Luciano, der seine Entscheidung bis dato keineswegs bereut.

Doch eigentlich entstand die Idee damit, dass sich Luciano vor ein paar Jahren auf die Suche nach einer Arbeit machte, wo er seinen Hund Chica mitnehmen konnte. Da die Suche ohne Erfolg gekrönt war, hatte er Ausschau gehalten nach einem Service, der Hunde versorgt. Gefunden hatte er keinen, und  somit entstand die Idee, diesen Service selbst anzubieten und mit den Hunden anderer Gassi zu gehen.

Mehr als nur Gassigehen

Heute ist es mehr als ein Jahr her, dass Luciano seinem Beruf als Dogwalker nachgeht. An seinen ersten Arbeitstag erinnert sich der Hundebetreuer genau. “Es war der 1. April 2011. Damals führte ich drei Hunde Gassi”, erinnert sich Luciano. “Dank der Mund zu Mund Propaganda hat sich mein Geschäft jedoch erfolgreich entwickelt”, erzählt er. Mittlerweile kümmert er sich um rund 20 Hunde am Tag. 

Eine Menge Abenteuer und entspannte Spielpausen gehören zum Dogwalking dazu
Foto: Yves Welter

Doch wer glaubt, dass das Dogwalking sich nur auf Gassigehen beschränkt, liegt weit daneben. Natürlich nehmen Hundebesitzer, die berufstätig oder verhindert sind, den Service des Dogsitters in Anspruch. Doch Dogwalking geht weit darüber hinaus. “Es geht vielmehr um die soziale Komponente”, weiß Luciano. “Viele meiner Kunden führen oft selbst mit den Hunden Gassi. Trotzdem suchen sie den Dogwalker auf, um ihrem Vierbeiner einen längeren Auslauf in der Gruppe zu bieten. Diesen Mehrwert haben sie nicht, wenn sie allein mit dem Hund ausgehen,” so Luciano weiter.

Bei den täglichen Runden mit dem Dogwalker geht es demnach zu wie bei den Pfadfindern. “Die Hunde sind glücklich wenn sie auf ihre Artgenossen treffen. Sie toben sich aus, kommunizieren und spielen miteinander”, erläutert der 33-jährige Hundebetreuer. Dabei erzählt er auch, dass  im Park, im Wald, auf Wiesen und Feldern oft jede Menge Abenteuer und entspannte Spielpausen auf die Vierbeiner warten, wie zum Beispiel im Bach schwimmen, Versteck spielen oder nach ‘Leckerchen’ suchen. “Ich nenne es immer ‘Muppescoutismus’, so der Dogwalker stolz.

Wer bei Luciano seinen Hund abgibt, weiss, dass dieser nicht nur in fachgerechten sondern vor allem in sicheren Händen ist. Von den Leinen bis hin zu den Hundeboxen ist das sämtliche Material des Dogsitters Tüv geprüft. “Die Sicherheit des Hundes hat bei uns höchste Priorität. Alle Käfige im Betriebsauto wurden auf Maß angefertigt und bestehen auch jeden Crash-Test”, versichert der 33-Jährige. Schließlich will er seinen Kunden einen professionnellen Service von A bis Z anbieten, heißt es. “Wir möchten, dass die Besitzer ihren Hund in sicheren Händen wissen”, so Luciano.

Der Hund muss sich in die Gruppe integrieren

Doch beim Dogwalker ist nicht nur der Hund, sondern auch der Besitzer König. Im Gegensatz zu vielen Hundebetreuern im Ausland, wo Luciano zofolge die Ausführstunde bereits an der Eingangstür des Halters tickt, beginnt die Gassirunde beim Luxemburger Dogwalker erst nach dem Einsammeln der Hunde, also erst wenn der eigentliche Spaziergang mit den Vierbeinern beginnt.

Sollte ein Hund sich nicht in die Gruppe integrieren, muss der Dogwalker eingreifen. Sein Credo: “Ein Hund muss in der Gruppe ‘funktionieren’”. Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Störenfried das Rudel wechseln. Als erfahrener Hundekenner weiß Luciano jedoch welche Hunde in einer Gruppe harmonieren.  “Ich beobachte ihr Verhalten und ihre Kommunikation untereinander”, so Luciano. Trotzdem ist es schon vorgekommen, dass er einen Hunde abgelehnt hat, weil dieser die Harmonie in der Gruppe gestört hat, sei dies durch sein nervöses Benehmen oder weil er extrem aufgedreht war. 

Während der Gassirunde, die in der Regel eine Stunde dauert, setzt der Hundebetreuer auch auf soziale Netzwerke. Während der Ausführstunde macht Luciano nämlich Fotos oder kleine Filme, die er dann auch gleich auf Facebook oder Youtube veröffentlicht. Somit können die Hundebesitzer jederzeit und quasi in Echtzeit mitverfolgen wie es ihrem Vierbeiner geht und wo er sich gerade aufhält - und das bei jedem Wetter. Denn auch vor Regen macht der Dogwalker nicht Halt. Und sollten die vierbeinigen Lieblinge dann zuviel im Schlamm gebuddelt haben, werden sie zwar nicht zum Hundefriseur gefahren, jedoch am Ende der Ausführstunde gewaschen, und das im Preis inbegriffen.

Immer mehr Hundehalter nehmen den Service des Dogwalkers in Anspruch
Foto: Yves Welter

Bald kommt Verstärkung

Beim Dogwalker wird eben nichts dem Zufall überlassen. Sein Service umfasst weit mehr als nur Gassi gehen. Neben der maßgeschneiderten Tierschutzversicherung und dem Transportschutzsystem läßt der Dogwalker auch sein Fachwissen mit in seiner Dienstleistung miteinfließen. Ein professionneller Hundeausführer  muss sich laut Luciano auch regelmäßig weiterbilden, ein Grund auch wieso er mitunter Fortbildungskurse und Seminare besucht. Zusätzlich zum Basiswissen über Hunde und deren Verhalten solle ein guter Dogwalker froh sein mit Tieren. “Die Arbeit des Dogwalkes hört nicht am Ende der Leine auf. Er muss stets aufmerksam, konzentriert und geduldig sein,” fügt Luciano hinzu. Außerdem müsse man wissen wie Hunde ticken, man müsse sie lesen können.

Seinen Service bietet der Dogwalker lediglich im Zentrum an. Noch. Denn schon bald soll sich dies ändern. In diesem Jahr soll Lucianos Betrieb nämlich wachsen. Im September kommt sein zweites Betriebsfahrzeug angerollt und eine Mitarbeiterin wird im Herbst eingestellt, erzählt er stolz. Und an seinen Zukunftsplänen schmiedet er auch schon. Im kommenden Jahr will der ambitionnierte Hundeausführer sein Geschäft noch in eine andere Richtung orientieren. Dann steht neben Gassirunden zusätzlich Dog-Scootering auf dem Programm, eine sportlichere Variante des Dogwalking.

Mit dem Dogwalker unterwegs