International Veröffentlicht am 01.08.12 15:18

Deutsche Polizisten waren Mitglieder im rassistischen Ku-Klux-Klan

Mitglieder des US-Ku-Klux-Klan bei einer Zeremonie: Zwei baden-württembergische Polizisten hatten Verbindungen zu dem rassistischen Geheimbund.
Foto: Jim Lo Scalzo

(dpa) - Es klingt bizarr: Ein deutscher Staatsdiener lässt sich per Ritterschlag zum Ku-Klux-Klan-Mitglied machen. Die Mitgliedschaft zweier baden-württembergischer Polizisten in dem Geheimbund flog durch Ermittlungen zum Mord an deren Kollegin Michèle Kiesewetter auf. Eine Verbindung soll es aber nicht geben.

Ermittlungen rund um den Kiesewetter-Mord hätten die dubiose Nähe der beiden Bereitschaftspolizisten aus Böblingen zum rassistischen Geheimbund aufgedeckt, bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums am Mittwoch in Stuttgart.

Die junge Beamtin war 2007 in Heilbronn erschossen worden. Die Bundesanwaltschaft erklärte am Mittwoch auf Anfrage erneut, der Mord lasse sich ausschließlich den drei Mitgliedern der Zwickauer Neonazi-Terrorzelle NSU zurechnen. Es gebe keine Hinweise, dass sich andere an dem Mordanschlag beteiligt hätten.

Ausstieg aus eigenem Antrieb

Die beiden Polizisten gehörten nach Angaben des Innenministeriums kurzzeitig der Gruppierung „European White Knights of KKK“ an. Auf die beiden Beamten wurden die Ermittler aufmerksam bei einer Durchsuchung des Vorsitzenden der „White Knights“ in Schwäbisch Hall im Jahr 2003, teilte der Sprecher von Innenminister Reinhold Gall (SPD) mit. Aus dem dort gefundenen Material habe sich ergeben, dass ein Beamter 2002 ein halbes Jahr, der andere kürzer dem Geheimbund angehört habe. Sie seien aus eigenem Antrieb wieder ausgetreten.

Die Beamten hätten disziplinarrechtliche Folgen zu tragen gehabt, seien aber noch im Dienst, sagte der Sprecher. Beide arbeiteten damals bei der Bereitschaftspolizei Böblingen, zu der auch Michèle Kiesewetter gehörte. „Sie kannten sich von Berufs wegen“, sagte der Ministeriumssprecher. Einer der beiden war der damalige Gruppenführer der jungen Beamtin, der andere ein Kollege. Einer der beiden heute 32 und 42 Jahre alten Männer war laut Ministerium per Ritterschlag in die KKK-Sektion aufgenommen worden, die damals rund 20 Mitglieder hatte.

"Ich bin erschüttert"

Der SPD-Politiker Sebastian Edathy zeigt sich bestürzt über den Vorgang. „Ich bin darüber erschüttert, dass deutsche Polizisten Mitglied in einer rassistischen Organisation wie dem Ku-Klux-Klan waren“, sagte der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag dem Nachrichtenportal „Spiegel Online“. „Noch unerträglicher allerdings finde ich, dass sie nach wie vor im Polizeidienst sind.“

Dass die Akten zu den KKK-Mitgliedern in den Unterlagen des Bundestags-Untersuchungsausschusses zu den NSU Morden gefunden wurden, sei nicht verwunderlich, erläuterte der Ministeriumssprecher. Denn bei einem Mordfall werde sowohl das berufliche als auch das persönliche Umfeld des Opfers überprüft.

Der Geheimbund Ku-Klux-Klan zählt in den USA heute geschätzt rund 5000 bis 8000 Mitglieder. Der Bund knüpfte Kontakte zu Rechtsextremisten im Ausland, darunter auch in Deutschland.