Business Veröffentlicht am 29.10.09 08:05

Deutsche Bank kauft Oppenheim

Für die komplette Übernahme von Europas größter Privatbank wird eine Milliarde Euro gezahlt

Die Marke Sal. Oppenheim soll weitergeführt werden, „so dass Identität, Werte, Kultur und Servicequalität gewahrt bleiben“, teilte die Deutsche Bank mit.
Guy Jallay

(dpa) - Die Deutsche Bank profitiert von der Finanzkrise und kauft nach Herzenslust zu. Der jüngste Coup ist die Übernahme der in Schieflage geratenen Privatbank Sal. Oppenheim mit Sitz in Luxemburg. Die 220 Jahre alte, edle Privatbank hatte sich in der Krise verzockt und suchte eine starke Schulter zum Anlehnen – das kam der Deutschen Bank gerade recht. Denn die Privatbankiers haben etwas, was dem deutschen Branchenprimus fehlt: Das Geld der feinen Leute.

Große Namen wie Oetker oder die Metro-Besitzer Haniel gehören zu den Kunden der Bank der Superreichen, die einst von dem jüdischen Kaufmann Salomon Oppenheim gegründet wurde. Der Zukauf passt haargenau in die Strategie der Deutschen Bank. Schritt für Schritt hat Bankchef Josef Ackermann das Privatkundengeschäft gestärkt, das die Bank viele Jahre lang schmählich vernachlässigt hatte. Erst kaufte er die Berliner Bank, dann die Norisbank und zuletzt die Postbank. Nun kommt das lukrative Geschäft mit den Schwerreichen hinzu. „Wir sind offen für ergänzende, selektive Akquisitionen“, hat Ackermann als Parole ausgegeben. Sein Ziel lautet: Eine Geschäftsbank, in der das Investmentbanking und das Privatkundengeschäft sich die Waage halten.

Die Zahlen sind selbst für einen Käufer wie die Deutsche Bank beeindruckend: Die 7 000 Kunden haben zusammen rund 135 Milliarden Euro bei der Bank der Superreichen angelegt. Die Deutsche Bank verdoppelt so auf einen Schlag das in diesem Bereich verwaltete Vermögen und steigt zum Marktführer auf. Am Investmentbanking der Luxemburger ist Ackermann dagegen nicht interessiert und auch die Sal.Oppenheim-Tochter BHF Bank soll verkauft werden.

Die vornehme Marke Sal. Oppenheim unter dem eigenen Dach ist dem Branchenprimus einiges wert. Gut eine Milliarde Euro hat die Deutsche Bank gezahlt, ohne das Investmentbanking. Sal. Oppenheim war wegen Fehlspekulationen und Belastungen aus der Finanzkrise tief in die Klemme geraten.

Reiche Kunden sind auch scheue Kunden

Nach dem geschickten Schachzug muss die Deutsche Bank aber vorsichtig agieren. Reiche Kunden sind auch scheue Kunden. „Wer als Familienunternehmern bei einer Privatbank sein Geld anlegt, sucht Diskretion“, sagt Bankenprofessor Thomas Hartmann-Wendels von der Universität Köln. Die Kunden wollten ihr Geld gerade nicht einer börsennotierten Großbank anvertrauen.

Einen ersten Schritt hat die Bank gemacht: Die Marke Sal. Oppenheim wird weitergeführt, „so dass Identität, Werte, Kultur und Servicequalität gewahrt bleiben“, teilte die Deutsche Bank mit. Als einziger der vier persönlich haftenden Gesellschafter wird wohl Christopher Freiherr von Oppenheim auch künftig eine Schlüsselrolle spielen – um den Oppenheim-Kunden Kontinuität zu signalisieren. Die Deutsche Bank wird mit der Übernahme weniger abhängig von dem schwankungsanfälligen Investmentgeschäft und globalen Risiken. Zudem kann sie hauseigene Produkte, die ihre Investmentbanker entworfen haben, über das Privatkundengeschäft absetzen.

Geld für Zukäufe hat Ackermann genug in der Kasse. Im dritten Quartal erzielte die Deutsche Bank unter dem Strich 1,4 Milliarden Euro Gewinn – das dritte Milliardenplus in Folge nach dem Krisenjahr 2008. Die Bankenbranche sieht die Übernahme mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Negativ zu Buche schlägt, dass der Nimbus der inhabergeführten Privatbanken als Hort der Stabilität verschwunden ist.

Manche sehen in der Übernahme aber einen Weckruf für die lange diskutierte Konsolidierung der Bankenbranche: „Jetzt sollten sich auch einige Landesbanken, die Zockerbuden ohne Geschäftsmodell sind, auf Zusammenschlüsse verständigen“, sagt Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim.