Von Fern Morbach
In den Ställen war einst Platz für bis zu 4000 Schweine und in guten Jahren kam der Betrieb auf eine Produktion von 16000 Tieren. Das allerdings ist alles schon eine Weile her und gehört definitiv der Vergangenheit an.
Der Schweizer Roman Ochsner, mittlerweile 76, hörte vor knapp 15 Jahren mit der Schweinezucht auf und wandte sich einem völlig anderen Metier zu: dem Tourismus. Der Wandel hat sich gelohnt. Im Mai des vergangenen Jahres wurde in Lipperswil das „Design- und Wellnesshotel Golf Panorama“ eröffnet. Der kleine Ort liegt im Thurgau, zehn Autominuten vom Schweizer Ufer des Bodensees entfernt.
Das neue Hotel steht genau dort, wo vor 15 Jahren noch Schweine grunzten. 50 Millionen Schweizer Franken wurden in den Komplex mit 55 Hotelzimmern und 32 Wohnungen investiert. Direkt vor der Haustür liegt der 27-Loch-Golfplatz Lipperswil.
Wer in dieser Ecke der Schweiz Urlaub macht, ist nicht auf der Suche nach Jubel und Trubel. Abgeschiedenheit und Ruhe werden groß geschrieben. Auf der anderen Seite ist die Verkehrsanbindung aber gut. Die staufreie Fahrt nach Zürich dauert nur gut 30 Minuten, nicht viel länger braucht man bis nach Schaffhausen mit seinen Rheinfällen und auch die kleine Stadt Stein am Rhein ist einen Besuch wert.
Wichtigste Attraktion im Frühjahr und im Sommer ist aber der Bodensee, an dessen Schweizer Ufer es deutlich ruhiger zugeht als am benachbarten deutschen Ufer. Auch für Radfahrer und Wanderer ist der Kanton Thurgau ein kleines Paradies: Die Region kommt auf 900 Kilometer ausgeschilderte Radwege und auf 1000 Kilometer Wanderwege. Dazu kommen noch mehrere Skate-Routen für Inline-Skater.
Golf, Wellness, Ruhe, Sport, Bewegung, Schlafen – das sind die Dinge, um die sich auch in dem neuen Hotel (fast) alles dreht. „Hier ist Ruhe, nichts als Ruhe“, sagt Ferdinand Thoma. „Ruhe wird ganz wichtig für die Zukunft sein.“
Ferdinand Thoma und seine Frau Renate kümmern sich in dem neuen Hotel um das Management. Die beiden sind vom Fach: Sie betreiben im Schwarzwald seit Jahren zwei bekannte Hotels: das Wellnesshotel Auerhahn am Schluchsee und das Bio- und Wellnesshotel Alpenblick in Höchenschwand.
Ferdinand Thoma sorgte nicht nur dafür, dass der Wellness- und Beauty-Bereich des neuen Hotels doppelt so groß wurde wie ursprünglich geplant. Bereits drei Jahre vor der Eröffnung des Komplexes suchte und fand er auch ein Wellness-Thema: den Apfel und die Apfelblüten.
Kein Zufall: Immerhin kommt jeder dritte Apfel, der in der Schweiz gegessen wird, aus dem Thurgau. Jedes Jahr ernten die Bauern in „Mostindien“ – so der Spitzname des Kantons – 48.000 Tonnen Äpfel; fast zwei Drittel der Ernte sind Tafeläpfel.
Während eines Besuches bei Apfelbauer Jörg Singer im benachbarten Fruthwilen, erzählt der gelernte Hotelier und Heilpraktiker Ferdinand Thoma wie das war, als er vor drei Jahren zum ersten Mal die Apfelblüten einsammelte und anschließend in seinem Labor im Schwarzwald Essenzen mixte und den Grundstein für seine Apfelblütenkosmetik und seine Apfelblütenwellness legte.
Heute umfasst die exklusiv für das neue Hotel zusammen gestellte Produktlinie unter anderem ein Körperöl, eine Bodylotion, eine Handcreme und sogar eine Fußcreme. „Fleur de pomme“ heißt denn auch der 2000 Quadratmeter umfassende Wellness-Bereich des Hotels mit einem 30 Grad warmen Innenpool, einem Sole-Außenwhirlpool, elf Anwendungsräumen, Ruhezonen mit Wasserbetten und einem Saunabereich. Auch Geldgeber Roman Ochsner hat sich von der Apfelbegeisterung erfassen lassen – beim Abendessen trägt er eine Krawatte, auf der unübersehbar ein Apfel prangt.