Business Veröffentlicht am 26.08.09 08:49

Der Preis fällt rasant – bis zum ersten Klick

Die Zeit läuft; der Preis sinkt, bis die Uhr stoppt

Tanguy Lesselin hat mit Sokoz sein drittes Internet-Unternehmen gegründet.
Michel Brumat

Das Start-up Sokoz ermöglicht Online-Auktionen wie Ebay – aber hier sinkt der Preis. Der erste, der klickt, erhält das Produkt. Ab September startet das Unternehmen richtig durch – und hat seine Expansion schon geplant.

Seit zwei Jahren hat der Franzose Tanguy Lesselin nur noch eines im Kopf: Sokoz. Hinter dem noch unbekannten Namen steht eine neue Idee. „Wir sind eine Internet-Handelsplattform, die erstmals Verkäufe nach einem ganz neuen System ermöglicht“, berichtet Lesselin.

Bei Sokoz dauert ein Verkauf maximal zehn Minuten. Zu einem vorab angekündigten Termin werden Produkte wie Reisen, edle Weine oder auch Kinderwagen versteigert. Das Besondere: Der Preis rast nach unten. „Die Nutzer können ihn reell am Bildschirm verfolgen“, sagt Lesselin stolz.

Pro Verkauf gibt es rund zehn Produkte; die pekuniäre Talfahrt dauert pro Produkt höchstens dreißig Sekunden. „Der erste, der klickt, erhält das Produkt“, erklärt der junge CEO.

Er ist selbst auf die Idee mit der neuen Verkaufs-Strategie gekommen, die sich wesentlich von anderen Plattformen wie beispielsweise Ebay unterscheidet. „Bei uns gibt es nur professionelle Verkäufer“, berichtet Lesselin. „Damit haben wir viele Probleme schon mal nicht.“

Sokoz ist ein Mittler zwischen Verkäufer und Käufern. „Wir verkaufen nichts selbst“, betont Lesselin. Auf der einen Seite verhandeln einige seiner nunmehr 15 Mitarbeiter ständig mit Unternehmen, die interessante Produkte anbieten. Von Liebesnächten im Hilton über Ballonflüge bis hin zu Apple-Computern und Dekorationsobjekten reicht die Palette derzeit.

Kick durch Live-Preisrutsch

„Wer geschickt klickt, erhält die Produkte 30 bis 60 Prozent preiswerter als am Markt“, stellt Lesselin fest. Der Verkäufer selbst legt einen Mindestpreis fest, der nicht unterschritten werden darf. Für Unternehmen eröffnet Lesselins Angebot einen weiteren Absatzkanal; häufig zu einem Publikum, das sie sonst nur schwer ansprechen könnten.

Sokoz erreicht bis zu 50.000 Mitglieder mit seinem Angebot. „Davon verfolgen 250 das Geschehen über Twitter – ohne dass wir diesen Service bislang beworben hätten“, weiß Lesselin. Die Käufer sind eher jung und an dem Kick interessiert, den der Live-Preisrutsch verursacht. „Viele machen auch Vorschläge und beraten uns sehr aktiv“, hat der Unternehmensgründer festgestellt.

„Wir testen derzeit noch, welches Produkt wir wann verkaufen“, berichtet Lesselin. Denn der Zeitpunkt ist entscheidend. Dann muss der Käufer vor seinem Computer sein. Damit er nichts versäumt, feilt das Sokoz-Team derzeit an einem Warn-System, das auf anstehende Verkäufe hinweisen soll.

Auch Bieten via Handy soll möglich werden. Sokoz prüft derzeit die Möglichkeiten – und nutzt dazu einen Kredit der Europäischen Union, den es über die Societé national de crédit et d' investissement Luxembourg (SNCI) erhalten hat. Das Engagement der staatlichen Beteiligungsgesellschaft zeigt, wie gut Sokoz mittlerweile verdrahtet ist. „Wir erfahren viel Unterstützung durch die betroffenen Stellen und Luxinnovation“, freut sich Lesselin.

Der Vorstand, der bereits eine Karriere als Unternehmensberater hinter sich hat, ist froh über das Umfeld in Luxemburg. „Hier ist es wirklich multikulturell. Das ist für uns, die wir international wachsen wollen, sehr wichtig.“

Vom Berater übers Weltmeer zum Internet-Start-up

Der 38-Jährige kann auf eine Vorzeige-Karriere mit Studium an der renommierten Pariser HEC (Hautes Etudes Commerciales) und eine Karriere bei der Boston Consulting Group zurückblicken. Highlight und Wendepunkt war das Jahr 2000. Da nahm Lesselin eine Auszeit vom Pariser Beraterjob und segelte ein Jahr lang - unter anderem auf der „Solitaire du Figaro“.

Als Seemann war er genau so auf sich allein angewiesen wie heute als Start-up-Gründer. Zurück in Paris gründet er im Jahr 2000 ein Internet-Unternehmen für die professionelle Erstellung von Web-Seiten, das er bald darauf verkauft. 2003 folgt ein zweites Unternehmen. „CV Premium berät Manager beim Schreiben ihres Lebenslaufes“, sagt Lesselin über seine zweite Gründung, die es immer noch gibt.

Er kam im April 2007 nach Luxemburg. „Ich hatte hier Familie – und habe Sokoz als Start-up gegründet“, erinnert sich der zweifache Vater. Seither laufen die Geschäfte im ersten Stock eines Büros auf der Avenue de la Liberté. Private Aktionäre aus Luxemburg, Frankreich und Großbritannien beteiligen sich an seinem Unternehmen.

Bis Jahresende will Lesselin ihnen beweisen, dass seine Idee läuft, dass der Break-even absehbar ist. Derzeit verfügt er über einige hundert Verkäufer. Pro Woche sollen ab Herbst vierzig bis fünfzig Verkäufe ablaufen; später mehr. Sokoz nimmt dafür zwischen sieben und 25 Prozent von den Verkäufern.

„Aber derzeit sind wir noch als französische Webseite sokoz.fr registriert. Daher ist der Versand nicht immer einfach“, überlegt Lesselin. In dem Luxemburger Internet-Post- und Paketannahmedienst bpm hat er eine Lösung gefunden. Alles Weitere soll die Expansion bringen. Die Domains hat sich Lesselin schon reservieren lassen. Mit dem Segeln wird es wohl vorerst nichts. Das Laptop ruft.