Von Diane Lecorsais
„Accueil“, „Rencontre“ und „Communauté“: Für diese drei Begriffe steht die Abkürzung ARC, bei der es sich um den Namen einer internationalen ökumenischen Organisation handelt, die während der Sommermonate Gratisführungen durch die Kathedralen Europas anbietet. In Luxemburg empfangen drei Studenten, Friedemann aus Deutschland, Catherine aus Großbritannien und François aus den Niederlanden, seit Mitte Juli und noch bis zum 11. August Touristen und Einheimische, um sie in die Geschichte der Kathedrale einzuführen und ihnen den christlichen Hintergrund zu erklären.
„Ich finde es schön, die Theologie, die hinter dem Kirchenbau steht, zu erläutern“, erklärt Friedemann Krampitz, der bereits zum zweiten Mal an dem ARC-Projekt teilnimmt. Es gehe darum, die Kathedrale nicht nur als historisches Gebäude zu sehen, sondern auch den christlichen Hintergrund zu verstehen. Nach einem Sommer im französischen Bordeaux vor zwei Jahren verbringt der Student der Kirchenmusik dieses Jahr einen Monat in Luxemburg, wo er Besucher aus aller Welt mit den Besonderheiten der hauptstädtischen Kathedrale bekannt macht.
„Im Grunde genommen ist der Name das Programm“, erklärt Friedemann weiter. Empfang, Begegnung und Gemeinschaft – die drei Begriffe, für die die Abkürzung ARC steht, stehen im Zentrum der einmonatigen Erfahrung. „Zum einen empfängt man die Menschen in dem Kirchengebäude. Auch die Begegnung untereinander, in der Gruppe oder mit den Besuchern, spielt eine Rolle. Das dritte ist die Gemeinschaft in der Gruppe“, erklärt der Student weiter. Denn neben ihm beteiligen sich noch zwei weitere Volontäre am ARC-Projekt: die 19-jährige Catherine Taylor, Literaturstudentin aus Großbritannien, sowie François van de Meide, 23 Jahre alt, Urbanismus-Student aus den Niederlanden.
„Wir wohnen zusammen wie in einer Wohngemeinschaft, kochen zusammen, planen unseren Tagesablauf zusammen, fahren gemeinsam in die Stadt, ... während vier Wochen verbringt man seine Zeit gemeinsam, die anderen kennt man vorher nicht. Das ist natürlich interessant“, sagt Friedemann. Auch Catherine genießt den Sommer in Luxemburg. „Es ist eine extrem lehrreiche Erfahrung“, meint sie.
Rosemarie Rohmer-Strecker von der Tourismuspastoral Luxemburg betreut die Studenten während ihres Aufenthalts in Luxemburg. Bei dem Projekt gehe es auch um Austausch, fügt sie hinzu: Die Volontäre gehören jeweils verschiedenen Konfessionen an. „Es ist interessant, Unterschiede im Glauben aufzudecken.“ Dass das Projekt nun bereits seit zehn Jahren ein Erfolg ist und stets Jugendliche aus dem aktiven Glaubensbereich anzieht, beweise überdies, dass das Interesse der Jugend an der Kirche nach wie vor besteht.
Vor ihrer ersten Führung erhielten die Volontäre zunächst eine fachliche Einführung in die Geschichte der Kathedrale. Während drei Tagen erläuterten verschiedene Dozenten ihnen Daten, Details und Anekdoten. Inzwischen hat jeder Volontär seine Lieblingsecken, die er den Besuchern zeigen möchte. Und auch einen Blick für die jeweilige Herkunft der Touristen haben die Volontäre mittlerweile entwickelt. Die kostenlosen Führungen durch die Kathedrale zielen insbesondere auf Einzelgruppen ab, die Dauer eines Rundgangs ist flexibel. Während einige Besucher nur ein oder zwei Fragen an die Studenten richten, profitieren andere von einem umfassenden Rundgang.
Die Volontäre sprechen die Besucher direkt an, etwa wenn jemand mit eindeutig fragendem Blick vor einem Element steht. Vom Baustil über die Orgel bis hin zu den Fenstern – die Studenten haben sich inzwischen zahlreiche interessante und teilweise auch überraschende Fakten über die Kathedrale eingeprägt. So lässt Friedemann Krampitz die Besucher immer erraten, aus wie vielen Pfeifen die Orgel besteht. „Die Besucher fangen dann oft an zu zählen“, erklärt der Volontär. Meist jedoch ohne Erfolg: Die Orgel zählt insgesamt mehr als 4 000 Pfeifen.
Interessierte können noch am 10. und 11. August, jeweils von 10 bis 16 Uhr, von einer Führung durch die Kathedrale profitieren. Bis zum 31. August findet von montags bis freitags überdies das aus Musik und Text bestehende Mittagsgebet „Atem holen bei Gott“ statt, dies jeweils um 12.15 Uhr.
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