Lëtzebuerg Veröffentlicht am 02.02.12 22:04

Der Angeklagte Jos Wilmes

Führte Partygag die Fahnder auf die Spur des Hobby-Bastlers?

Jos Wilmes muss sich wegen 20 Taten verantworten.
Foto: Guy Jallay

(ham) - Es seien nicht allein die Aussagen von Marc Scheer gewesen, die Jos Wilmes in den Fokus der Ermittlungen rückten, bemerkt die Anklageschrift gleich zu Beginn des Abschnitts, der sich mit dem zweiten Beschuldigten befasst. Auffällig seien vor allem „das Gebaren und die Körpersprache“ von Wilmes gewesen, so die Staatsanwaltschaft, die bemerkt, dass beide Beschuldigte um jeden Preis vertuschen wollten, dass man sich im Vorfeld der Verhöre abgesprochen hatte.

So habe Wilmes z.B. während einer Vernehmung unaufgefordert angemerkt, dass das Gedächtnis von Scheer nicht mehr das beste sei. „Er wisse“, so der Bericht, „dass Scheer manchmal anfangs von einer Sache überzeugt war und sich nachher nicht mehr so sicher war, ob das was er ausgesagt habe, wirklich so stimmen würde. Auch wenn Scheer behaupten würde, sie beide wären zusammen an einem Ort gewesen, würde dies gar nicht bedeuten, dass dies auch in Wirklichkeit so war“.

Stutzig wurden die Vernehmungsbeamten, da sie Jos Wilmes noch gar nicht auf die Aussagen von Marc Scheer bezüglich der Täterbeschreibung vom Findel angesprochen hatten.

Er habe nicht nur eine Absprache mit Scheer verschleiern wollen, sondern habe erstaunlicherweise auf eine Frage geantwortet, die ihm noch gar nicht gestellt worden war, schlussfolgert die Staatsanwaltschaft. Stattdessen habe er unaufgefordert das Gedächtnis und Erinnerungsvermögen von Marc Scheer sowie dessen Aussagen angezweifelt.

Überraschung mit Folgen

Als weiterer Punkt führt die Staatsanwaltschaft den Umstand an, dass Jos Wilmes ein hervorragender Bastler sei. So habe er bei speziellen Angelegenheiten oft zum Erstaunen der Anwesenden Überraschungspakete vorgezeigt, bei deren Öffnung Knallfrösche ausgelöst wurden. „Il utilisait pour le déclenchement le même mécanisme que celui utilisé par les auteurs lors de l'attentat à Hollerich et pour la construction du piège à feu à Asselscheuer“, bemerkt die Anklageschrift.

Der Verdacht erhärtete sich bei den Ermittlungsbeamten, als sie feststellten, dass Wilmes sich am Tag des Hollericher Attentats während der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag wegen Kopfschmerzen abgemeldet hatte – und das zur Tatzeit.

Kopfschmerzen

Hatte Wilmes bei seinem ersten Verhör im August 2004 laut Staatsanwaltschaft angegeben, an diesem Tag wegen Kopfschmerzen überhaupt nicht angetreten zu sein, merkt die Anklageschrift an, dass er laut Logbuch der „Brigade mobile“ doch zum Dienst erschienen sei. Die „Brigade mobile“ war an jenem Tag zum Schutz der großherzoglichen Familie eingeteilt.

Erstaunt zeigten sich die Vernehmungsbeamten, als der Beschuldigte sich nicht mehr erinnern konnte, wo er sich zusammen mit der großherzoglichen Familie zum Zeitpunkt der Explosion in Hollerich aufhielt.

Laut Anklageschrift hatten nicht nur die Aussagen von Marc Scheer zur Verhaftung von Jos Wilmes geführt. Dieser habe sich selbst auch stark belastet, so die Staatsanwaltschaft.

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