Von Fern Morbach
Die deutsche Rote-Armee-Fraktion ist jedem Luxemburger ein Begriff. Die belgischen Tueurs fous du Brabant Wallon verbreiten Angst und Schrecken und töten fast 30 Menschen. In Frankreich verüben die Mitglieder der Action directe rund 50 Überfälle und Morde. Ist nun Luxemburg an der Reihe?
Ja, es sind ereignisreiche Monate im Jahr 1985. Nicht nur für Gendarmen, Politiker und Polizisten, sondern auch für Journalisten. Wann schließlich hat es das schon mal gegeben, dass ein Hauch von großer internationaler Kriminalität durch das Großherzogtum und durch die Redaktionen weht?
Bankräuber sind in den vergangenen Jahren auch in Luxemburg unterwegs gewesen und brutale Überfälle auf Geldtransporter haben wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. Sie waren aber nichts im Vergleich zu den Sprengstoffanschlägen. Umgeknickte Strommasten, Erpresserbriefe, geklauter Sprengstoff, ratlose Polizisten und zitternde Politikerstimmen lassen selbst die Jahrhundertaffäre aus dem Stadt-Luxemburger Rotlichtmilieu mit ihren Verästelungen bis in die Polizeispitze in den Hintergrund rücken.
Für junge Journalisten – der Verfasser dieses Beitrages hat knapp drei Jahre Berufserfahrung, als es zum ersten Mal ordentlich knallt – sind sie fast schon ein Geschenk. Ab dem 28. April 1985 ist nichts mehr, wie es war. Nun bestimmen nicht mehr Gemeinderatssitzungen, Generalversammlungen oder öde Pressekonferenzen den Tagesablauf, sondern einzig und allein die Bombenleger und die Frage, wo der nächste Sprengsatz explodieren wird.
Innerhalb weniger Wochen machen die Bombenleger selbst aus dem trägsten Berichterstatter einen Parallelermittler. Auf den Redaktionsfluren wuchern die Gerüchte. Über die Attentäter werden wilde Spekulationen angestellt. Ältere Kollegen unterfüttern das Ganze mit heißem Insiderwissen, das ihnen gut unterrichtete Informanten gesteckt haben sollen – in 99 von 100 Fällen aber mit der dringenden Bitte, dieses Wissen auf keinen Fall und unter keinen Umständen in Artikeln oder Radiobeiträgen zu verwenden. „Ich weiß alles, darf aber nichts sagen.“ Praktischer Anschauungsunterricht in Sachen Berufsverständnis – nichts mehr und nichts weniger.
Schnell stellt sich heraus, dass die Pressevertreter mit den meisten Polizisten eines gemein haben: Sie tappen im Dunkeln und lassen sich an der Nase herumführen. Selbst der Einsatz (unerlaubter) Technik hilft nicht weiter. Im Frühling 1985 investiert so mancher Journalist 1600 oder 1700 Franken in einen so genannten Scanner, mit dem sich manchmal der knarrende und kratzende Polizeifunk abhören lässt. Erlaubt sind die Geräte nicht, aber die am Katz-und-Maus-Spiel Beteiligten wissen sehr wohl, dass der „Feind mithört“.
Und der Feind aus den Redaktionen hört mit Glück und glühendem Ohr auch mal Dinge und Gespräche, die nicht für ihn und die Presse bestimmt sind. Im Juni beispielsweise palavern Polizisten am frühen Morgen unbeschwert und ungeschützt über eine am selben Tag bevorstehende Lösegeldübergabe in einem Stadt-Luxemburger Parkhaus. Diesen Knüller möchten sich die Journalisten nicht entgehen lassen – mit der Folge, dass der Berichterstatter kurz nach 13 Uhr im Kripohauptquartier auf dem Verlorenkost vom Chefermittler in der Bombenaffäre vernommen wird.
Der Journalist kann dem Kommissar nichts Neues erzählen und auch der Kommissar möchte dem Reporter nichts Neues mit auf den Weg geben. Die Atmosphäre in dem Beamten-Büro mit einer Tatort-Lampe in der Vernehmungsecke ist frostig. Nach 25 Minuten trennt man sich. Ohne neue Erkenntnisse. Ohne Anklage-Drohung. Ohne Vernehmungsprotokoll. Irgendwie und irgendwo muss der Journalist seine Quellen schützen. Und sowieso hat er nicht den Eindruck, als ob der Chefermittler wirklich viel weiß. Vermutlich weiß er zu diesem Zeitpunkt aber bereits, dass die Geldübergabe vom Vormittag eine Finte war. Der Scanner leistet auch in den Monaten danach noch gute Dienste.
Im Attentatsjahr 1985 zählen junge Journalisten nicht nur auf ältere Berufskollegen, die selbst nach dem zehnten Attentat immer noch auf ihrem Wissen sitzen wie die Henne auf dem Ei. Junge Journalisten blicken auch zu jungen, gleichaltrigen Polizisten auf. 24- oder 25-jährige, schneidige Offiziere mit Kurzhaarschnitt, frisch ausgebildet und mit weißen Ford-Sierra-Dienstwagen immer schnell am Brennpunkt des Geschehens. „Mike 6“ ist der Codename, den man kennen muss und bis heute nicht vergessen hat. Wie die Geschichte zeigt, müsste „Mike 6“ aber schon damals einen Draht zu dem einen oder anderen Attentäter gehabt haben, zumindest wenn diese nicht gerade Strommasten in die Luft jagten!
Im Sommer 1985 merkt die Polizei allmählich, dass sie sich öffnen, dass sie „kommunizieren“ muss. In der Öffentlichkeit wächst der Druck. An den Stammtischen möchte man endlich Ermittlungserfolge sehen und Täter präsentiert bekommen. Reporter und Journalisten gehen sich immer häufiger auf die Nerven. Das liegt auch daran, dass zunehmend mehr Reporter die Fähigkeiten der Ermittler in Frage stellen und sich – schon damals – über kuriose Zufälle zu wundern beginnen.
Ende August dürfen zwei Journalisten nach komplizierten und langen Antrags- und Genehmigungsverfahren mit an die Front. Eine Nacht lang begleiten sie Polizisten bei deren Bombenlegersuche. Als höchstes der Gefühle erweist sich nach Mitternacht die Durchsuchung einiger Kofferräume. Für Sekunden wird es sogar richtig spannend: In einem Kofferraum liegen Elektrokabel. Das macht den Fahrer sehr verdächtig. Oder doch nicht? Der Mann ist Elektriker. Er ist mit seinem Dienstauto unterwegs und darf weiterfahren. Sei’s drum: Aus der Nacht machen die Journalisten trotzdem eine ganzseitige Reportage. Liegt Sprengstoff in der Luft, muss manchmal halt auch das Nichts gedruckt werden.
Noch heute, 22 Jahre nach der Anschlagsserie, erzählen sich Journalisten gerne Geschichten. Nur die wenigsten Pressemenschen sind allerdings wirklich dabei gewesen, zu den meisten Attentatsorten kamen die Reporter damals wie sie noch heute zu Autounfällen, Scheunenbränden oder – seltener – Leichenfundorten kommen. Allerdings gab es auch einzelne Ausnahmen. Beispiel 19. Oktober 1985.
Im Convict wird an jenem Samstag, noch einmal an den Papstbesuch vom 15. und 16. Mai erinnert. Viele Gäste sind zusammen gekommen, unter ihnen Politiker, Pfarrer, Polizisten, Papstbesuch-Organisatoren, Papst-Beschützer und über den Papstbesuch berichtende Journalisten. Seit dem Beginn der Feier wird spekuliert, werden Prognosen aufgestellt, es fehlt nur noch der Abschluss von Wetten. Jeder glaubt zu wissen, dass der oder die Bommeleeër an diesem Abend wieder zuschlagen werden.
Und die Bommeleeër tun den essenden, trinkenden, wartenden und spekulierenden Reportern den Gefallen. Im Justizgebäude explodiert ein Sprengsatz, der Knall ist bis in den Convict zu hören. An diesem Abend sind die Journalisten im wahrsten Sinne des Wortes schneller, als es die Polizei erlaubt. Als der Ermittlertross im Gerichtsgebäude eintrifft, haben Journalisten, einige in Begleitung ihrer Frauen oder Freundinnen, die Büros bereits bis in die hintersten Ecken erkundet. Spuren vom Tatort sind das eine. Schlagzeilen sind das andere.
8'
7'
14'
Petingen
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3:0 |
Jeunesse
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RFCU Lëtzebuerg
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2:0 |
Düdelingen
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Fola
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1:2 |
Grevenmacher
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Rümelingen
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4:1 |
Kayl-Tetingen
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Hesperingen
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0:3 |
Differdingen
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Käerjéng
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3:0 |
RM Hamm Benfica
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Niederkorn
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5:2 |
Hostert
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