(pley) - Eine Kläranlage muss keine großflächige Installation mit Rechen, Sandfang und Klärbecken sein. Sie kann auch in einen normalen 40-Fuß-Container passen und auf Lastwagen, Handelsschiff und Eisenbahn um die halbe Welt reisen. Epuramat, eine kleine, aber feine Cleantechfirma aus Contern, stellt kompakte, chemikalienfreie und energieeffiziente Systeme zur Abwasserbehandlung her. An entfernten Orten, in Holzfällercamps und auf Bohrinseln, kommen sie zum Einsatz. Box4Water heißt die mobile Anlage, deren größtes und leistungsfähigstes Modell jetzt erstmals nach Kanada geliefert wurde.
Eine Box4Water eignet sich ideal für Arbeitercamps in dünn besiedelten Gebieten. Im Gegensatz zu klassischen Kläranlagen braucht sie keine aufwändigen Grabungs- und Bauarbeiten. In den entlegenen Camps, die oft nur für zwei oder drei Jahre bestehen, werden die Abwässer gesammelt und über hunderte von Kilometern per Lastwagen zur nächstgelegenen Kläranlage transportiert. Das ist zeitaufwändig, vor allem aber kostspielig.
Eine Box4Water hingegen reinigt die Abwässer vor Ort. Sie befindet sich in einem Container und wird einsatzbereit geliefert. Die Installation dauert zwei Tage. Die Wartung ist einfach. Die Ingenieure in Luxemburg haben eigens eine Smartphone-Anwendung entwickelt, die es ermöglicht, die Kläranlage übers Internet zu steuern. Geografische Entfernung spielt dabei keine Rolle.
Die Teile für die Anlagen werden in Deutschland, Italien, der Schweiz und Frankreich angefertigt. Danach werden sie in Luxemburg, in einer große Halle auf dem Gelände von Anteilseigner „Chaux de Contern“, zusammengebaut. Von dort aus werden die durchschnittlich 240 000 Euro teuren Anlagen aus Edelstahl in die Welt geschickt.
Geschäftsführer Bogdan Serban hält nicht viel von Produktions-Auslagerung in ferne Länder, auch wenn dort vielleicht billigere Löhne gezahlt werden. Ihm geht es vor allem um die Qualität. „Wir peilen den High-End-Markt an“, sagt der gebürtige Rumäne, der seit 2010 die junge Firma leitet.
Das Konzept der „Box4Water“ wurde von Epuramat-Mitgründer Achim Kopmeier entwickelt. Seine Technologie, der ExSep, bedient sich der Strömungsdynamik, um Feststoffe von Flüssigkeiten zu trennen. „Und das ohne chemische Hilfsmittel“, betont Serban. Das geklärte Wasser entspricht den europäischen und nordamerikanischen Normen. Es kann sofort für Bewässerungszwecke eingesetzt werden.
Um aus dem sauberen Wasser Trinkwasser zu machen, wäre nur ein zusätzlicher Schritt nötig. „Wir gehen diesen Weg aber nicht“, sagt der Geschäftsführer. Die legislativen Hürden seien zu groß. Trinkwasseraufbereitung sieht er als Domäne kommunaler Anbieter oder großer Versorgungskonzerne.
Epuramat zielt auf eine Nische – mit enormem Potenzial. „Einer unserer Container benötigt lediglich sieben Kilowatt Strom und ist ausreichend für eine Bevölkerungsgruppe von 300 Personen“, schwärmt Serban. Zwei Container lassen sich auch aneinander koppeln, und reichen dann für doppelt soviele Einwohner. Ein derartiges Doppel-Modell, das bis zu 120 Kubikmeter Abflusswasser am Tage reinigen kann, wurde erstmals fertiggestellt und nach Nordamerika verschifft.
Kanada, mit seinen hohen Umweltauflagen, seinen riesigen Wäldern und wertvollen Bodenschätzen, eignet sich ideal für die Produkte von Epuramat. Das weiß auch der kanadische Abwassertechnik-Spezialist Black Opal Energy Services Inc. zu schätzen. Die Kanadier sind seit 2010 Geschäftspartner von Epuramat und haben mittlerweile eine ganze Flotte von Containerkläranlagen „made in Luxembourg“ in Betrieb. Die Qualität der „Box4Water“ spricht sich in der Branche herum.
Bogdan Serban glaubt an einen „Schneeballeffekt“, der aus 2012 das Jahr des geschäftlichen Durchbruchs machen wird. „Der Wert unserer Aufträge, die wir in den ersten sechs Monaten erhielten, übersteigt schon jetzt den Umsatz vom vergangenen Jahr“, freut sich der CEO. 2012 könnte Epuramat erstmals einen Gewinn vor Steuern erzielen.