Lëtzebuerg Veröffentlicht am 02.02.12 20:15

Brisante Notiz, bitterer Nachgeschmack

Eine Feier bei der Polizei mit viel Sprengstoff

Pierre Reuland wird 2008 von seinem Posten als Generaldirektor der Polizei entbunden. Die Staatsanwaltschaft habe kein Vertrauen in den Polizeichef, hieß es damals. Minister Luc Frieden musste reagieren.
Foto: Guy Jallay

(mt) - 20. Oktober 2006: Ein Polizist tritt in den Ruhestand und lädt ein ins Restaurant. Der Polizeidirektor ist präsent, auch junge Ermittler, die das „Bommeleeër“-Dossier wieder aufgeschlagen haben. Ein paar Gläschen Wein und schon lockert sich die Zunge: Ein sehr merkwürdiges, ja fast schon absurdes Gespräch findet in einem bekannten Restaurant in Schüttringen statt.

Zwei Jahre später: Polizeidirektor Pierre Reuland wird entpflichtet. Die Staatsanwaltschaft hat im Dossier „Bommeleeër“ kein Vertrauen in den Polizeichef, was nicht heißt, dass er eventuell einer der Täter ist, jedoch mit ihm an der Spitze der Polizei glaubt die Justiz nicht vorankommen zu können. Hat er Spuren verwischt? Wird er noch weitere verschwinden lassen? Es wird Druck auf Minister Frieden, den damaligen Minister der öffentlichen Macht, geübt. Und Reuland wird entpflichtet.

Die Geschichte ist bekannt. Im September 2008 findet sie ausreichend Niederschlag in der Presse: Nach dem plötzlichen Gedächtnisverlust Reulands, der sich nicht mehr an eine doch sehr obskure Beschattung des „Super-Polizisten“ Ben Geiben erinnern kann oder will, das verdächtige Verschwinden Reulands nach dem Attentat auf das Justizgebäude, all dies hat den Polizeidirektor, der zum Zeitpunkt der Attentate die „Brigade mobile“ leitete, letztlich aufs Abstellgleis manövriert. Dazu beigetragen hat aber wohl auch eine brisante Notiz in der Anklageschrift, die von jungen Ermittlern im „Bommeleeër-Dossier“ verfasst wurde.

Abschiedsfeier mit bitterem Nachgeschmack

Diese Notiz beschreibt ein Gespräch, das beim Abschied in den Ruhestand eines Polizisten am 20. Oktober 2006, also zwei Jahre vor Reulands Entpflichtung, in einem Restaurant in Schüttringen zwischen dem Polizeidirektor und den Beamten geführt wurde. Einige Auszüge:

„Nach dem Abendessen und einer nicht sehr memorablen Abschiedsrede, ging Pierre Reuland von Tisch zu Tisch und kam sofort auf das Verhör von Guy Stebens bei der U-Richterin (Mittwoch 18.10.2006) zu sprechen. Guy Stebens wäre ja stundenlang verhört worden, und er nehme an, dass er nun wieder an der Reihe sei. (...) Pierre Reuland gab uns zweideutig zu verstehen, dass man ja nicht alles sagen könnte und wollte uns sagen, dass er sich auch bei diesem Verhör, egal was man ihn fragt, an nichts Weiteres erinnern würde.“

In dem Gespräch im Restaurant weisen die Ermittler ihren Direktor auch darauf hin, dass sie ihre Arbeit so verrichten wollen, dass niemand der Polizei und der Justiz vorwerfen könne, sie hätten ihre Arbeit nicht vollständig gemacht und nicht alle möglichen Spuren untersucht. Doch: „Pierre Reuland bohrte weiter, dies sei alles schön und gut, jedoch müsste es endlich zu einem Abschluss kommen, damit wieder Ruhe einkehren würde. (...) ... er ließ unmissverständlich durchblicken, dass es für ihn keine und noch so plausiblen Argumente geben würde, welche weitere Ermittlungen rechtfertigen könnten.“

„Es ist nicht so schlimm, wie Sie annehmen...“

Pierre Reuland habe auch Folgendes gesagt: „Ich bin mir bewusst, dass die Presse und die Öffentlichkeit uns Vorwürfe machen werden, wir hätten keine gute Arbeit geleistet und nicht alles getan, um die Täter zu ermitteln, es wird dann etwas qualmen, aber damit müssen wir und die Justiz leben. Nach einiger Zeit wird sich der Wirbel um die Sachlage gelegt haben.“

Und bereits zum wiederholten Mal soll Reuland in diesem absurden Gespräch auch diesen Satz ausgesprochen haben: „Es ist nicht so schlimm, wie Sie annehmen, glauben Sie mir.“ Man kommt nicht daran vorbei. Frage: Weiß Herr Reuland etwas, wenn er das behauptet, und wenn ja, was, und warum rückt er damit nicht raus?

Und dann, ganz brisant, dieser letzte Abschnitt in der Gerichtsakte. Reuland soll gesagt haben: „Legt doch Holz auf die Akte und macht etwas anderes, es gibt noch viele andere interessante Aufgaben in der Polizei.“ Einer der Ermittler erwidert lakonisch: „Chef, dies ist endlich etwas Konkretes, welchen Posten schlagen sie mir (uns) denn vor?“ Pierre Reuland soll nun – laut Anklageschrift –, ohne auch nur eine Sekunde lang zu überlegen, geantwortet haben: „Ich bin für alles offen, wir können über alles sprechen.“

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