Lëtzebuerg Veröffentlicht am 21.01.12 07:40

Bis zu 60 Meter tief unter der Stadt hindurch

6,2 Kilometer langes Rohr führt Abwasser zur neuen Kläranlage

Die Kläranlage in Bonneweg ist veraltet und wird nach dem Bau des Kollektors zur neuen Kläranlage in Beggen geschlossen.
Foto: Raphael Zwank

Nach der Fertigstellung der neuen Kläranlage in Beggen steht in der Hauptstadt ein weiteres Mammutprojekt im Bereich der Abwasserbehandlung bevor: Am Montag beginnen die Vorbereitungen für den Bau eines 6,2 Kilometer langen und zwei Meter dicken Kollektors, der das Abwasser unter der Stadt hindurch von Bonneweg nach Beggen leitet. Dabei wird die Technik des unterirdischen Rohrvortriebs genutzt. So werden Belästigungen vermieden.

Die neue Kläranlage in Beggen soll in Zukunft die Abwässer der gesamten Stadt reinigen – auch diejenigen, die bislang in Bonneweg behandelt werden. Die veraltete Bonneweger Kläranlage wird nach der Fertigstellung des neuen Kollektors geschlossen.

Der Kollektor mit einem Innendurchmesser von zwei Metern wird sich über eine Länge von 6,2 Kilometern unter der Stadt hindurch erstrecken – unter dem Grundwasserspiegel in einer durchschnittlichen Tiefe von 14 Metern, wobei stellenweise eine Tiefe von über 60 Metern erreicht wird. Der Kollektor besteht aus Stahlbeton und ist im Inneren durch Kunststoff gegen Korrosion geschützt.

Jahrelange Vorbereitungen

Bereits am 26. Juni 2006 hatte der Gemeinderat seine Zustimmung zum Projekt gegeben. Der Kostenvoranschlag lag bei 51 Millionen Euro. Dass es erst jetzt zur Umsetzung kommt, ist einerseits durch Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern bedingt, andererseits durch ein Gerichtsverfahren: Ein Bauunternehmen, das im Jahr 2010 nach der Ausschreibung nicht zurückbehalten worden war, hatte die Stadt vor das Verwaltungsgericht zitiert – letztendlich befand das Gericht die Klage aber für nicht berechtigt.

Da der Kollektor durch unterirdischen Rohrvortrieb verlegt wird, wird nur im Umfeld der neun Bauschächte etwas von den Arbeiten zu bemerken sein. Diese Schächte werden sieben bis zwölf Meter breit und zwölf bis 14 Meter tief sein. Darin werden Treppen angelegt, um den Zugang zum Kollektor zu gewährleisten.

Kaum Belästigungen

Die Technik des Rohrvortriebs bietet eine Reihe von Vorteilen: Weder die Anrainer noch die Verkehrsteilnehmer müssen durch die Arbeiten Beeinträchtigungen hinnehmen. Schmutz und Lärm werden weitgehend vermieden. Am kommenden Montag beginnen die Arbeiten – zunächst mit Vorbereitungen am Standort des geplanten Schachtes Nr. 9, der sich in der Rue de Bastogne in Beggen, also ganz in der Nähe der Kläranlage befinden wird. Nach und nach werden die Arbeiten dann in Richtung Bonneweg fortgesetzt. Nach der Einrichtung der Baustelle und der Abtragung des Mutterbodens wird eine Spezialmaschine eingesetzt, um bis zu 20 Meter tiefe Löcher zu bohren.

Diese werden mit einem Stahlkäfig bewehrt und mit Beton gefüllt. Die so entstandenen, aneinandergereihten Betonpfähle bilden die Wand des Schachtes, von dessen Boden aus der Tunnel gebohrt wird. Die Schächte bleiben zu Wartungszwecken bestehen. Erleichtert wird die Wartung durch ein automatisches Reinigungssystem. Die Vortriebsmaschine wird nach Angaben der technischen Dienste der Stadt Luxemburg voraussichtlich in drei bis vier Monaten zum ersten Mal eingesetzt. Durch die Technik des unterirdischen Rohrvortriebs werden Belästigungen für die Anrainer weitestgehend verhindert. Voraussichtlich im Jahr 2016 sollen die Arbeiten beendet sein.

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