(vb) – Kommunikations- und Justizminister François Biltgen hat die Datenpanne beim "Centre médico-sportif" bedauert. "Hacker werden immer erfindungsreicher", stellte der Minister fest. Er sieht die Attacke als Anstoß, Lehren für die Datensicherheit zu ziehen. Der Piratenpartei geht das nicht weit genug.
Biltgen bestätigte in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Donnerstag, dass das Sportministerium bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen den Datendieb erstattet hat. Biltgen räumte ein, dass es nicht einfach werde, die Tat mit der derzeitigen Gesetzeslage zu ahnden. Als Straftaten kämen "einfacher Diebstahl" oder "Angriff auf ein Informationssystem" in Frage. Die gemeinsame Informatikabteilung der Luxemburger Ministerien werde nun die Spuren auswerten, die der Angreifer im Computernetzwerk hinterlassen hat.
Wie viele Datensätze von den insgesamt 48 670 untersuchten Sportlern kopiert wurden, konnte Biltgen nicht sagen. Auch antwortete er nicht auf die Frage, ob gegen den betroffenen Arzt ein Disziplinarverfahren angestrengt werde, weil er sein Passwort für jeden sichtbar an seinen Bildschirm geklebt hatte. Ihm warf Biltgen Unachtsamkeit vor: "Das ist, als ob jemand seinen Haustürschlüssel mit der Anschrift in einer Kneipe liegen lässt."
Aus dem Vorfall werde die Regierung Lehren ziehen, versprach Biltgen. So solle die Datensicherheit in staatlichen Netzwerken weiter verbessert werden. Schon jetzt laufen Kurse für Staatsbeamte zum Umgang mit dienstlichen Passwörtern.
Die Piratenpartei hatte die Datenpanne am Donnerstag an die Öffentlichkeit gebracht: Ein Hacker hatte in den Büros der medizinischen Kontrolle beim "Institut national du sport" einen Zettel mit dem Benutzernamen und dem Passwort gefunden und war später in die Datenbank mit den Gesundheitsakten von 48.670 lizenzierten Sportlern aus Luxemburg eingedrungen.
In einer Reaktion auf Biltgens Aussagen wendet sich die Piratenpartei gegen die Kriminalisierung des Hackers. Sollte sich herausstellen, dass keine Daten veröffentlicht wurden und somit kein Schaden entstanden ist, fordert die Piratenpartei Straffreiheit. Biltgen habe viele Fragen offen gelassen, meint Sven Clement, Präsident der Piratenpartei: "Ein Passwort zu ändern und Sicherheitskurse machen, das wird das Problem nicht lösen."
Sportminister Romain Schneider hatte den Vorfall am Donnerstag ebenfalls bedauert.