Von Helmut Hetzl (Den Haag)
Der Skandal um die Manipulationen des Basiszinssatzes Libor (London Interbank Offerd Rate) weitet sich immer weiter aus. Nun heißt es, dass auch die niederländische Rabobank in die Manipulationen des Libor-Zinssatzes verwickelt sein soll.
Die Rabobank soll nach Informationen der Wirtschaftszeitung ,,Het Financieele Dagblad‘‘ im Jahr 2008 unmittelbar nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers und im Jahr 2011 vier Top-Banker gefeuert haben, weil sie dahinter- kam, dass diese Rabo-Banker an den Fälschungen des Libor-Zinssatzes beteiligt waren.
Die vier entlassenen Rabo-Banker sollen in London und am Utrechter Hauptsitz der Rabobank in den Niederlanden gearbeitet haben.
Die Rabobank schweigt bisher eisern zu dem Bericht. Sie ließ lediglich verlauten: ,,Wir bieten unsere Zusammenarbeit bei den Ermittlungen an.‘‘ Die laufen inzwischen. Denn sowohl die niederländische Zentralbank DNB als auch die Börsenaufsichtsbehörde AFM ermitteln inzwischen gegen die Rabobank und verlangen, dass diese die Karten auf den Tisch legt und erklärt, ob ihre Ex-Mitarbeiter an dem großen Fälschungsskandal des Libor-Zinses beteiligt werden oder nicht.
Die Rabobank ist die einzige niederländische Großbank, die zum erlauchten Kreis der 18 europäischen Großbanken gehört, die täglich ihren Zinssatz für die Interbankengeschäfte nach London melden, wo dann der Durchschnitt für den Referenzzinssatz Libor für Interbankengeschäfte aus all diesen Meldungen der Banken errechnet wird. Da der Libor der Leitzinssatz vor allem für Dollargeschäfte ist, können schon winzige prozentuale Änderungen auch hinter dem Komma riesige Summen bewegen, weil auf Basis des Libor weltweit täglich Geschäfte in Billionenhöhe abgewickelt werden.
Obwohl sie in Sachen Liborgate schweigt, kündigte die niederländische Großbank, die übrigens nicht an der Börse notiert ist, gerade umfangreiche Reorganisationen an. Die Rabobank will in den kommenden zwei Jahren „zwischen fünf und zehn Prozent“ der Arbeitsplätze weltweit abbauen. Das wären im Falle von zehn Prozent 3 500 Stellen, da die Bank rund 35 000 Mitarbeiter weltweit zählt.