International Veröffentlicht am 06.02.12 08:44

„Baby Doc“ kommt davon

Kein Verfahren wegen verjährter Gräueltaten - Tausende Opfer bleiben ungesühnt

Jean-Claude Duvalier und sein Vater François sind für rund 60 000 Tote verantwortlich.
Foto: afp

Es lebt sich wieder gemütlich in Haiti, wenn man Duvalier heißt. Tausende Anhänger halten Jean-Claude Duvalier, genannt „Baby Doc“ und Diktator im Ruhestand, in seiner Heimat noch immer die Treue. Auch Präsident Michel Martelly hegt Sympathien für den Tyrannen und seine Getreuen. So sehr, dass er sogar einige in seiner Regierung untergebracht hat.

Die Staatsanwaltschaft entschied jetzt, den 60 Jahre alten Ex-Gewaltherrscher für seine Gewaltverbrechen zwischen 1971 und 1986 nicht zu belangen. Seit seiner überraschenden Rückkehr aus dem vergoldeten Exil vor einem Jahr waren 18 Strafverfahren gegen Duvalier in Haiti eingeleitet worden. Diese wurden jetzt alle als gegenstandslos abgeschmettert.

Die Verbrechen seien verjährt, urteilte die Justiz. Damit bleiben die Tausenden Folter- und Mordopfer ungesühnt, die in den 15 Jahren von Baby-Docs-Herrschaft seine Knute und die seiner Totschlägertruppe „Tontons Macoutes“ zu spüren bekamen. Auch für die Veruntreuung von geschätzten 500 Millionen Dollar Staatsgeldern wird er sich nicht verantworten müssen.

Entscheidung ist ein Skandal

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hält die Entscheidung für einen Skandal.

Den Opfern Duvaliers bleibt jetzt nur noch, vor den Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof zu ziehen. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission jedenfalls hat gegen die Entscheidung der haitianischen Justiz protestiert.

Jean-Claude Duvalier und sein Vater François, genannt „Papa Doc“, weil von Beruf Arzt, hatten den karibischen Staat von 1957 bis 1986 in einer Art Erb-Diktatur tyrannisch regiert. Gemeinsam sind sie für rund 60 000 Tote verantwortlich. François Duvalier regierte 14 Jahre lang bis zu seinem Tod 1971.

Staatschef mit 19 Jahren

Jean-Claude wurde mit 19 Jahren Präsident werden. Baby Doc war damals jüngster Staatschef der Welt. Mehr als die Macht aber liebte er noch schnelle Autos und schöne Frauen. Baby Doc ließ nicht nur durch seine Privatarmee „Tontons Macoutes“ Tausende töten, sondern er plünderte das Land aus, während Demokraten und die Intelligenzia die Flucht ins Ausland antraten.

Nach einer Hungerrevolte ließen die USA Baby Doc am 7. Februar 1986 ausfliegen. Frankreich hatte sich zuvor bereit erklärt, ihn als Exilant aufzunehmen. In prallen Koffern schleppten er und seine Verwandten eine dreistellige Millionen-Summe aus dem Land.

Den ungekürzten Artikel finden Sie im Luxemburger Wort vom Montag.

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